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Ironman Hawaii 2018: ein Rennen für die Geschichtsbücher

15. Oktober 2018 von Stephan Schepe

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Das Rennen der Frauen

In der Frauenkonkurrenz wäre alles andere als der Sieg von Top-Favoritin Daniela Ryf eine faustdicke Überraschung. In der ersten Rennhälfte sah es tatsächlich so aus, als könnte die Dominanz der Schweizerin an diesem Tag gebrochen werden.

Al Bello / Getty Images for IRONMAN, freiFavoritensieg: Daniela Ryf holt sich zum vierten Mal in Folge den Titel, © Al Bello / Getty Images for IRONMAN

Fünf Minuten nach den Männern fiel auch der Startschuss für die Profi-Damen. Erwartungsgemäß setzte sich bei der Auftaktdisziplin die Britin Lucy Charles schnell vom Rest des Feldes ab und öffnete eine große Lücke auf die Konkurrentinnen. Nach 48:14 min stieg die ehemalige Leistungsschwimmerin aus dem Wasser und stellte damit einen neuen Schwimmrekord bei den Damen auf. Auf ihre nächste Verfolgerin Lauren Brandon arbeitete sie damit knapp drei Minuten Vorsprung heraus, auf eine weitere Verfolgergruppe um Sarah True knapp vier Minuten.

Wo ist Daniela Ryf? Neun Minuten sind bereits vergangen, als die Titelverteidigerin mit einer Schwimmzeit von 57:26 min aus dem Wasser kommt. So hatte sich die Schweizerin den Rennverlauf sicherlich nicht vorgestellt. Was war passiert: wenige Momente vor dem Start kam Daniela Ryf mit einer Feuerqualle in Berührung. Zunächst mit Schmerzen, dann zunehmend ohne Gefühl in den Armen startete Ryf das Schwimmen. Sie wollte den Wettkampf an dieser Stelle schon aufgeben, entschied sich aber weiterzumachen, da sie „ihre Arme ja nur für das Schwimmen brauchte“.

Auf dem Rad ist Daniela Ryf in der Tat nichts mehr von dieser Beeinträchtigung anzumerken. Hier zündet sie ihren Turbo und rollt das Feld von Position 15 auf. Nach 45 Kilometern hat sie auf die große Verfolgergruppe von Lucy Charles aufgeschlossen, zu der auch Anne Haug zählt. Die in Führung liegende Britin hat bis dahin bereits einen Vorsprung  von über 8 Minuten auf die Verfolger herausgefahren. Daniela Ryf und Sarah Crowley setzen sich ab und sind in der Lage den Abstand zu Lucy Charles langsam zu verringern, währenddessen die restliche Verfolgergruppe immer weiter an Boden verliert.

Am Wendepunkt in Hawi liegen Ryf und Crowley nur noch sieben Minuten zurück und die Schweizerin drückt weiter mächtig in die Pedale. Sarah Crowley kann das hohe Tempo nicht halten und muss Daniela Ryf ziehen lassen. Auf dem Rückweg fliegt die Weltmeisterin förmlich an ebenfalls stark fahrende Lucy Charles heran, aber die Britin kann der Power von Ryf nichts entgegen setzen. 15 Kilometer vor T2 übernimmt die Schweizerin die Führung und baut den Vorsprung bis zur Wechselzone auf 1:40 min aus. Im Ergebnis steht hier ein Radsplit von 4:26:07 für Daniela Ryf zu Buche – ganze 18 Minuten schneller als der bisherige Rekord, gehalten von ihrer Landsfrau Karin Thuerig mit 4:44:20 Stunden.

Der Marathon ist dann (fast) nur noch eine Formsache. Daniela Ryf schlägt ein schnelles, aber kontrolliertes Tempo an, kann den Vorsprung auf ihre Verfolgerin Lucy Charles im weiteren Verlauf auf 10 Minuten ausbauen. Keinerlei Anzeichen von Schwäche, keinerlei Zweifel an ihrer Überlegenheit. Auch bei den Damen ist nicht die Frage, ob der Streckenrekord fällt, sondern wie groß dessen Dimension sein würde.  Nach 8:26:18 Stunden überquerte Daniela Ryf die Ziellienie als alte und neue Ironman-Weltmeisterin. Mit dieser Zeit unterbot sie ihren eigenen Streckenrekord aus 2016 um über 20 Minuten (8:46:46 h). Auch die Zweitplatzierte Lucy Charles unterbot die alte Bestmarke mit ihrer Zielzeit 8:36:34 Stunden.

Ein spannender Kampf entwickelte sich jedoch um Platz drei: die deutsche Hawaii-Debütantin Anne Haug kam in der großen Verfolgergruppe (auf Platz 7 liegend mit 17 Minuten Rückstand) in die zweite Wechselzone. Direkt vor ihr in den Marathon gestartet: die starke Läuferin Sarah True. Wie ein Uhrwerk spulten die beiden ein extrem hohes Lauftempo ab und schoben sich auf Platz drei und vier. Anne Haug arbeitete sich auf dem Rückweg vom Energy Lab schließlich immer näher an die Amerikanerin heran. Wenige Kilometer vor dem Ziel die Entscheidung: an einer Verpflegungsstation muss Sarah True eine Gehpause einlegen. Anne Haug läuft vorbei und gibt den dritten Podiumsplatz nicht mehr ab – ihre Zeit 8:41:58 ebenfalls unter dem alten Streckenrekord.

Die Platzierungen

1. Daniela Ryf (CHE), 08:26:18 h (00:57:27 / 04:26:07 / 02:57:05)
2. Lucy Charles (GBR), 08:36:34 h (00:48:14 / 04:38:11 / 03:05:50)
3. Anne Haug (DEU), 08:41:58 h (00:54:21 / 04:47:45 / 02:55:21)
4. Sarah True (USA), 08:43:43 h (00:52:06 / 04:49:19 / 02:57:38)
5. Mirinda Carfrae (AUS), 08:50:45 h (00:58:18 / 04:46:05 / 03:01:41)
6. Sarah Crowley (AUS), 08:52:30 h (00:54:19 / 04:43:09 / 03:10:30)
7. Kaisa Sali (FIN), 08:54:28 h (00:58:23 / 04:44:32 / 03:06:04)
8. Angela Naeth (CAN), 08:57:36 h (00:58:28 / 04:42:26 / 03:11:12)
9. Corinne Abraham (GBR), 08:57:55 h (00:58:44 / 04:38:16 / 03:16:27)
10. Linsey Corbin (USA), 08:58:58 h (00:58:24 / 04:48:30 / 03:07:15)

13. Mareen Hufe (DEU), 09:06:33 h (00:58:33 / 04:43:51 / 03:18:40)
32. Katja Konschak (DEU), 10:55:26 h (00:54:38 / 05:20:16 / 04:33:56)

Al Bello / Getty Images for IRONMANDas Podium (von links): Charles, Ryf, Haug / © Al Bello/Getty Images for IRONMAN

 


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