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Ironman Hawaii Spezial: Radstrecken-Check mit Jan Raphael

7. Oktober 2014 von Christine Waitz

Foto: Ingo Kutsche,   freiDie Radstrecke auf Hawaii ist eine der wenigen Radstrecken im Ironman-Zirkus, die aus nur einer Runde besteht. Bekannt ist sie vor allem für ihre karge Lavalandschaft, die Seitenwinde, extreme Hitze und hohe Luftfeuchtigkeit. Wir haben uns mit Jan Raphael über die wohl berühmteste Runde der Triathlonwelt unterhalten.


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180 Kilometer – Knapp 90 Kilometer hinaus nach Hawi, wo sich der Wendepunkt befindet, und den gleichen Weg zurück. Eine Herausforderung, die nicht nur körperliche Höchstleistungen, sondern vor allem auch mentale Stärke erfordert.

Die Strecke

Bevor es mit dem Rad in die Lavafelder geht, muss zunächst noch eine kleine Schleife durch Kona absolviert werden. Dann sind die Sportler auf sich gestellt.
Hügel über Hügel gilt es auf dem rauen Asphalt zu bezwingen. Die spärliche Vegetation bietet nur wenig Abwechslung. Dafür haben Fans mit weißen, runden Kieseln Nachrichten und Zeichen in die schwarzen Lavafelder am Straßenrand gezeichnet. Immer an der Küste entlang führt die Straße hinauf bis nach Hawi, dem Wendepunkt und mit rund 196 Metern über dem Meeresspiegel dem höchsten Punkt der Strecke. Hier freut sich jeder über den seltenen Zuschauerkontakt und über die Möglichkeit, die Konkurrenz hinter sich kurz zu taxieren. Von nun an geht es »nach Hause«.

Foto: Ingo Kutsche, frei

Doch ganz so leicht ist dieses Vorhaben häufig nicht: Allzu oft stellt sich den Athleten Mumuku in den Weg. Doch wer oder was ist Mumuku? Vielleicht ein Haustier? Oder ein Stofftier? Weit gefehlt! Erfahrene Athleten wissen: Wenn Mumuku loslegt, ist Schluss mit lustig. Der Wind, der über die Hawaiianischen Inseln fegt, lässt erfahrene Triathleten ihre Felgenwahl noch einmal überdenken. Mit über 90 Kilometern pro Stunde kann Mumuku vom Meer aufs Land fegen. Wer sich auf der Radstrecke nicht beeilt, hat nicht nur auf dem Weg zum Wendepunkt, sondern wegen des meist gegen Mittag drehenden Windes besonders auf dem Heimweg mit erschwerten Bedingungen zu kämpfen. Schon so mancher Athlet fand sich plötzlich mitsamt Rad in den scharfkantigen Lavafeldern abseits der Straße wieder.

Jan Raphael: „

Power Horse Triathlon Team, einmaligHallo Jan! Du warst bereits vier Mal als Profi am Start der Ironman World Championship. Wo siehst du die Schwierigkeiten der Radstrecke und was sollte man im Rennen besonders beachten?

Die Radstrecke erscheint auf den ersten Blick nicht besonders anspruchsvoll, denn der höchste Punkt liegt nur knapp 200 Meter über Meeresspiegel. Aber es geht dauerhaft hoch und runter, es ist sehr wellig und vor allem der unberechenbare Wind kann das Radfahren besonders hart machen. Außerdem ist man auf der Strecke, mit Ausnahme seiner Mitstreiter, sehr einsam. Das scheint einem zunächst nichts auszumachen, aber in schwachen Rennphasen ist hier besondere mentale Stärke gefragt.

Ein entscheidender Faktor bei solch harten Bedingungen ist die Verpflegung. Wie viel Flüssigkeit muss man auf der Fahrradstrecke schon zu sich nehmen? Auf welches Getränk setzt du?

Wichtig ist vor allem ausreichend Energie in Form von Gels oder Riegeln zuzuführen. Sicher benötigt man viel Flüssigkeit, aber auch nicht mehr, als an einem heißen Sommertag daheim. Deswegen empfehle ich immer auf bewährte Produkte zurückzugreifen, von denen man sich selbst von ihrer  Verträglichkeit überzeugt hat. Ich setze auf dem Rad immer auf ein relativ hochdosiertes Kohlenhydratgetränk von Squeezy, welches ich aufgrund der Hitze allerdings immer ein wenig mit Wasser verdünne.

Hat man im Wettkampftrubel auch einmal Augen für die eigenwillige Schönheit der Insel oder ist man so fokussiert, dass man das gar nicht mitbekommt?

Eigenwillige Schönheit der Insel ist nett ausgedrückt. Als ich das erste mal in Kona gestartet bin, hatte ich etwas mehr Schönheit erwartet. Die Insel ist sehr speziell und bis auf ein paar wenige Punkte auf der Radstrecke, gibt es außer Lava nicht viel zu sehen. An diesen Punkten schaut man aber vielleicht mal umso besser hin und saugt ein wenig von der „Schönheit“ der Insel auf

Foto: Christine Waitz/freiWie entscheidend siehst du in diesem Jahr die Radleistung für Sieg oder Niederlage?

Entscheidend wird letztlich der Marathon sein, denn ich bin überzeugt davon, dass in diesem Jahr das Feld auf dem Rad kompakter ist als sonst. Die Abstände werden sichauf dem Rad im Rahmen halten, so dass zumindest keiner der „mittelmäßigen Läufer“ so weit weg kommt, dass er das Rennen gewinnen kann.

Wer steigt am 11. Oktober als Erster vom Rad und wen siehst du am Ende ganz vorne?

Andrew Starykowicz wird als erster vom Rad steigen, aber dann mit dem Ausgang des Rennens nichts mehr zu tun haben. Das Podium wird identisch mit dem des Ironman Frankfurt sein, nur in umgekehrter Reihenfolge. Es wird endlich mal wieder einen deutschen Tag geben, denn Nils Frommhold rundet das gute  Nationenergebnis mit einer Top5 ab.

Zum triathlon.de Hawaii Spezial.

Zur Website von Jan Raphael.

Fotos: Power Horse Triathlon Team, Ingo Kutsche, triathlon.de

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