Du bist hier: Triathlon Portal - triathlon.de > Julia Jeromins Blog: Giving up is not an option!

Vorbereitung ist alles, im Land der tausend Tränen – ähm Hügel

Bikeday beim Ironman 70.3 Kraichgau. Den Tag hatte ich mir im Kalender ebenso fest angestrichen, wie den Wettkampftag. Beide Tage werde ich wohl in bleibender Erinnerung behalten. Zumindest den Bikeday. Erstmal.

Die Streckenbesichtigung konnte losgehen, nachdem Kolja mir die Entscheidung abgenommen hatte, in welcher Gruppe wir mitfuhren. In der schnelleren. Wahrscheinlich hatte er auch hier einen seiner Lieblingssprüche von Wettkampftagen im Hinterkopf, „Gib Gas, wir essen zeitig!“. Hat auch funktioniert bis zur ersten „Hügelabfahrt“ als mir die Kette beim schalten auf´s große Blatt abgesprungen ist. Dann war die Gruppe weg und wir mussten zu zweit weiter. Durch wunderschöne Felder, blühenden Raps mit einer tollen Aussicht. Jeder der sagt, wie wunderschön die Landschaft ist, sollte Recht behalten. Der Guide der vorher angekündigt hatte, das wir alles schlimme, was über die Radstrecke erzählt wurde, vergessen sollten, weil es noch schlimmer sei, auch.

Ich weiß gar nicht mehr, was ich mir im Vorfeld ausgemalt hatte, wie ich mir die Radstrecke vorgestellt hatte. Aber ziemlich sicher wusste ich nach den ersten 45 Kilometern, das ich mich von meinen geplanten drei-Stunden-Radpart verabschieden konnte. Nach dem wunderbar grausamen Anstieg in Gochsheim.
Zu schnell um die Kurve aus der Abfahrt gekachelt, zu blöd zum schalten, und dann jämmerlich versagt. Und hochgeschoben. Na das geht ja gut los.
Während ich mich mehr oder wenig fröhlich die weiteren „Hügel“ hochschleppte gab mein Rad immer seltsamere Geräusche von sich. Schleifen, quietschen, irgendwas dazwischen. Aber nur Bergauf. War ich doch noch zu schwer? Wahrscheinlich.

Der Name kommt sicher von Schinderei 

Julia Jeromin, einmaligBei km 61 dann die Erlösung und der erste Heulkrampf, weil ich mir das alles ganz anders vorgestellt hatte. Und mein Hinterrad hatte sich verzogen, und schliff an den Bremsen. Gott sei Dank, deswegen bin ich sicherlich die „Hügel“ so schlecht hochgekommen. So war der Gedanke. Und dann lief´s auch fröhlich weiter. Bis wir die Abbiegung zum Fichtelberg verpasst haben, und dafür einen anderen netten „Hügel“ erklommen haben. Verfahren. Und umgedreht.
Als wir dann doch noch korrekt Richtung Fichtelberg eingebogen sind und ich mich seelisch schon auf den Schindelberg eingestellt hatte, kam mir ganz zaghaft ein „Ach Du scheisse…“ über die Lippen. Ein Kilometer Fichtelberg hoch und nochmal hoch und irgendwie nochmal hoch und dann runter und dann wieder hoch. Auf den Schindelberg. Der Name kommt sicher von Schinderei, denn das war es. Puh.

Endlich oben angekommen haben wir eine Verpflegungsstelle angetroffen, mit der langsameren Gruppe, die dort grad Ihre letzte Pause machte und ebenfalls über den Schindelberg „schimpfte“.

Ab jetzt geht’s nur noch bergab

Wir haben beschlossen mitzufahren, die zweite Wechselzone anzuschauen und dann zurück zum Startbereich am Hardtsee zu fahren.
Mit den Worten „Ab jetzt geht´s nur noch bergab“ ging´s dann auch los. Ich hoffe, dieser Satz steht nicht sinnbildlich für die kommenden Wochen ein.

Die letzten Wochen der Vorbereitung waren ja schon ein kleines bisschen chaotisch, mir fehlen etliche Laufkilometer auf Grund einer lästigen Verletzung, es hätte wohl doch noch ein wenig mehr „Hügeltraining“ sein dürfen und überhaupt. Ein kleines bisschen Panik hat sich bei mir breit gemacht. Wie früher in der Schule, wenn man vor den Klausuren gemerkt hat, dass man viel zu spät mit der Lernerei begonnen hat. Aber jetzt ist es sowieso nicht mehr zu ändern. Noch knapp drei Wochen bis zum Rennen. Etwas Zeit um ein paar Einheiten noch zu absolvieren.

Konzentration auf die wichtigen Fragen

Ich habe mich von meinem Sub6 verabschiedet und bin froh, wenn ich den Wettkampf überhaupt irgendwie nach Hause bringe.
Und, ich stelle mir ab sofort wichtigere Fragen: Was zieht man / Frau an. Einteiler, Zweiteiler? Dixi oder laufenlassen? Cola oder Powerbar? Regen oder Sonne? Ankommen oder nicht ankommen? In Gochsheim schieben oder hochfahren? Und wie überlebe ich den HM?

All das geht einem ja doch irgendwie ständig durch den Kopf, wenn man sowas zum ersten Mal macht. Und wahrscheinlich auch wenn man es zum 100 Mal macht.

Julia Jeromin, einmaligWährend der Radstreckenbesichtigung habe ich mir geschworen, das wird mein letzter Triathlon. Nie, nie, nie wieder mache ich so eine Quälerei. Wofür eigentlich auch. 90 Kilometer alleine durch die Pampa fahren. Keiner da, mit dem man sich unterhalten kann. Okay, im Kraichgau habe ich wohl sowieso keine Luft mit irgendwem noch zu sprechen. Aber was macht man mehr als drei Stunden alleine auf dem Rad…. Ich werde es hoffentlich herausfinden.

Anything is…

Es soll doch Spaß machen und einen nicht zum verzweifeln bringen. Also auf dem Höhepunkt der Karriere aufhören. :-) Das war der Plan. Und dann bin ich wieder wachgeworden, aus dem Tagtraum. Als ich nach der Radausfahrt in meine Laufschuhe geschlüpft bin um zu schauen, ob meine Beine ein Eigenleben führen oder ich das alles noch steuern kann.
Klar macht es Spaß, die Kombination aus drei Sportarten, die man eigentlich alle nicht so wirklich gut beherrscht und dann damit noch ein zufriedenstellendes Ergebnis erzielen. Wenn das keinen Spaß macht, dann weiß ich auch nicht.
Eins weiß ich aber ganz sicher, ich möchte niemanden an der Strecke sehen, der mir erzählt, wie gut das ausschaut, oder wie toll ich noch in der Zeit bin….Spart Euch diese Lügerei für einen anderen Wettkampf auf! :-) (falls ich doch nochmal einen Triathlon machen sollte)
Tja, bald geht´s ab…Ein Event, dass ich mir vor drei Jahren so sehr gewünscht und vor dem ich jetzt so großen Respekt habe!
But don´t miss out on something that could be great, just because it could be difficult.

In diesem Sinne, anything is possible…..(I hope so…)
#daumendrückenfürjulia

Zurück zur Übersicht.

Fotos: Julia Jeromin

Triathlon.de Anzeigen
 
Zum Triathlon.de Newsletter anmelden