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Die Triathleten Lüge

Julia Jeromin, einmalig

Die Saison 2015 ist vorbei. Die Saison 2016 steht vor der Tür und es ist Zeit, schon einmal einen Blick zurück zuwerfen. Eins muss man diesem Sport ja lassen, man lernt Ecken in Deutschland kennen, die sonst wohl eher unattraktiv für einen Besuch wären. Harsewinkel, Steinbeck, Willich – um nur einige zu nennen. Nicht zu vergleichen mit Tübingen oder Ingolstadt. Oder eben natürlich auch Roth.

Ich bin mir ganz sicher, dass man schon etwas „verrückt“ sein muss, um für einen Sprint 550 Kilometer quer durch Deutschland zu fahren. Doch was tut man nicht alles – für seinen Freund und dem Sport zu liebe.

Als ein großes Highlight  dieses Jahres ist so auch ganz sicher dieser Sprint, in Ingolstadt,  zu nennen.  Auch wenn mein Freund Kolja mit der Platzierung bei der DM dort immer noch nicht seinen inneren Frieden geschlossen hat, war es eine ganz toll organisierte Veranstaltung, mit einer super  Wettkampf-Location. Aber als Zuschauer hat man ja immer leicht reden, man steht ja nur rum, misst die Zeitabstände und lügt den Athleten auf der Strecke permanent an.

Ich glaube in keiner anderen Sportart wird so viel und so überzeugend gelogen wie im Triathlon.

„Gutes Schwimmen, weiter so!“, fängt unsere wettkampftaugliche Lügen-Odyssee schon am Schwimmausstieg an. Ob es da wohl schon mal jemanden gegeben hat, der einem Athleten zugerufen hat „Lass gut sein, die Spitze ist schon ´ne Minute weg“ oder „Nimm ruhig raus, lohnt sowieso nicht mehr!“?!

Weil ich den Gedanken erst gar nicht weiterspinnen möchte, machen wir an Rad- und Laufstrecke gleichermaßen weiter. „Auf geht’s, du hast schon einiges gut gemacht!“, ist DIE Notlüge bei den ganz schlechten Athleten und ein Zeichen dass man als Zuschauer die Orientierung im Hauptfeld verloren hat,  für die guten Athleten.

Mein persönliches Highlight, was ich liebend gerne höre (nicht) und noch lieber jemandem zurufe (auch nicht), später beim Laufen, ist: „Suuuuper, sieht gut aus!“.

Julia Jeromin, einmaligGut sieht da ja irgendwie gar nichts mehr aus, wenn man sich über die letzten Kilometer quält. Aber weil Motivation ja so wichtig ist, machen wir, am Beispiel Ingolstadt, im Ziel gleich weiter. Ein Blick auf die Uhr zeigte 01:01:29h an, die Top Ten waren mit Platz 17 verfehlt. Aber ein „Gut gemacht, lass´ den Kopf nicht hängen“ ist jetzt das ehrlichste was man sagen kann. Überschwängliche Glückwünsche und Floskeln sind für Kolja bei solchen Wettkämpfen eher unangebracht und man sagt besser gar nichts mehr. Also ist der Zieleinlauf wohl das ehrlichste an so einem Wettkampftag.

Highlights und kleine Erfolge

Während sich für Kolja die Floskel- Highlights dieses Jahr aneinander reihten, konnte er im September dann aber doch noch ein ehrliches und richtiges Highlight feiern. Den Aufstieg mit dem Herner Triathlon Team in die 2.Bundesliga Nord.

Mein Highlight des für mich kurzen Triathlon – Jahres fiel ganz still und nass aus. 3 Sprints, mit mehr oder weniger miserablen Zeiten, einer lästigen Fuß Verletzung, die sich hartnäckig durch die Saison zog, aber einem, für mich, grandiosem Sprung beim Schwimmen.

Nach dem ernüchternden Wettkampf in Ingolstadt hat Kolja nun kurzerhand auf die Erfahrung von Christine Waitz in Sachen Trainingsplanung zurückgegriffen. Und ich profitiere still und heimlich auch von den Schwimmplänen. Bisher bin ich einfach mal irgendwie drauflosgeschwommen, habe einige Technikblöcke eingebaut und hier und da mal einen Sprint drangehangen.

Jetzt sieht das anders aus und es bringt auch wirklich Spaß und Erfolge. Wenn auch in kleinen Schritten, aber was anderes kann man wohl auch nicht erwarten, wenn man ein Triathlon-Spätstarter wie ich ist.

Es geht wieder los

Während die meisten Triathleten sich jetzt langsam aus der Offseason verabschieden, ist  für mich nach der Sommer-Offseason das Grundlagentraining für Kraichgau in vollem Gange. Von 0 auf 70.3 in 7 Monaten. Machbar aber auch kein einfaches Unterfangen, wenn man immer wieder von dem einen oder anderen Zipperlein zurückgeworfen wird.

Aber mit Hilfe der ambitionierten Triathlon-Lügen, die sich wahrscheinlich auch Kolja in den letzten 10 Jahren seiner „Triathlonkarriere“ angeeignet hat, kann ja eigentlich nichts mehr schief gehen.

Header_triathlon.de daily_MatschWenn ich nach einer MTB-Einheit im Wald völlig dreckig nach Hause komme und er mir schon im Hof lauthals zuruft „Suuuuuper, sieht gut aus!!“ zuruft, dann weiß ich, dass ich alles richtig gemacht habe.

Sowohl bei der Einheit im Wald, als auch bei der „Wahl“ des (Trainings)Partners….

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Fotos: Julia Jeromin

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