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Wenn der Vater sagt „Jetzt mach aber mal halblang“ und die Tochter nur „Mitteldistanz“ versteht

Beim letzten Mal hatte ich es schon angedeutet. Jetzt habe ich die Gewissheit.

Bei  der Vergabe meiner Gene muss irgendwas schief gelaufen sein. Was ich an sportlichem Talent zu wenig in die Wiege gelegt bekommen habe, gab’s in Punkto Euphorie und Begeisterungsfähigkeit gleich doppelt.

Denn endlich ist sie da, die Kreditkartenabrechnung mit der Abbuchung von Summe XXX für den 70.3 im Kraichgau!
Endlich ist sie da, die Anmeldebestätigung für das Land der 1.000 Hügel!
Endlich ist sie da, die Gewissheit jetzt keinen Rückzieher mehr machen zu können!
Endlich ist sie da, diese latente Angst im Nacken, es nicht zu schaffen!

Aber endlich ist auch sie da, die Freude, das in Angriff zu nehmen, was mir seit eineinhalb Jahren im Kopf umherschwirrt.

Juli Jeromin

‚was vernünftiges auf die Liste

Den Entschluss eine Mitteldistanz zu finishen fasste ich noch während der Zeit meiner Krankheit. Irgendwie glaubt man unterbewusst doch, dass einem für all das, was man noch erleben möchte, viel zu wenig Zeit bleibt.

Während andere das Klischee Ausflüge zu Disneyland, Urlaube am Strand oder Treffen mit Sportstars auf die „Bucket List“ packen, stand für mich recht schnell fest, wenn ich so eine Liste habe, dann kommt da etwas vernünftiges drauf. „Finish eines Ironman 70.3“. Zum Beispiel.

Die einen Kritiker sagen jetzt, „Bucket List“, Ablaufbeschreibung vor dem Tod: Braucht kein Mensch, ist Quatsch und setzt nur unnötig unter Druck.

Die anderen Kritiker sagen, Ironman-Veranstaltung: Braucht kein Mensch, ist viel zu viel Kommerz, mach doch lieber was kleines um die Ecke.

Ich sage: Ich mache das so, wie ich das will.

Teil der Euphorie

Ich will auch einmal wissen, wie es sich anfühlt, Teil eines ein Events zu sein, dass dem Label-Phänomen IRONMAN zugeordnet ist. Einmal die gelabelten Wechselbeutel  befüllen, einmal die gelabelte Badekappe aufsetzen, einmal den gelabelten Zielkanal durchlaufen. Und einmal die gelabelte Medaille um den Hals hängenhaben. Das ist das, wofür ich die nächsten Monate alles andere unterordnen werde.

Der Kritiker sagt jetzt wieder: Es ist doch nur eine Mitteldistanz, so viel Aufwand ist das doch gar nicht. Das macht man doch so nebenbei.

Und ich zitiere gerne einen ehemaligen an Krebs erkrankten Profi -Rennradfahrer: „Wenn Du einmal Angst vor dem Tod hattest, glaubst Du Dein Leben lang Anrecht auf Dauerurlaub zu haben…“ .

So sieht es nämlich aus.

Der Weg zurück…

Der Weg zurück, in ein normales und alltägliches Leben und vor allem Training, ist schwieriger als man denkt. Ich glaube, je aktiver und selbstständiger man handelt, Verantwortung für sich übernimmt, desto stärker geht man aus so einer Geschichte wieder raus. (So zumindest in der Therorie.)

Mein (neues) Ziel nicht aus den Augen zu verlieren, ist jetzt eine wunderbare Aufgabe, an die ich mich gerne gefesselt habe. Und ich fange bei 0 an. Eine solide Grundlage und entsprechendes Material ist vorhanden. Das ist aber auch schon alles. Während Andere sich in ein paar Wochen in die Off-Season verabschieden, geht’s bei mir dann erst richtig los.

Ich sehe mich im nasskalten Herbst mit dem MTB die Straßen unsicher machen, Stabi – Übungen vor der Heizung statt Couch & Kakao und Laufeinheiten statt Weihnachtsmark.

Das hat man davon, wenn man ein ganzes Jahr verbummelt.

Julia Jeromin, einmalig

Und was wieder so typisch für mich ist: Anstatt erst mal den einen Schritt zu machen, bevor man über den nächsten nachdenkt, bin ich schon bei einem neuen Eintrag für meine „Bucket List“. „Finish eines Ironman.“

Tja, das Leben ist halt nicht nur Pommes und Glitzer……

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Fotos: Julia Jeromin

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