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ITU WM Immenstadt: Anja Ippach – Weltmeisterin der Herzen

3. August 2010 von Christian Friedrich

Bild: Anja im Stadion getragen von den Fans

Wo bleibt nur die Anja Ippach, haben sich wohl einige Zuschauer gefragt, als es ziemlich lange dauerte bis diese in Wechselzone 2 einfuhr. Aber Anja hatte „Rücken“ und zwar so das es eigentlich keinen Sinn machte das Rennen fortzusetzen – aber Anja finishte für ihre Familie, Freunde und Fans an der Strecke. Ein guter Grund wie wir finden.


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Wie geht es einen Tag nach so einem Rennen?
Tja, einem Tag nach einem wichtigen Wettkampf fühlt man sich schon immer ein bisschen leer. Sowohl physisch als auch psychisch. Denn das Ziel, auf das man sehr lange hingearbeitet und trainiert hat, ist vorbei. Man schwelgt noch einmal in den Erinnerungen und fragt sich noch ein bisschen nach dem was wäre wenn…
Ich persönlich brauche dann schon wieder ein nächstes Ziel um glücklich und zufrieden zu sein…und das heißt erst einmal Studium abschließen und die liegen gebliebene Arbeit erledigen.

Schulterprobleme gab es keine. Du warst nach dem Schwimmen auf Platz 2? Wie war für Dich die Wassertemperatur?
Beim Schwimmen war ich leider nicht ganz schmerzfrei, da sich zwei Tage vor dem Wettkampf meine Narbe noch einmal entzündet hat. Daher habe ich mich im Wasser nicht getraut den Arm richtig zu belasten. Dennoch bin ich mit der Schwimmzeit zufrieden, wenn ich bedenke, dass ich ein gebrochenen Schlüsselbein und nur minimales Training hatte. Die Wassertemperatur von 17,5 Grad fand ich mit Neoprenanzug sehr angenehm – bin in der Hinsicht eher der „coolere“ Typ :-). Größere Probleme hatte ich nur mit der Orientierung, da es nur sehr wenig Bojen gab und die aufgehende Sonne extrem blendete. Daher habe ich mich beim Ausstieg auch verschwommen und bin daher auf Platz 2 gerutscht.

Bild: Anja vor Oberstaufen

Auf dem Rad hast Du viel Zeit verloren. Wie waren die Beine? Hattest Du Probleme, oder ging einfach nicht mehr?
Beim Radfahren drohte mir bei Kilometer 90 das aus. Ich hatte von Beginn an Rückenschmerzen, die ab Kilometer 90 nicht mehr auszuhalten waren. Ich habe null Druck auf die Pedale bekommen und musste die letzten 40 Kilometer im Stehen fahren und mich immer wieder aufdehnen. Dadurch habe ich wahnsinnig viel Zeit verloren. Ich hatte auch schon beim Radfahren die Hoffnung aufgegeben, dass ich überhaupt die zweite Wechselzone erreichen kann, geschweige denn das Ziel. Neben den körperlichen Schmerzen kam dann natürlich die Enttäuschung, da ich mich so auf die Radstrecke gefreut hatte und endlich mal meine Leistung in einem Wettkampf zeigen wollte. Ich glaube jeder Profi wäre bei diesen Schmerzen ausgestiegen und hätte sich einen anderen Tag und einen anderen Wettkampf gesucht, um seine Leistung abzurufen. Aber nachdem meine Familie und Freunde am Straßenrand standen und sich das Wochenende nur für mich Zeit nahmen, habe ich mich für meine Fans durchgekämpft. Sie haben mir so viel Kraft gegeben, dass ich wenigsten versuchen wollte, ob das Laufen vielleicht schmerfrei geht.

Sonne gab es ja den ganzen Tag, aber auf der Laufstrecke war es schon nicht ganz einfach. Welche auf und ab´s hattest Du und wie viel half Dir das Publikum?
Die größte Herausforderung war aufgrund der Rückenschmerzen meine Laufschuhe anzuziehen – da ich mich nicht bücken konnte. Daher musste ich mich im Wechselzelt auf den Rücken legen und mit Beinen nach oben in die Luft gestreckt die Schuhe anziehen….zum Glück hat mich dort keiner sehen können… :-)
Nachdem ich die letzten 40 Radkilometer mit einem Puls von 110 gefahren bin, kam ich eigentlich relativ erholt und unvorbelastet auf die Laufstrecke. Muskulär ging es meinen Beinen daher gut und auch der Rücken wurde von Kilometer zu Kilometer besser. Allerdings war es am Anfang mental schwer, die schlechte Radleistung zu verdrängen und sich zu sagen – neue Disziplin, neues Glück. Aber nachdem an jedem einzelnen Kilometer Freunde und Familie postiert waren und mir so viele nette und positive Sachen zuriefen, haben sie es geschafft mich mental wieder positiv zu stimmen und mich ins Ziel zu tragen. Daher habe ich den 4. Platz dem Publikum und insbesondere meinem ganz persönlichen Publikum zu verdanken.

Platz 3 lag ja relativ früh in weiter Ferne. Gab es noch den großen Kampf mit Tamara und Súsanna?
Ja, nach den Problemen am Rad war Platz 3 für mich an diesem Tag unerreichbar. Súsanna (Skylv Sörensen aus Dänemark, Anmerk. der Red.) musste ich aufgrund meines Wechsel Dilemmas, das Anziehen der Laufschuhe, erst einmal wieder einmal einholen. Aufgrund der zwei Wechselpunkte konnte ich die beiden Damen und die Abstände ganz gut kontrollieren und wusste, dass ich mir auf jeden Fall keinen Einbruch mehr leisten kann. Daher blieb der große Kampf aus.

Wie oder mit was regenerierst Du jetzt am besten? Gibt es auch mal ne Nürnberger Bratwurst?
Tja, Regeneration – ist eine Disziplin, die ich noch ein bisschen trainieren muss. Denn kaum ist ein Projekt vorbei, stürze ich mich gerne schon wieder in das nächste Projekt. Klar gibt’s Nürnberger Bratwürste. Vor allem ganz viel davon bei meinem WM-Dankschön-Grillfest mit meinen Fans und Support-Team. Denn bei einem gemütlichen Feiern und Beisammen sein, regeneriere ich auch sehr gut. Und für meine Familie und Freunde bin ich die „Weltmeisterin der Herzen“ geworden und das ist doch ein Grund zum Feiern. :-)

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