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Hallo Julia! Wie geht es dir?

Aktuell geht’s mir sehr gut! Die Beine sind zwar etwas schwer, aber der Kopf freut sich. Ich bin gerade am vergangenen Wochenende vom Berlin Triathlon zurückgekommen und freue mich sehr über meinen ersten Start und Zieleinlauf auf der Sprintdistanz in dieser Saison! Insgesamt war das erst meine zweite Wettkampfteilnahme und ich habe noch viel Potenzial entdeckt, das ausgeschöpft werden will. ;)

2013 wurde bei dir eine Krebserkrankung festgestellt. Hautkrebs lautete die Diagnose, die bei einer Routineuntersuchung ausgesprochen wurde. Es folgten Immun- und Chemotherapie. Trotz der Strapazen hast du an deinem Ziel, einen Triathlon zu finishen, festgehalten, und das Rennen durchgezogen. Wie hast du die Motivation dazu beibehalten?

Julia Jeromin, einmaligDie Diagnose kam mitten in der Wettkampfvorbereitung, zwei Monate vor meinem allerersten Start beim Cologne Triathlon Weekend. So richtig realisiert hatte ich zu dem Zeitpunkt noch nicht, dass ich krank war, und ich wollte unbedingt starten.
Der Satz „giving up is not an option“ war ursprünglich für die faulen Trainingstage gedacht, zog sich dann aber als roter Faden durch die komplette Therapie von Juli 2013 bis heute.

 

Auch wenn das vielleicht fies klingt, aber ich wollte nie so sein wie „die“ anderen Krebspatienten. Ich wollte mein Leben selbst weiter bestimmen können, auch wenn man sich immer wieder, jeden Tag nach der Krankheit richten muss. Aber ich konnte und wollte mich selber nie als kraftlosen Krebspatienten verstehen. Ich wollte nicht meine „Selbstbestimmung“ aufgeben. Das war wohl mein größter Antrieb.

Sport und Chemotherapie. Das klingt für viele unmöglich.

Julia Jeromin, einmaligIst es zum größten Teil auch. Eigentlich. Denn ich hatte großes Glück, sowohl mit meiner Therapie, als auch mit meinem Körper und mit meinem Umfeld.

Nach dem ersten Triathlon Anfang September 2013 hatte ich mich durch einen befreundeten Physiotherapeuten beraten lassen und anschließend Herbst und Winter vor allem mit Stabi-Training verbracht. Das konnte ich ganz gut mit der Chemo kombinieren. Allerdings baut man durch die Auswirkungen der Therapien körperlich extrem schnell ab, so dass ich aktuell quasi nochmal bei Null starten muss.
Konsequentes Training war nicht möglich, an manchen Tagen – insbesondere direkt nach den Chemo-Behandlungen – bin ich morgens nicht mal aus dem Bett gekommen, musste mehrfach Trainingseinheiten nach wenigen Minuten abbrechen und das Trainingspensum insgesamt auf ein erschreckendes Minimum reduzieren. Für die Sprintdistanz bei dem Berlin Triathlon gestern habe ich effektiv vielleicht drei Monate mit sehr unregelmäßigen und eigentlich viel zu wenigen Einheiten trainieren können.
Der Körper braucht während einer Chemo-Behandlung sehr viel länger für die Regeneration. Das muss man ihm, also sich selbst, dann auch zugestehen. Leider.

Was bedeutete Sport früher, was bedeutet er heute für dich?

Früher habe ich Distanzreiten betrieben – also quasi Marathon zu Pferd. Rennrad bin ich schon immer gern gefahren und habe nebenbei auch einige andere Sportarten ausprobiert. Aber so richtig langfristig habe ich mich irgendwie nicht für etwas begeistern können. Heute sieht das anders aus.
Triathlon ist mein Sport geworden. Ein Sport, der einem – durchaus vergleichbar mit einer Krebstherapie – alles abverlangt. Während meiner Krankheit habe ich zum ersten Mal gemerkt, welchen „Selbsterhaltungstrieb“ mein Körper entwickelt hat. Mein Körpergefühl ist ein anderes geworden. Und das wirkt sich natürlich auf den Sport und das Training aus.

Im Zuge deiner Erkrankung hast du auch deine Ernährung komplett umgestellt. Du setzt auf ketogene Ernährung, also kohlenhydratarme und fettreiche Nahrungsmittel. Nicht unbedingt ein Triathleten-Motto! Wie kommst du damit im Sport zurecht? 

Erstaunlicherweise sehr gut. Nur in den letzten Wochen habe ich es schleifen lassen, nachdem ich Ende April das positive Feedback meiner Ärzte erhalten habe, dass ich momentan krebsfrei bin. „Gesund“ ist das ja noch nicht wirklich, das kann man in fünf Jahren hoffentlich sagen.
Aber ich kann jetzt den Vergleich ziehen und muss sagen, dass ich mich mit der ketogenen Ernährung fitter gefühlt habe. Ziel dieser Ernährung war bei mir, die Krebszellen durch meine Ernährung zu bekämpfen. Zucker nährt die Krebszellen, sagen viele Forschungsergebnisse. Also wollte ich den Krebs im wahrsten Sinne aushungern.
Nebenbei steigerte sich mein Wohlbefinden und ich fühlte mich insbesondere beim Laufen fitter als mit einer kohlenhydrathaltigen Ernährung.
Für mich wurden Leinöl, Chia- und Hanfsamen wichtige Wegbegleiter. Dazu habe ich viel Gemüse und qualitativ gutes Fleisch gegessen. Ich bin momentan natürlich noch nicht so fit wie der durchschnittliche Triathlet um diese Jahreszeit! Aber ich denke, dass mir die zuckerfreie- oder drastisch reduzierte Ernährung hier auf jeden Fall auch helfen kann, um schneller wieder auf die Beine zu kommen.
Wie sich das langfristig im Training entwickelt, werde ich hoffentlich bald feststellen und berichten können.

Deine Ziele für 2014?

Julia Jeromin, einmaligDa kann ich zwei Grundsatzziele nennen: Erstens will ich gesund und glücklich bleiben. Dazu will ich jetzt vor allem die körperlichen Begleiterscheinungen der Krebstherapie beseitigen und somit die Trainingsdefizite ausgleichen. Vor allem beim Schwimmen. Das Wasser ist bisher nicht mein Freund, ähnlich wie der Infusionsständer bei der Chemo – ein lästiger Teil, der aber auf dem Weg zum Ziel dazu gehört. Und als zweites Ziel will ich Spaß haben und bald die olympische Distanz finishen. Das ist mehr, als mir wohl jeder während des letzten Jahres zugetraut hätte.

Fotos: Julia Jeromin

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