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Ironman Hawaii 2013: Die Bilanz nach dem Rennen

14. Oktober 2013 von Christine Waitz

Sebastian Kuhn,   einmaligDann, wenn das Rennen des Jahres vorüber ist, ist es an der Zeit Bilanz zu ziehen. Während sich die deutschen Profimänner über eine Podiums- und zwei Top-Ten-Platzierungen freuen, herrscht bei den Damen Enttäuschung. Lediglich Kristin Möller rettete den Tag in das Ziel. Wir haben einige Stimmen eingefangen.


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Nicht nur die Erfolgsgaranten Kienle, Bracht und Al-Sultan dürfen mit ihren Leistungen hoch zufrieden sein. Auch das weitere Ranking zeigt zahlreiche deutsche Spitzenplatzierungen. Bereits auf Platz 14 konnte Christian Ritter das Rennen beenden, Platz 20 geht an Christian Müller, den schnellsten deutschen Altersklassenathleten.

Wo sind die deutschen Damen?

Foto: Ingo Kutsche, freiWährend die Freude über die Leistungen der Herren groß ist, herrscht bei den Damen Ratlosigkeit. Mareen Hufe beendete mit zwei technischen Defekten das Rennen nach dem Radfahren, Anja Beranek stieg nach 120 kraftlosen Radkilometern ab, Sonja Tajsich kämpfte mit dem Wiederaufflammen der alten Verletzung. Wo also ist die schnellste deutsche Dame? Nach 9:31:41 lief Kristin Möller durch das Ziel, gefolgt von der schnellsten deutschen Altersklassenathletin, Astrid Ganzow.

Sonja Tajsich: Die Enttäuschung ist riesig
Die Enttäuschung bei Sonja Tajsich ist groß: „Die ganzen Mühen, der ganze Aufwand und die vielen Schmerzen umsonst. Aber so ist es nunmal im Leben eines Sportlers, da ist der Körper das größte Kapital und wenn der mal nicht will, dann kann man sich auf den Kopf stellen. Ich denke, ich brauche jetzt erst mal ein wenig Abstand und dann denjenigen, der meine Ursache für das Problem findet. wir haben bereits mit Ärzten gesprochen, anscheinend wurde die wirkliche Ursache noch nicht gefunden, nur das Problem behandelt“.

triathlon.de„Ausgestiegen bin ich aus dem selben Grund wie in Roth: Mein Gesäß hat zu gemacht links und den Nerv irritiert. Das Problem war eigentlich behoben, doch eine Woche vorher merkte ich kleine Anzeichen bei Radausfahrten. Wodurch es immer wieder aus heiterem Himmel zu den Nerv-Irritationen kommt, kann ich nicht sagen. Im Rennen habe ich versucht es zu ignorieren. Es wurde dann aber so schlimm, dass ich nicht mehr treten konnte und die Wattwerte im Keller waren. Angegangen ist es gleich zu Beginn. Nach 65 Kilometern wurde es schlimmer. Dann habe ich 60 Kilometer alles gegeben und wurde immer langsamer. Diese 60 Kilometer werde ich nie wieder vergessen. Bei Kilometer 125 stand mein Mann. Da hab ich dann aufgegeben.

Jetzt werde ich erst mal heim fliegen und freue mich sehr, mich mehr dem Coaching und Seminaren zu widmen. Wir bieten im Winter eine Reihe Seminare an: Schwimmseminare, Laufseminare, Triathlonseminare. Ich freue mich mein Wissen weiter zu geben und mit Athleten zu arbeiten. Und ich werde versuchen die Ursache zu finden und zu beheben, um gestärkt aus dieser verkorksten Saison zurück zu kommen.“

Timo Bracht: „Alles gegeben und zufrieden mit Platz neun“

Foto: Power Horse Triathlon Team, einmaligNach einem glänzenden Schwimmauftakt lag Bracht nur 30 Sekunden hinter dem ersten Athleten zurück. Eine traumhafte Ausgangsposition für den 38-Jährigen, der sich lange Zeit in der ersten Verfolgergruppe aufhielt und am Ende Platz neun erreichte: „ Es war eine sehr emotionale Woche. Es gab Tage, das lief es super und Tage da ging es nicht so gut. Ich habe es dann geschafft, alles aus mir herauszuholen, als es zählte. Das Resultat spiegelt nicht ganz mein gutes Gefühl wider. Ich habe von Anfang bis Ende, über eine Dauer von 8:25 Stunden, sehr viel investiert und war konstant stark. Deshalb hat am Ende vielleicht die Power gefehlt, um noch einige Plätze gut zu machen. Mit Platz neun und als zweitbester Deutscher –
damit kann ich sehr gut leben.“

Horst Reichel: „Das war ein hartes Ding“

Foto: Sebastian Kuhn, einmaligHorst Reichel, der Kona-Rookie musste beim abschließenden Marathon Gehpausen einlegen, um noch das Ziel zu erreichen: „Leider habe ich beim Schwimmen nach einem Kilometer den Anschluss verpasst und konnte meine gute Form nicht unter Beweis stellen. Das Radfahren war gut und die Top-15 waren auch nach dem Wechsel noch möglich. Auf der Laufstrecke war es dann abartig heiß. Ab Kilometer 18 musste ich Gehpausen einlegen. Ich bin trotz allem happy an so einem harten Tag das Ziel erreicht zu haben. Aufgrund der Hitze konnte ich meine Leistung einfach nicht abrufen, eine absolute Grenzerfahrung. Aber: Ich komme wieder!“

Jan Raphael: „Es scheint so als ob Kona und ich keine Freunde werden“

Auch Ironman Vize-Europameister Jan Raphael musste das Rennen vorzeitig beenden. Probleme mit seiner Hüfte zwangen ihn bei Laufkilometer zwölf zur Aufgabe: „Es ist immer enttäuschend das Ziel nicht zu erreichen. Wenn ich in der Lage gewesen wäre das Rennen zu beenden, dann hätte ich es auf jeden Fall getan. Anfang der Woche haben die Beschwerden an der Hüfte bemerkbar gemacht, ich dachte aber, diese, durch die gute Arbeit unseres Physiotherapeuten Dirk Lederer in den Griff zu bekommen. Es scheint jedenfalls so, dass Kona und ich nicht wirklich Freunde werden. Die Enttäuschung ist riesig, aber dennoch bin ich mit meiner Saison zufrieden!“

Christian Ritter: „Ein Emotionales Finish“

Mit einer Marathonzeit von 2:55:39 war Ritter einer der Schnellsten an diesem Tag auf der Laufstrecke, von den deutschen Athleten war über diese Teildisziplin keiner schneller unterwegs. Ritter am Ende geschafft und dennoch glücklich: „Ich habe mir das Rennen gut eingeteilt, wusste um meine Stärke beim Laufen. Im Ziel waren die Emotionen überwältigend, die Verletzungen, die Entbehrungen und vor einem Monat der unerwartete Tod meines Freundes Thomas Tittel alles ist auf einmal hochgekommen.“

Zur großen Fotostrecke des Rennens.

Zum Ironman Hawaii Spezial 2013.

Fotos: Sebastian Kuhn, Ingo Kutsche, triathlon.de, Power Horse Triathlon Team

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