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Karwendellauf – Laufen vor traumhafter Kulisse

7. November 2019 von Markus Ritter

Markus Ritter, einmalig

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Der Karwendellauf: 52 Kilometer mit 2380 Höhenmetern. Unser Laufexperte Markus hat sich in dieses Abenteuer gestürzt. Hier ist sein Erfahrungsbericht.


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Die Anreise

Schon die Anreise lässt erahnen was die Teilnehmer beim Karwendellauf- bzw. marsch erwartet: Bei der Fahrt in die Olympiaregion Seefeld kommt man aus Richtung Garmisch-Partenkirchen sehr schnell in die Region des Karwendels. Hinter Mittenwald geht es über die Grenze zu Österreich und Scharnitz -gehörend zur Gemeinde Seefeld- ist sowohl mein Reiseziel und gleichzeitig Startort des Karwendellaufs.
Da ich mit dem Camper Van unterwegs bin geht es am Tag vor dem Start zu Johann und dem Karwendel Camp in Scharnitz. Ein kleiner, familiärer Stellplatz mit allen Annehmlichkeiten die ein Camper braucht und nur ca. 7 Gehminuten vom Start entfernt. Kurz aufgestellt und schon bin ich auf dem Weg zur Startnummernausgabe neben dem Start. Dass 2.500 Teilnehmer (ausverkauft) vorangemeldet sind merke ich hier noch nicht. Das Wetter spielt mit, alle sind entspannt und freuen sich auf den nächsten Morgen.

4:45 Uhr klingelt der Wecker
Apropos: Startzeit 06.00 Uhr. Nicht wirklich für alle ein Genuss, das merke ich am Tag darauf. Um 04.45 Uhr klingelt der Wecker. Ein kurzes leichtes Frühstück und ab geht es mit vielen Läufern stumm Richtung Startlinie. Ein wuseliges Treiben kurz vor Sonnenaufgang erwartet mich in der Ortsmitte von Scharnitz. Musik und Moderator wecken uns endgültig auf. Kleiderfrage: Noch ist es frisch, tagsüber soll die Sonne scheinen. Was tun? T-Shirt und leichte Windjacke ist die Wahl des Moments. Dazu habe ich Trailrunning Rucksack und Stöcke mit am Start. Vorweg genommen: Die Verpflegung unterwegs ist so gut und ausreichend das ich mir die Getränkeblase hätte sparen können. Auch das Angebot an fester Nahrung ist überragend. Mehrere Sorten Obst, Schnittchen, Suppen etc. Und alles Bio! Insgesamt neun Mal kann unterwegs aufgetankt werden, das reicht allemal.

Der Start
06:00 Uhr: Die Böllerschützen schicke mich in die Nacht. Ein imposantes Bild wenn 2500 Starter sich langsam in die Nacht verabschieden. Trotz früher Stunde sind die ersten Meter nach dem Start in Scharnitz von sehr vielen Zuschauern gesäumt die begeistert applaudieren. Vielen Dank dafür! Nach 2 KM geht es in die erste Bergwertung, die Gespräche verstummen. Nach einigen Kilometern und Labestation 1 öffnet sich ein Tal.

Die Sonne geht auf

Markus Ritter, einmalig

Der Nebel zaubert eine fantastische Stimmung. Niemand spricht. Die Strecke – im Moment relativ eben- erlaubt den vollen Genuss dieses morgendlichen Schuauspiels. Deshalb bin ich hier! Vor mir liegt mein erstes Etappenziel, das Karwendelhaus. Von dort geht es über den kleinen Ahornboden und Ladizalm Richtung Falkenhütte. Die letzten Meter bis dorthin lassen nur zügiges gehen zu – zumindest für meinen Konditionsstand. Egal: Bei Karwendellauf darf auch marschiert werden, umgekehrt darf beim Karwendelmarsch auch gelaufen werden. Ein Blick in die Ergebnislisten nachher zeigt mir das viele Wanderer schneller waren wie ich. Macht nix, hier steht das Naturerlebnis ganz klar im Vordergrund. Kein hektisches Bechergreifen an den Labestationen, kein böses Wort. Im Gegenteil, es wird geredet, viele setzen sich hin und genießen die Umgebung. Immerhin sind wir schon bei Kilometer 30 auf einer Höhe von 1.848m, direkt neben und die Laliderer Wände.

Hier könnte ich den Tag verbringen denke ich mir, entscheide dann aber doch Windjacke und T-Shirt gegen Lauftop zu tauschen und mache mich auf einem schmalen Höhenweg entlang der Laliderer Wände auf in Richtung Eng. Die Eng mit gleichnamiger Engalm liegt nur leider wieder 600 HM tiefer. Ich bin froh das ich die Stöcke dabei habe (danke Helinox!). In der Eng bei KM 35 wartet die nächste Labestation und es besteht die Möglichkeit hier auszusteigen, Transfers sind organisiert (vorher abmelden!). An diesem Punkt der Strecke haben auch Begleiter, Zuschauer und Freunde die einzige Möglichkeit ohne größere Kraftanstrengung Ihre Teilnehmer anzufeuern – die Eng ist mit dem Auto erreichbar.

Ich muss weiter

Ich muss weiter, wieder hoch, über die Binsalm zum Gramai Hochleger. Es sind gut 500 HM die ich auf den nächsten knapp 7 KM zu bewältigen habe. Schweigend, mit erhöhten Stockeinsatz geht es in einer langen Schlange auf einem schmalen Pfad in ungezählten Kurven immer weiter hoch. Außer mein Schnaufen und das meiner Mitstreiter höre ich nichts. Gefühlt 1,5 Stunden später sind wir oben, ziemlich genau bei der Marathondistanz. Der Wald öffnet sich und wir blicken über die Gramaialm talwärts. „Nur noch“ Berg runter. Die Forstbehörde spielt mit und ist mitten in der Renovierung des Forstwegs. Das beschert uns einen rutschigen downhill den nicht alle ohne Blessuren bewältigen. Auch einige Krampfopfer gibt es zu „beklagen“, ich bleibe verschont. Tschaka! Spätestens ab der Falzturn Alm (1.100 m) geht es fast eben Richtung Ziel in Pertisau in der Regfion Achensee.

Die Zeit spielt keine Rolle

Fast ein genüssliches Auslaufen nach dem ständigen Auf und Ab. Da kommt dann doch der Straßenläufer durch und ich kann noch einige Positionen gut machen. Nur – wofür? Die Zielzeit spielt für mich keine Rolle. Viel zu viele Faktoren machen den Lauf nicht vergleichbar, weder mit anderen Veranstaltungen noch von Jahr zu Jahr. Strecke und Wetter sind unberechenbar. Und das ist gut so. Ich trabe die letzten Meter durch den Ort zum Ziel in Pertisau und werde von einer begeisterten Zuschauermenge empfangen. Selbstverständlich ist auch die Zielverpflegung hervorragend. Ich genieße es noch einige Zeit im Zielbereich zu verbringen und viele erschöpfte, aber glückliche Menschen zu sehen. Es war mein erster Trailrun, bestimmt nicht mein letzter. Mich begeistert das freundliche Miteinander, nicht die unbedingte Zeithatz wie beim Straßenlauf oder Triathlon.
Mit dem Termin Ende August kann ich gut leben. Meine Triathlonsaison ist dann vorbei und der Blick über den Tellerand hat bestimmt nicht geschadet.

Fazit zum Lauf

Unbedingt machen! Traumhafte Kulisse, perfekte Organisation, unendlich freundliche Helfer. Das das Wetter auch noch mitspielte (Sonnenbrand habe ich mitgebracht) war Glück.
Zu guter Letzt und nicht unwichtig: Regeneration. Da ich aus dem Münsterland angereist bin gönne ich mir noch zwei Tage Pause am Achensee und beziehe Quartier im Alpenhotel Tyrol in Pertisau, wiederum nur einige Gehminuten vom Ziel entfernt. Ich habe Glück und Besitzer Roland empfängt einen sehr langsam schlurfenden Karwendellauf-Bewältiger am Eingang. Wir kommen ins Gespräch und schnell wird klar das hier neue Wege gegangen werden. Ein sehr frisches Ambiente empfängt den Gast, als ehemaliger Werber würde ich sagen eine tolle Marke wird aufgebaut. Saunalandschaft nicht nur im Keller sondern auch im Bauwagen und Berggondel im Garten, Schwimmteich. Riesige Zimmer mit Balkon und modernen Bad. Bikeverleih, Radl-Touren Angebot etc. und entsprechenden Winterprogramm. Und das Frühstück. Was für ein Frühstück. Nix was es nicht gibt, ein wahrer Gaumenschmaus. Man merkt das Roland & sein Team das Hotel „leben“ und vieles, nein alles anders machen wie viele andere Häuser in der Region Achensee. Bleibt ihm nur die Daumen zu drücken das er Erfolg hat. Mir hat es sehr gefallen.
Wer Fragen zu Unterkünften und dem Karwendellauf hat kann sich gerne bei mir melden.

Autor: Markus Ritter
Fotocredit: Markus Ritter

Links:
Karwendel Camping: http://www.karwendelcamp.at/index.php/de/
Karwendelauf: https://www.karwendelmarsch.info
Alpenhotel Tyrol: https://www.hoteltyrol.at/de

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