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Kolja im Wunderland – Ich habe heute leider kein Foto für Dich!

„Das Unmögliche zu schaffen, gelingt einem nur, wenn man es für möglich befindet.“, sagt Alice im Wunderland.

Ein passendes Zitat, das dieses bisherige „Seuchenjahr“ nicht besser beschreiben könnte.

Für Kolja stand am letzten Samstag in Kalkar der erste Saisonhöhepunkt an: Duathlon EM im Sprint. Ein Sprint, der für die Nachwelt irgendwie nie stattgefunden haben zu scheint. Aber eins nach dem anderen…
Bedeutet auch, Thrombose nach Syndesmosebandverletzung und Schokolade als Nervennahrung.

Julia Jeromin, einmaligDass Kolja, ganz bescheiden wie er ist, in Kalkar die Medaillensammlung um goldenes Edelmetall komplettieren wollte, hat er mir die letzten Wochen vom Frühstück bis zum Gutenachtkuss runtergebetet, als hätte ich ein Kurzzeitgedächtnis und könnte direkt nach dem Aussprechen vergessen, was Sache ist.

Frauen gehören ja eigentlich noch zu der Spezies, die zuhören und das gesagte abspeichern. Und dann nicht ausführen.
So auch passiert am Samstag Abend von 19:00-19:59 Uhr.

Kopf aus und einfach laufen

Den ganzen Tag schleppte ich das Smartphone mit mir rum, machte Fotos und Videos, versorgte Freunde und Familie mit Infos. Bei Kolja’s Warmup habe ich noch schön die Kamera draufgehalten und völlig sinnfreie Fotos und Videos gemacht.
Um Punkt 19:00 Uhr dann auch noch.

Danach habe ich abgeschaltet. Das ich zu Kolja gesagt hatte: „Kopf aus und einfach laufen“, hatte ich für mich wohl etwas zu wörtlich genommen. Da war der Abend nun endlich gekommen, auf den er sich seit Monaten vorbereitet hatte, dem man Einiges untergeordnet und von dem man so viel erwartet hatte.
Und der Abend an dem er sagte: mach lieber Videos statt Fotos. Fotos haben wir Dank Instagram ja auch zu genüge.

Inmitten einer englischen Armada von blau -weissen Einteilern ging das Rennen dann endlich los und Kolja schlug sich tapfer auf dem ersten Lauf. Ich mich auch noch. Als er auf Platz 4 liegend aufs Rad wechselte, hatte ich die Kamera noch schön in der Wechselzone draufgehalten und ihm ehrlicherweise zugerufen, dass er ganz gut im Rennen liegt und genau so weitermachen soll. Kaum ausgesprochen bekommt er den Helm nicht zu und fummelt und fummelt…

Julia Jeromin, einmalig

Ich fummelte auch um die Kamera an meinem Handy auszuschalten.

Und dann ging es auf die Radstrecke, bei gefühlten 50km/h Windböen. Nach 29 Minuten war der Spass vorbei. Kolja kam, dem Briten dicht auf den Fersen, in die Wechselzone. Und ich hatte genau Null Fotos und Null Videos gemacht.
Aber immerhin konnte ich noch sagen, dass er auf Platz zwei liegt und jetzt endlich mal Gas machen soll.

2,5Kilometer durch den Freizeitpark im Wunderland Kalkar. Hätte Kolja sich mal wie das weisse Kaninchen aus „Alice im Wunderland“ verhalten „ich komm zu spät, ich komm zu spät…“ und sich charmant an den Briten vorbeigeboxt. Aber so musste er leider einem von zwei Engländern den Vortritt lassen. Den anderen ließ er auf der Zielgeraden stehen. Sah gut aus, muss ich sagen. Wie er da nochmal angezogen und Gas gemacht hat. Hätte er sicher auch gerne gesehen. Aber ich hatte das Handy aus. In der Tasche. Kein Video. Kein Foto. Kein Gold.

Ich habe heute leider kein Foto für dich

Silber. Ein riesen Stein, der mir vom Herzen fiel und Freude. Das die harte Arbeit sich ausgezahlt und das Glück doch auch mal auf Kolja’s Seite war.

Julia Jeromin, einmalig

Actionfoto? Fehlanzeige!

Und dann die Erkenntnis – Moment mal, ich habe kein Foto. Zielsprint, Video…?? Nix. Erst als er röchelnd hinter der Ziellinie lag habe ich die Kamera draufgehalten.
Versteh einer die Frauen. Sagen ja Männer des Öfteren. Klarer Fall von nicht mitgedacht. Obwohl… er sagt ja sonst immer, dass man nicht alles auf dem Handy festhalten muss. Genau.
Deswegen findet man im Internet sicher später auch ausreichend Fotos von dem Rennen. #nicht

Kurz, Kinder, Elite, Para – alle Rennen wurden fotografiert – nur der Sprint nicht. Nix. KEIN einziges Foto. Weder vom professionellen Fotografen, noch vom Veranstalter, noch auf Instagram.

Haben wir das alles vielleicht nur geträumt, hat der Sprint nie stattgefunden? Hat er gar nicht Silber geholt?

Wenn ich heute aber „liebevoll“ seine Waden anfassen möchte, gibt er schmerzhafte Laute von sich. Der Muskelkater ist da. Die Medaille auch. Nur die Fotos nicht.

Also müssen wir das ganze nochmal wiederholen. Nächstes Jahr. Oder bei der Duathlon DM in ein paar Wochen.

Alles noch einmal 

Fotos zur Erinnerung zu haben ist nämlich gar nicht so doof.

Und ein zweiter Platz bei dem Heim-EM auch nicht. Das weiss Kolja jetzt auch und freut sich so langsam mal.

In Anbetracht der Tatsache, dass die Vorbereitung eine kleine Katastrophe war, darf man auch einfach mal zufrieden sein. Also er mit seiner Leistung. Nicht ich, mit meinem fotografischen Blackout.

Also liebe Community, falls Ihr mit Bildmaterial aushelfen könnt, immer her damit!! :-)

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Fotos: Julia Jeromin

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