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Lerne zu leiden, ohne zu klagen – oder auch: Das 24h-Schwimmen von Emmerich.

Wer meinen Blog verfolgt hat, der hat von meiner „Hassliebe“ zum Schwimmen bestimmt etwas mitbekommen. Ich habe Schwimmen beim Triathlon gut gerne oftmals mit einer Chemotherapie-Sitzung verglichen: „Ein notwendiges Übel  auf dem Weg zum Ziel.“

Für einige mag dieser Vergleich ziemlich krass und etwas hochgegriffen klingen, aber eine Trainingseinheit im Wasser war für mich ähnlich schlimm zu ertragen, wie acht Stunden an einer Infusionsnadel zu hängen. Es gab Zeiten, da hatte  ich richtige Angst vor dem Schwimmen, aber ich konnte nie erklären warum.

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„Was man nicht kann, macht man nicht gerne“

Ich habe zwar mal irgendwann Schwimmen gelernt, aber so richtig weit nach vorne hat mich das in meiner kurzen „Triathlon-Karriere“ bisher nicht gebracht. Was man nicht kann, das macht man nun mal nicht gerne. So einfach war das für mich. Und irgendwie habe ich es ja auch immer in’s Ziel geschafft. Ich habe versucht mit so wenig Trainingseinheiten wie möglich auszukommen.

Seit ein paar Wochen sieht das anders aus, ich hatte endlich richtiges Schwimmtraining und siehe da, die Wasserlage ist gar nicht so schlecht, wie ich es mir eingeredet hatte. Hier und da ein paar Tipps vom Trainer, auch gerne in sehr regelmäßigen zweiminütigen Abständen, und langsam konnte man auch erkennen, dass es sich um Kraulschwimmen handelt. Ich machte Fortschritte. Langsam, aber ich machte sie. Und der Trainer – ja, der ist sehr geduldig.

Unverhofft kommt oft

Vier Wochen nach meinem ersten Schwimmtraining hatte ich dann eine Entscheidung getroffen, mit der keiner meiner Freunde und Familie jemals gerechnet hätte.
Julia Jeromin, einmaligEine Teilnahme am 24h-Schwimmen in Emmerich. Für jemanden, der im Training nicht mal zwei Kilometer am Stück schwimmt, klingt das mehr nach einem Witz, als nach einer realistischen Aufgabe. Aus einer „Schnapsidee“ hat sich schnell unter unseren Freunden eine kleine Spenden- und Kilometer-Battle ergeben. Ich sollte also 15 Kilometer schwimmen!?! Das war die Vorgabe.

Gesagt, getan…

Ohne Erfahrungswerte,  ohne zu wissen wie mein lädierter Körper die Strapazen verkraften würde und mit dem Hintergedanken, dass mir Schwimmen nie richtig viel Freude bereitet hatte.

Aber gesagt, getan. Wir fuhren am Samstag nach Emmerich. Wir, das waren in dem Fall meine Freundin Katja und mein Vereinskollege Jan. Jan und ich wollten (oder sollten) zusammen 55 Kilometer schwimmen, Katja wollte sich nicht festnageln lassen und die Angelegenheit entspannt angehen, und unsere Freunde verfolgten belustigt via Facebook-Liveticker, wie viel Euro letztlich an das Lukas-Hospiz in Herne gehen würden.

Schwimmen für den guten Zweck

Also ging Samstag am frühen Nachmittag ab in’s Becken, mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass, wenn wir hier am Sonntag aus dem Wasser steigen würden, wir nicht nur alle eine persönliche Bestleistung erzielt hätten, sondern auch noch was Gutes getan hätten.

Ich muss sagen, es war wirklich ziemlich anstrengend. Das Wasser wurde von Mal zu Mal kälter, die Bahnen, die wir zogen, wurden länger, das Chlor brannte auf der Haut, die Arme wurden schwerer, die Schultern knackten…. Ich könnte diese Liste beliebig weiterführen. Aber die Zeit des Jammerns ist schon lange vorbei und ich konnte Samstagnachmittag meinen ersten Erfolg „feiern“. Die Hochrechnung um 19 Uhr ergab, dass ich bereits 7,2 Kilometer geschafft, und damit schon die Halbzeit für meine 15 Kilometer-Marke erreicht hatte.

Mit Spaß dabei

Doch Triathleten wären keine Triathleten, wenn sie nicht wie wahnsinnig Ihre Kilometerstände und AK-Platzierungen studierten, ausrechneten und verglichen. Am Abend  war uns klar, das hier wird nicht nur eine Spaßveranstaltung, das wird auch ein „Kampf“ um AK-Platzierungen, denn die Konkurrenz schlief nicht. Im wahrsten Sinne des Wortes. Während ich nachts um drei Uhr mit Jan meine Bahnen zog, waren die Nachbarbahnen noch gut besucht. Selbst Familien mit Kindern machten ein fröhliches Happening aus diesem Event.

Ich bin selbst überrascht und hätte im Leben nicht damit gerechnet, dass ich mich einmal sagen höre, dass Schwimmen mir wirklich Freude bereiten könnte. Aber das tat es.

Auch wenn die Überwindung nach jeder Einheit größer wurde nochmal in’s Wasser zu gehen, werde ich das rhythmische Geräusch von Armzug und Ausatmen in nächster Zeit vermissen. Es hat mich immerhin bei knapp 14 Stunden reiner Schwimmzeit begleitet und war über lange Strecken im Wasser, das einzige Zeichen, dass der Körper noch funktioniert. Muskeln spürte ich gar nicht mehr und meine Gedanken, waren auch schon alle aufgebraucht.

Das Ziel übertroffen

Julia Jeromin, einmaligWir beendeten am Nachmittag das Event mit einer, für uns, hervorragenden Leistung. Insgesamt haben wir drei zusammen 76,1 Kilometer erschwommen. Jan hat mit 36 Kilometer den ersten Platz in seiner AK geholt, Katja und ich belegten jeweils Platz Drei mit 15 und 25 Kilometern. Auch wenn Platzierungen nebensächlich waren und der Spaß (wo auch immer der bei 14 Stunden sein sollte) im Vordergrund stand, haben wir uns darüber sehr gefreut.

Mein selbst auferlegtes Ziel von 15 Kilometern habe ich mit knapp 25 Kilometern absolut übertroffen. Und ich bin glücklich. Jeder, der vorher den Kopf geschüttelt und mir nicht mal 15 Kilometer zugetraut hatte, war mindestens genauso erstaunt wie ich.

Wir sind übrigens nicht die einzigen gewesen, die für den guten Zweck unterwegs waren. Tobias Beyer, Triathlet vom Reeser SC, hatte einige Sponsoren mobilisiert und wollte einen vierstelligen Euro – Betrag erschwimmen. Am Ende des Tages stand er mit 42,7 Kilometern als Sieger dieser Veranstaltung fest und das Kinderhospiz in Düsseldorf wird sich über seinen Beitrag sicherlich ebenfalls riesig freuen.

Glückwunsch zu dieser Leistung und dass Du selbst nach 42 km immer noch mit einem Lächeln im Wasser warst!

Danke!

Bevor ich mir gleich überlege, wie ich am besten das restliche Wasser aus meinem Ohr bekomme, noch schnell ein kurzes Wort an meinen wohl „besten“  Freund Malte – er hat mir damals zum Einstieg in den Triathlon nicht nur einen Neoprenanzug geschenkt, er war auch einer der wichtigsten Wegbegleiter während meiner Krankheit, hat Stunden mit mir und dem Infusionsständer verbracht und war Hauptantrieb dieses 24-Stunden Schwimmens. Danke, dass Du wirklich jeden Unfug mitmachst, egal wie unmöglich es im ersten Moment erscheint!!!!

Wenn  ich eins in dem letztem Jahr in der Beziehung zu meiner Krankheit gelernt habe, dann ist es das Durchhalten. Und nicht aufzugeben. Es klingt so abgedroschen, wie viele andere Kalendersprüche auch, aber da ist was dran. Wenn man ein Ziel fest vor Augen hat, sollte man so fokussiert sein, dieses auch zu erreichen. Und dann sind Dinge möglich, an die man niemals zu vor geglaubt hat…

Amen. ;-)

In diesem Sinne wünsche ich Euch eine schöne Woche und mir wünsche ich morgen ein gutes Schwimmtraining! :-)

Zu Julia Jeromins Website.

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Fotos: Julia Jeromin

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