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Julia Jeromins Blog: Feels like Frodo

Julia Jeromin, einmaligWer kennt es nicht, das Motivationstief, das sich so häufig ungefragt breit macht. Gerne im Winter, nach einem Wettkampf oder auch regelmäßig morgens. Bei mir sitzt dieser innere Schweinehund seit einiger Zeit mehr neben mir auf der Couch als hinter mir auf dem Rad. (Und nein, damit ist nicht mein Freund gemeint.) Der Wiedereinstieg in das Training nach meiner Krebserkrankung ist doch gar nicht so einfach gewesen, wie ich zunächst angenommen hatte. Knapp zwei Monate nach meinem Befund „krebsfrei“ und einen Monat nach dem Berlin Triathlon bin ich nun genau dort angekommen, was viele als „die Hölle“ bezeichnen würden.

Beim Stabi-Training.

Die Begleiterscheinungen der Krankheit sind noch deutlich spürbar. Rückstände vom Kortison sind noch deutlich spürbar und eine überaus schlechte Muskulatur ist mein täglicher Begleiter. Das morgendliche Aufstehen wird zur Qual. Während meiner Krankheit war der Satz „Aufgeben ist keine Option“ mein ständiger Begleiter. Daraus ist heute „Aufstehen ist keine Option“ geworden.
Die ersten vier bis fünf Schritte fühle ich mich, als hätte ich eine zwanzigjährige Profisportlerkarriere hinter mir, jedenfalls spüre ich nichts weiter als Schmerz in meinen Beinen. Eigentlich ist es so simpel und banal: Aufstehen, Stabi-Einheiten absolvieren, Lauf-ABC, lockere Radeinheiten, ein bisschen Schwimmen und vielleicht nochmals die ein oder andere Stunde mit TRX verbringen. Eigentlich.

Jeden Tag bin ich in den letzten Wochen an meinen Laufschuhen vorbeigegangen und habe sie vollkonzentriert keines Blickes gewürdigt. Bisher hatte ich diesen „Krieg“ immer nur mit meiner Schwimmkleidung. Schwimmen habe ich gerne mit der Chemotherapie verglichen. Ein notwendiges Übel auf dem Weg zum Ziel. Und nun?

„Leben ist das, was passiert, während Du dabei bist, Pläne zu machen.“

Julia Jeromin, einmaligEine Blackroll, ein Stick und ein Golfball helfen mir Woche für Woche meine Faszien, die noch übrig gebliebene Muskulatur und alles Fiese, das in meinen Beinen fest sitzt, zu lockern. Mit positivem Erfolg. Das Training wird Stück für Stück schmerzfreier. Von Spaß ist allerdings immer noch nichts zu sehen. Bis zu dem Tag, als ich sah, wie es Jan Frodeno beim Ironman in Frankfurt erging.

So viel Pech kann man doch eigentlich an einem Tag gar nicht haben – dachte ich mir immer. Du kannst noch so perfekt vorbereitet sein, deine Renntaktik im Vorfeld perfekt zurecht gelegt haben… Wenn das Material nicht mitspielt, macht es dir ganz schnell einen Strich durch die Rechnung.
Kommt mir bekannt vor, „Leben ist das, was passiert, während Du dabei bist, Pläne zu machen.“

Eigentlich wollte ich auch nie wieder langfristige Pläne schmieden, aber das, was ich da in Frankfurt von Herrn Frodeno gesehen habe, das war unglaublich. Das war Leiden(schaft), das war K(r)ampf, das war Ergebnis harten Trainings, das war Passion – das war grandios.

Und genau das möchte ich auch einmal erleben. Gerne nächstes Jahr bei einem 70.3.

(Szenenwechsel)

Grandios war auch, was ich vor ein paar Tagen in der Laufabteilung gesehen habe: Den Asics Super J33. Ganz zufällig ist das auch Jan Frodenos Laufschuh.

Getestet, für gut befunden und mitgenommen.
Und direkt am nächsten Tag gelaufen.
Es war grandios.

Die Beine waren leichter, die Luft war besser, der Kopf war ausgeschaltet. Zum ersten Mal in diesem Jahr hatte ich ein Lauferlebnis der besonderen Art: Es hat mir richtig, richtig viel Spaß bereitet.

Julia Jeromin, einmalig

Geduld zahlt sich aus

Und ich musste wieder einmal feststellen, dass Geduld sich auszahlt. Nach solch einer Krankheits-Odyssee kann man keine Höchstleistungen erwarten und von sich selbst verlangen. (Und so langsam sehe sogar ich das ein.) Es waren nicht die Passform oder die Technik des neuen Schuhs, die die Veränderung brachten, schon gar nicht von einem Tag auf den anderen. Es war der Spaß, der zurückgekehrt ist. Die Lust am freien Laufen, mal nicht ständig im eigenen Körper oder in Trainingsplänen reglementiert zu sein. Einfach laufen, durchatmen, genießen, Kopf ausschalten, sich frei und glücklich fühlen.

Und wenn man dann nach dem Training an sich runter schaut und feststellt: Das sind ja wirklich die Schuhe von Jan „Frodo“ Frodeno!!!
Bäähm – Sind wir nicht alle ein bisschen „Groupie“? ;-)

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Fotos: Andreas Steffen

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