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Ironman Regensburg 2010: Sonja Tajsich – 226 Kilometer Emotion

4. August 2010 von Christian Friedrich

Bild: Tajsich im Siegestaumel

Atemberaubend, phänomenal, unglaublich, beflügelt und mit persönlicher Bestzeit beim Schwimmen – Sonja Tajsich, der Siegerin des ersten Ironman Regensburg fallen ständig nur Superlative ein, wenn sie über ihr Rennen spricht. Es lief aber auch alles wie am Schnürchen für die Lokalmatadorin. Na gut, fast alles, wie sie uns im Interview verraten hat.


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Sonja, als Topfavoritin bei einem Heimrennen zu starten ist etwas wovon viele Triathleten nur träumen können. Wie war das ganze emotional gesehen für Dich?
Viele haben mich gefragt wie ich mit dem Druck umgehe. Persönlich habe ich keinen sonderlichen Druck gespürt und mich einfach nur riesig auf das Rennen gefreut. Der Nervositätsfaktor hat sich ebenfalls im Bereich eines „normalen Rennens“ abgespielt.

Bewarst Du Medaillen oder Pokale, wie jetzt vom IM Regensburg an einem bestimmten Platz auf?
Irgendwann habe ich angefangen, nur die wichtigsten aufzubewahren, die für mich von besonderem Wert sind bezüglich Platzierung oder Zeit. Witzigerweise häufen die sich so langsam auch :-) Die Pokale sind alle im Haus verteilt, an die Einrichtung angepasst: Südafrika 2009 (Einstieg nach der Babypause, Comeback, persönliche Bestzeit) steht auf der Vitrine im Wohnzimmer zusammen mit Klagenfurt (sub 9) und Roth 2002, meiner ersten Langdistanz. Unter dem Fernseher dann Südafrika 2010 (Sieg). Und die von Regensburg haben wir auf der Garderobe im Flur – zumindest für ein paar Tage. Ach ja, und Lanzarote 2004 haben wir aufgehoben, der ist so schön. Steht auf dem Küchenregal….

Das Schwimmen ist bekannter Weise deine schwächere Disziplin. In Regensburg hast du dabei eine neue PB (persönliche Bestzeit) erreicht. War das nur der Heimfaktor oder hat sich hier generell etwas geändert?
Ich hoffe natürlich, dass es nicht nur der Heimfaktor war. Anfangs lief das Schwimmen gar nicht so gut. Die Altersklassenathleten standen diesmal ungewöhnlich nah an den Profis und so kam es, dass beim Start einige auf und über mich gesprungen sind. Dadurch habe ich mir zu Beginn gleich eine blutige Lippe und eine sehr schmerzhafte Stauchung des kleinen Fingers zugezogen, die kurzfristig Zweifel aufkommen ließ, ob ich überhaupt zu Ende schwimmen könne. Nach ein paar hundert Metern habe ich dann aber doch einen guten Rhythmus gefunden.

Ich hatte das Glück vor ungefähr drei Monaten Uwe Wiegand, den bekannten Schwimmtrainer, kennen zu lernen. Er hat sich mit großer Leidenschaft und Motivation meiner angenommen und man konnte spüren wie ich mich langsam verbessere. Die Zusammenarbeit mit meinem Cheftrainer Ralf Ebli hat sich hier hervorragend eingespielt und ich denke wir sind jetzt auch beim Schwimmen auf einem sehr guten Weg. Ich glaube mich unter diesen Vorraussetzungen auch beim Schwimmen noch weiter verbessern zu können.

Bild: Sonja ist schnell mit dem Rad


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War der Rennverlauf, genau so wie Du Dir es vielleicht ausgerechnet hast?
Ich hätte mir keinen besseren Rennverlauf wünschen können. Angefangen mit dem Wetter nach Maß kam ich mit persönlicher Schwimmbestzeit aus dem Wasser und einem ungewohnt geringen Rückstand auf die Spitze. Das hat mich so extrem beflügelt, dass eigentlich „gar nichts mehr passieren konnte“. Als ich dann die sub-5-Stunden Zeit auf dem Rad geschafft hatte und pannenlos blieb, war ich gleich noch mehr beflügelt, was ja schon fast unmöglich war. Die unglaubliche Unterstützung der Zuschauer auf der Laufstrecke hat dann für Emotion pur gesorgt. Durch den großen Vorsprung musste ich auch keine Grenzen überschreiten oder ans Limit gehen. In Hinblick auf Hawaii in zehn Wochen war das perfekt.

Eine 4:59 Stunden Radzeit spricht für sich. Wie war die Strecke?
Die Strecke ist sehr schön. Ein langgezogener Berg der mit fast 12 Kilometern Länge nicht von schlechten Eltern ist, eine wunderschöne Landschaft und das perfekte Wetter haben es zum Genuss gemacht. Einzig die Tatsache, dass ich die meiste Zeit alleine gefahren bin, hat es manchmal schwierig gemacht das Tempo ständig hoch zu halten. Wenn man jemand vor sich hat den man „jagen kann“ fällt es leichter noch einen Gang zu zulegen.

Der Vorsprung bereits weit vor dem Ende war ja sehr beruhigend, wann warst Du Dir siegessicher?
Wenn ich ganz ehrlich bin, war ich mir ziemlich sicher, dass es sich ausgehen müsste – zumal mir der abschließende Marathon liegt. Ich musste nur konzentriert bleiben um nicht noch kurz vor Schluss Fehler zu machen, zum Beispiel mit der Ernährung zu schlampen. So etwas kann dann viel kosten. Aber das hat gut geklappt. Im Prinzip war ich mir beim zweiten Wechsel fast sicher, dass ich gewinnen könnte.

Wird das ab sofort Dein Pflichtheimrennen, so wie für Cameron Brown der Ironman Neuseeland oder wie für Marino Vanhoenacker der Ironma Austria? Bist Du nächstes Jahr wieder dabei?
Wir planen in Schritten. Mein nächstes großes Ziel ist der Ironman Hawaii und danach werden wir dann die Planung für 2011 angehen.

Bild: Sonja Tajsich, Andreas Richter und Faris Al-Sultan


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Hättest Du noch schneller gekonnt oder wolltest Du die Bestzeit nicht zu hochlegen im Hinblick auf die nächsten Jahre ;-)?
Hm, also über die Bestzeit und die nächsten Jahre habe ich nicht nachgedacht, mir war es eher wichtig, die Atmosphäre voll und ganz genießen zu können. Und das ist natürlich besser gegeben, wenn man nicht über dem Limit läuft. Ich denke, dass ich schon vielleicht hätte schneller können, wenn es unbedingt hätte sein müssen, aber hätte, würde, könnte … im Nachhinein ist so etwas immer leicht gesagt …

Bei einem Sieg hat man ja eigentlich alles richtig gemacht – aber hattest Du auch mal nen richtigen Hänger oder ist irgendwas suboptimal gelaufen?
Nein, dieses Mal kann ich tatsächlich behaupten, dass das Rennen super lief. Kein wirklicher Hänger, nicht beim Radfahren, nicht beim Laufen. Selbst das Schwimmen hat diesmal richtig Spaß gemacht. Natürlich war es sehr anstrengend, das ist ein Ironman immer. Aber es war keine so schreckliche Schinderei, wie ich es vorher auch schon mal erlebt hatte (wie zum Beispiel Hawaii 2009).

Jetzt hast Du noch 10 Wochen bis zum Ironman Hawaii – minus 2 Wochen Regeneration – minus 2 Wochen Tapering, also vermutlich 6 Wochen. Wo wirst Du den Schwerpunkt im Training legen?
Ich werde Anfang September zwei Wochen Trainingslager auf Lanzarote verbringen. Wie genau mein Training aufgebaut sein wird, überlasse ich voll und ganz meinem Trainer. Und ich bin sehr zuversichtlich, dass alles super klappt.

Letztes Jahr hast du beim Ironman Hawaii, dem Saisonhöhepunkt, mit dem 13. Platz als 2. beste Deutsche eigentlich ein tolles Ergebnis erreicht. Allerdings hat dir ein verpatztes Schwimmen den Traum von einer Top 10 Platzierung zunichte gemacht. Was erhoffst du dir dieses Jahr?
Anfangs war ich ziemlich enttäuscht mit dem Ergebnis, zumal wir im Team alle wussten, dass mehr drin gewesen wäre. Nach einigen Tagen, in denen ich sehr viele Glückwünsche und Aufmunterungen bekam konnte ich mich dann doch noch freuen über das Ergebnis.

Dennoch, wir sind im Team alle davon überzeugt das ich Top 10 Potenzial habe und ich werde alles versuchen unseren Traum dieses Jahr Realität werden zu lassen. Beste Deutsche wäre natürlich schön, dann würde ich auch in der TV Berichterstattung nach der Weltmeisterschaft erwähnt werden :-)

Wie sieht jetzt essenstechnisch die Regeneration aus: Regensburger Brühwürste, Wurstsalat und viel Kartoffeln, oder doch was ganz anderes?
Hihi, nein, ich werde mich weiterhin ganz normal ernähren. Vielleicht gibt es in dieser Woche den einen oder anderen Sekt, weil feiern muss ich natürlich schon, auch mal hier und da ein Stückchen Kuchen. Sonst bleibt alles wie gehabt. Ausgewogen und gesund und möglichst viel :-)

Sonja, vielen Dank für das Interview und alles Gute für die Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft am 09. Oktober 2010.

Info: Tanja Tajsich

Fotos: Thomas Tajsich

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