Du bist hier: Triathlon Portal - triathlon.de > Julia Jeromins Blog: Giving up is not an option!

Lorang vs. Rugovac: Trainingsplangeflüster

„Motivation bezeichnet das auf emotionaler und neuronaler Aktivität (Aktivierung) beruhende Streben des Menschen nach Zielen oder wünschenswerten Zielobjekten…“ sagt Wikipedia.

Aber wie motiviert man sich am besten? Muss man sich überhaupt motivieren oder läuft der Trainingsalltag von selbst? Ist das, was ich hier mache überhaupt sinnvoll? Und wie machen es die anderen?

Motivationsgedanken

Julia Jeromin, einmalig

Nach einem Jahr im „Kämpfermodus“ gegen eine Krankheit, die nicht mein komplettes Leben einnehmen sollte, habe ich mich gefragt, in wie weit diese Motivation auch auf das sportliche Leben adaptierbar ist. Der Kopf ist müde, der Körper auch. Ich habe mir eine etwas längere Erholungspause gönnen müssen und auch eingesehen, dass es ohne diese nicht geht.

Mit neuer Energie habe ich das angefangen, was Triathleten normalerweise Anfang des Jahres tun. Bestandsaufnahme des Körpers und Trainingsplangestaltung für den Winter. Ich möchte jetzt im Winter die Grundlage für das legen, was im Frühjahr dann ausgebaut werden kann. Ich möchte so vieles auf einmal und am liebsten 7 Mal die Woche.

Und dabei habe ich mich gefragt, wie es denn die anderen „da draußen“ machen. Neben einer 40 Stunden Woche, Familie und Freunden bleibt oftmals nicht viel Zeit für sportliche Aktivitäten. Zumindest dachte ich das früher immer. Wenn ich aber sehe, wie viele Menschen der Leidenschaft zum Triathlon nachgehen, muss dies kompatibel mit einem „normalen“ Leben und Vollzeit -Job sein.

Und so ist es jetzt auch bei mir.

Ich nehme mir Zeit, für Dinge, die mir wichtig sind. „Wenn du liebst, was Du tust, wirst Du nicht einen Tag mehr arbeiten müssen in Deinem Leben“. So ähnlich ist das auch beim Triathlon. Jetzt sagt sich das für mich so leicht, wenn man keine Familie hat, die die volle Aufmerksamkeit benötigt, klappt das auch ganz gut.

Bleibt wieder die Frage, wie machen es die anderen?

Dan Lorang, DTU – Bundestrainer und u.a. Coach von Jan Frodeno steht für professionelles Coaching und Planung.

Fuad Rugovac, Langstreckentriathlet vom Herner Triathlon Team ´11 steht für Alltagstaugliches-Agegrouper Training.

Beide Sichtweisen haben Vor- und Nachteile in der Gestaltung des Sports, in der Sicht auf die Dinge, in der Planung und Umsetzung. Aus diesem Grunde haben mir beide  Herren jeweils einen Einblick in Ihre „Trainingswelt“ gegeben. Was die beiden sagen – lest selbst:

Dan Lorang, 35, DTU Bundestrainer:

Hallo Dan, kurz nach Kona sind die Leistungen der deutschen Profitriathleten in aller Munde und es scheint, als wäre ein Ruck an zusätzlicher Motivation und Faszination in Sachen Triathlon für den kommenden Winter durch die Social-Media Kanäle gegangen. Stichwort Motivation: Viele Profis (und auch die meisten Freizeitsportler) sind „reglementiert“ in Trainingsplänen. Ein notwendiges Übel auf dem Weg zum Erfolg, bei dem oft der Spaß verloren geht.  Welchen Rat / welche Tipps gibst du Deinen Athleten, dass genau das nicht passiert?

Trainingspläne sind wichtig um den Überblick zu behalten. Nichts desto trotz sollte der Athlet eine gewisse Freiheit haben um auch mal außerplanmäßig agieren zu können. Da sollte verständlicherweise nicht bei jeder Einheit der Fall sein, da ansonsten ein Plan nicht von großen Wert ist aber es gibt Tage an dem ein Athlet einfach merkt ob ihm das vorgegebene Training „gut tut“ oder ob es einfach „sinnlos“ ist. Dann sind Anpassungen sicherlich möglich und nötig. Vor allem wenn Athleten in der Gruppe trainieren, kann es schon mal passieren, dass eine lockere Einheit zum Wettkampf wird da es einfach Spaß gemacht hat und die Athleten sich gegenseitig pushen. Dann gilt es die Einheit im gesamten Trainingsprozess einzuordnen und den Rest anzupassen.

„Biologische Hochs“ wie ich sie immer gerne nenne, sollte man ausnutzen. Also wenn sich ein Athlet am Tag X super fühlt aber an dem Tag nur ein GA1 Training angesagt ist, kann es schon mal sein, dass wir kurzfristig umstellen (falls es auch Sinn von der Gesamtkonstellation macht) und ein Fahrtspiel oder eine intensive Einheit daraus machen. Gleiches gilt auch umgekehrt, wenn Intensität ansteht und es dem Athlet schlecht geht. Nicht alle biologischen Prozesse sind vorhersehbar, egal wie gut man plant.

Mit Jan Frodeno tauscht Du virtuell die Trainingsdaten aus. Wie gestaltet Ihr eine Trainingswoche, wie flexibel seid Ihr in der Planung? Tauschen sich Athleten untereinander aus, oder wendet man „Psycho-Tricks“ an, nach dem Motto „wenn ich erzähle wie viel ich trainiere, trainiert die Konkurrenz noch mehr“.

Das Training von Jan wird immer eine Woche im Voraus geplant und es kann dann zu täglichen Anpassungen kommen falls diese notwendig sind. Wir stehen in engem Kontakt und können sehr flexibel diese Anpassungen vornehmen. Athleten reden schon mal miteinander über ihr Training aber dabei werden die Gespräche eher allgemein gehalten und es wird sich nicht groß über Details ausgetauscht. Gewisse Dinge sind dann doch wohl „Betriebsgeheimnis“.

Der Unterschied im Trainingsalltag zwischen einem Profi und einem Agegrouper liegt hauptsächlich im zeitlichen Aufwand. Ein wichtiger Faktor ist auf den Körper zu hören. Wie sieht Deiner Meinung nach eine gesunde Trainingswoche aus? Wie viel Stunden sollte man für das Finishen einer Mitteldistanz einplanen? (Wenn man das so pauschal sagen kann)

Sicherlich trainieren Profis mehr als Agegrouper aber sie haben vor allem auch mehr Zeit zum Regenerieren. Das macht in meinen Augen auch den größten Unterschied aus. Agegrouper können ihr Trainingspensum schon enorm hochschrauben (auch wenn dabei das soziale Leben oft stark leidet) aber ihnen fehlt dann oft die Regeneration um die Reize zu verarbeiten. Bei den Agegroupern sollten 12-14 Stunden im Schnitt pro Woche ausreichen um gut über eine Mitteldistanz zu kommen.

Zum guten Schluss: Was macht Triathlon für Dich aus, was begeistert Dich an dem Sport?

Am Triathlon fasziniert mich, wie es möglich ist, in drei Disziplinen gleichzeitig Höchstleistungen zu bringen. Auch der Trainingsprozess an sich ist immer noch beeindruckend: Wie sich Leistung aufbaut, wie der Körper sich anpasst,….Durch die Grundsportarten Schwimmen, Radfahren und Laufen ist Triathlon auch ein Sport der für die meisten Menschen machbar und nachvollziehbar ist. Aufgrund der unterschiedlichen Distanzen können viele in den Genuss kommen was es heißt ein Triathlet zu sein.

Foto: Ingo Kutsche, frei

Fuad Rugovac, 40, Herner Triathlonteam ´11

Fuad, Regionalligameister und Aufsteiger mit dem HTT in die NRW-Liga, Ironman Mallorca nach lästiger langwieriger Verletzung, 9:54:47 Stunden, Platz 176, indeiner AK 35. Das ist eine starke Leistung.

Wie lange betreibst du Triathlon und was waren deine Beweggründe zu beginnen?

Ich habe irgendwann einmal mit dem Rauchen aufgehört, als meine Frau schwanger war. Dann habe ich recht flott an Gewicht zugelegt und fing dann an zu laufen. Es folgte schnell der erste Marathon und nach einigen Jahren kam ich dann zum Triathlon.

5:12 war Deine Radzeit beim Ironman Mallorca. Man hat viel Zeit um über etwas nachzudenken – was geht Dir durch den Kopf, worüber denkst Du nach und wie motivierst Du Dich?

Man malt sich Szenarien aus, wie das Rennen weiterlaufen könnte, meist nur positive Gedanken und geht auch schon mal den Zieleinlauf durch. Wenn man gute Beine hat pusht das umso mehr. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich diese Saison erstmals Motivationsprobleme in der Vorbereitung hatte. Es ist nicht einfach, wenn die Saison so lang ist. Aber ich bin ein Wettkampf-Typ, wenn ich einmal im Rennmodus bin, kann ich mich auch richtig quälen.

Stichwort Trainingspensum: Du bist verheiratet, Vollzeitvater, berufstätig und nebenbei noch Hundebesitzer. Wie geht das? Wie sieht dein Alltag aus? (Als Beispiel: Jan Frodeno steht um 8:00 auf und beendet seinen Tag um 21:30) Wie trainierst Du welche Disziplin und wie lange?

Mein Trainingspensum liegt im Jahresdurchschnitt bei  ca. 17 Stunden. Wenn ich für eine Langdistanz trainiere, in der direkten Vorbereitung, auch bis zu 25 Stunden die Woche.
Ich stehe um 5:00 Uhr auf, dann kurz mit dem Hund vor die Tür. Ich fange um 6:00 an zu Arbeiten und bin um 13:30 fertig. Oft baue ich ziemlich direkt nach der Arbeit schon eine Laufeinheit ein, danach ab zur Familie. Dann geht’s Abends nochmal in’s Wasser und die langen Radeinheiten kommen meist am Wochenende dazu.

Pro Woche sind das 80-90 % im Grundlagenbereich dann kommen noch in jeder Disziplin die typischen Intervalle in den anderen Bereichen dazu.

Organisation ist alles. Ich versuche alle Wege so kurz wie möglich zu halten und auch oft bestimmte Termine mit dem Training zu verbinden. Eine Geburtstagsfeier im 36 Kilometer entfernten Lüdinghausen habe ich als Laufeinheit genutzt, während die Familie mit dem Auto fuhr.

Was macht Triathlon für Dich aus?

Ich liebe das Training, einfach in der Natur unterwegs zu sein und mein Ding zu machen. Ich bin nicht der Typ der im Urlaub stundenlang in der Sonne liegt und ein Buch liest. Von daher passt Triathlon richtig gut zu mir.

Rugovac, einmalig

Was beide teilen, ist die Liebe zur Bewegung und der Ansporn in jedem Training das Beste aus dem Athleten rauszuholen. Fuad „quält“ sich gerne selbst, Dan „quält“ gerne andere. In Deutschland gibt es schätzungsweise 250.000 Triathleten, in Vereinen, Profiteams, Hobbyteams, alleine im Park oder Schwimmbad oder im sozialen Netzwerk vor dem PC.

Ich halte mich an den Tipp von Dan Lorang: 12-14 Stunden pro Woche für die Mitteldistanz.

Puh. Von wegen „weniger ist mehr“, wie es oft so schön heißt.  Da muss ich wohl noch eine Schüppe drauf legen. Aufgeben ist keine Option, das gilt auch für 2015!

Danke Männer, für Eure Einblicke in die Trainingsplanung!

Zu Julia Jeromins Website.

Zurück zur Übersicht.

Fotos: Andreas Steffen, Ingo Kutsche, Fuad Rugovac

Triathlon.de Anzeigen
 
Zum Triathlon.de Newsletter anmelden