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Ironman Hawaii 2014: Lauf-Streckencheck mit Sonja Tajsich

8. Oktober 2014 von Christine Waitz

Foto: Ingo Kutsche,   freiDie Laufstrecke des Ironman Hawaii gilt als eine der härtesten im Ironman-Zirkus. Die Kombination aus Hitze, tiefschwarzem Asphalt, Vorbelastung und Streckenprofil kostet die letzten Körner der Athleten. An zwei Wendepunkten können sich Kontrahenten entgegenlaufen und kritisch beäugen. Und schon mancher sicher geglaubte Sieger musste noch am Ende der Laufstrecke seine Führung abgeben. Wir haben uns mit Sonja Tajsich über den Kurs unterhalten.


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Für viele sind es die entscheidenden 42 Kilometer eines langen und harten Wettkampfjahres.
Zunächst geht es an der Küstenstraße entlang durch den Ort. Zahlreiche Zuschauer spenden Applaus, bieten mit einem Wasserschlauch Kühlung in der Nachmittagshitze und machen Musik. Das Ziel ist klar vor Augen und nach dem ersten Wendepunkt läuft man sogar darauf zu. Nur wenige Meter vorher leitet eine Rechtskurve den härtesten Teil des Tages ein: Es geht die Palani Road steil bergauf. Viele wechseln hier vom Laufen zum Gehen. Mit einer Linkskurve und tosendem Applaus verabschieden die Zuschauer die Sportler aus dem Städtchen – zumindest vorübergehend.

Lava, Lava und nochmals Lava

Nun geht es wieder hinaus in die Lavafelder. Hügel über Hügel schleppen sich die Athleten über den glühenden, schwarzen Asphalt. Jede Kreuzung scheint gleich auszusehen – bald muss sie doch kommen? Gemeint ist die Abzweigung hinab ins »Natural Energy Lap«. Vom Queen K Highway (kurz für Queen Kaahumanu) geht es runter an die Küste. Oft sind die Meter bis zum zweiten Wendepunkt auch die heißesten. Der Sonne von oben ist man gnadenlos ausgeliefert und von unten reflektiert der Straßenbelag die Hitze.
Freude über den beginnenden Rückweg mag nicht recht aufkommen, gilt es doch erst einmal den Anstieg zurück zum Highway zu überwinden.

Foto: Ingo Kutsche, frei

Doch es lockt der legendäre letzte Kilometer am Alii Drive, der jeden für die Strapazen des Tages belohnt: Denn hier sammeln sich auf wenigen Metern alle Zuschauer. Hier wurden Legenden geboren und hier begrüßt die Stimme des Ironman Mike Reilly jeden Athleten mit dem lange ersehnten Satz… »You are an Ironman!«

Die Rekordzeiten auf der Laufstrecke halten übrigens Mark Allen (1989) mit einer Zeit von 2:40:04 Stunden, sowie Mirinda Carfrae, die im letzten Jahr 2:50:35 Stunden in den Asphalt brannte.

Sonja Tajsich: „Die Laufstrecke scheint jedes Mal unendlich lang“

Sonja Tajsich konnte sich mehrmals nicht zuletzt wegen ihres fulminanten Marathonlaufes auf Spiteznplatzierungen im Damenfeld vorarbeiten. Wir haben mit ihr gesprochen und ihr einiges zum großen Finale entlocken können.

Foto: Christine Waitz/feiGerade auf der Laufstrecke schlägt die Hitze ja unbarmherzig zu. Nicht nur von oben brennt die Sonne herab, sondern der schwarze Asphalt gibt die Hitze auch von unten wieder. Wie hast du dich auf die schweren Bedingungen vorbereitet?

Es gibt ein paar Faktoren, die man am Renntag beachten sollte, um nicht zu stark Tribut zu zollen. Dazu gehören Kühlen so viel und so gut es geht (Wasser, Eis etc.), viel Trinken, Salztabletten bereit halten – nur um einige zu nennen. Ich persönlich habe auch gerne einen Visor und Sonnenbrille beim Laufen getragen. Allerdings muss ich auch dazu sagen, dass ich schon ein wenig für Hawaii gemacht bin, weil mir die Hitze eher entgegenkommt und ich mit Kälte meine Schwierigkeiten habe.

Auf Hawaii sieht man sehr unterschiedliche Wettkampfkleidung. Die einen schwören darauf möglichst wenig und leichte Kleidung zu tragen, die anderen bedecken möglichst viel mit hellen und kühlenden Stoffen. Wie sieht dein Outfit in diesem Jahr aus und wie behältst du einen kühlen Kopf?

Ich trage meinen Wettkampfanzug, nichts darunter, nichts darüber, keine Ärmlinge, keine Kompressions-Socken, nur kurze Söckchen in den Schuhen. Dazu wie oben erwähnt einen Visor und eine Sonnenbrille. Außerdem viel Sonnencreme, Faktor 50!

Der Weg in das Energy Lap kann sich ja unendlich ziehen. Bei jeder Kreuzung und Ampel erwartet man die Linkskurve hinab Richtung Wendepunkt. Weißt du mittlerweile unter wie vielen Ampeln du auf dem Highway hindurch musst?

Nein, die habe ich noch nie gezählt. Und mir erscheint es auch jedes Jahr unendlich lang. Die flimmernde Hitze und die endlos vielen Hütchen auf der Straße… Aber noch endloser erscheint mir der Weg heraus aus dem Energy Lab, bis man wieder auf dem Highway ist. Die Hitze und der Anstieg haben es wirklich in sich!

triathlon.deHitze macht es häufig noch schwerer Nahrung und Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Welche Ernährungsstrategie würdest du empfehlen?

Möglichst viel trinken, auf genügend Salzzufuhr achten und die Kohlenhydrate kontrolliert und konstant zu sich nehmen. Ich schwöre auf Gels, weil ich unter Belastung nicht mehr kauen mag.

Kannst du uns eine kurze Beschreibung der Laufstrecke geben und verraten, wo die Knackpunkte sind?

Zuerst geht es aus der Wechselzone raus und über eine kleine Schleife auf den Alii Drive. Hier läuft man an der Küste entlang man fast bis Keahou. Das sind ungefähr acht Kilometer, die flach erscheinen aber alles andere als flach sind. Dort gibt es ständig kleine Wellen, auf und ab. Nach dem Wendepunkt geht es das ganze dann zurück und als nächstes kommt der erste giftige Anstieg, die Palani Road hinauf bis zum Highway. Das ist steil und gar nicht mal so kurz.

Wellen, flimmernde Hitze und Endlosigkeit

Auf dem Highway hat man dann wieder mit leichten Wellen zu kämpfen, mit der flimmernden Hitze und mit der Endlosigkeit. Die Hütchenreihe scheint nicht aufzuhören. Bis man wie oben geschildert, endlich abbiegt. Runter ins Energy Lab geht es noch ganz gut, aber nach der Wende wieder rauf zu laufen, das ist mit die gemeinste Stelle des Marathons, bei ca. Kilometer 30.

Hier ist es unendlich heiß! Oben angekommen sind es noch ca. elf Kilometer bis ins Ziel. Wieder diese kleinen Wellen und schließlich noch der letzte Anstieg bis zur Palani Road. Die Schleife bis zum Alii Drive erscheint dann auch noch lang, bis man endlich den Zieleinlauf hört und sieht….

Zum triathlon.de Hawaii Spezial.

Zur Website von Sonja Tajsich.

Fotos: Ingo Kutsche, triathlon.de

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