Du bist hier: Triathlon Portal - triathlon.de > Wettkampf > Ironman1 > Ironman Hawaii 2012: Zwischen Himmel und Hölle

Ironman Hawaii 2012: Zwischen Himmel und Hölle

15. Oktober 2012 von Nora Reim

Foto: Ingo Kutsche freiKona, 15. Oktober 2012 – Die neuen Ironman-Weltmeister heißen Leanda Cave und Pete Jacobs. Die Britin und der Australier setzten sich nach einem hart umkämpften Rennen am vergangenen Samstag die Krone auf. Beste Deutsche wurde Sonja Tajsich mit Platz vier, Andreas Raelert erreichte erneut den zweiten Platz.


Triathlon Anzeigen

Hier geht’s zur großen Fotostrecke

Eine Weltmeisterschaftsrennen ist kein Zuckerschlecken – das wurde in diesem Jahr mehr als deutlich: Beim Ironman Hawaii 2012 traten am vergangenen Samstag die besten 30 weiblichen und 50 männlichen Triathlon-Profis aus der ganzen Welt an. Der Kampf um die Krone begann bereits um 6.30 Uhr Ortszeit am Pier von Kona mit dem Schwimmstart der Herren. Fünf Minuten später stürzten sich die Damen ins offene Meer. Im Vorfeld gab es zahlreiche Spekulationen über einen möglichen Doppelsieg der Raelert Brothers, einen neuen Streckenrekord und über den Durchbruch der Schallmauer von acht Stunden. Doch nichts von alledem ist eingetreten – der Ironman Hawaii ist eben so launisch wie die Göttin der Vulkan-Insel, Madame Pele.

Andreas Raelert schwimmt Bruder Michael hinterher

Foto: Ralph Schick freiBereits nach dem Schwimmen in der aufgewühlten See zeichnete sich ein überraschendes Bild ab: Die Favoriten Chris McCormack und Andreas Raelert verpassten den Anschluss an die Spitzengruppe und kamen bereits mit mehreren Minuten Rückstand auf den führenden Andy Potts (50:32 Minuten) aus dem Wasser. „Ich konnte nicht so ein hohes Tempo anschlagen, wie ich es mir vorgenommen hatte“, erklärte der Rostocker rückblickend. Selbst sein jüngerer Bruder Michael Raelert war deutlich schneller als der Hawaii-Dritte von 2011. Bei den Damen kristallisierte sich eine zehnköpfige Gruppe um Amanda Stevens (55:09 Minuten) heraus. Die deutschen Athletinnen schwammen in einer zweiten Gruppe hinterher, allen voran Anja Beranek mit 01:00:02 Stunden.

Zum Video vom Schwimmstart der Agegrouper

Sebastian Kienle: Reifenpanne ohne Ersatzschlauch

Foto: Ralph Schick frei

Faris Al-Sultan lag nach dem Rad-Split auf Position fünf, seine spätere Gesamtplatzierung.

Auf dem Queen K Highway entlang der Lava-Felder passierte erstaunlich viel für 180 Kilometer: Marino Vanhoenacker pirschte sich an den immer noch führenden Amerikaner Potts heran. Die hohe Wattzahl des Belgiers war umso beeindruckender, als der 36-Jährige im Nachinein erklärte: „Macca ist mir gleich zu Beginn in mein Rad gefahren! Deshalb konnte ich danach nur vier oder fünf Gänge richtig verwenden, das erklärt mein hohes Tempo auf der Radstrecke.“ An dritter Position trat Sebastian Kienle bei seinem Debüt in Kona kräftig in die Pedale. Auf dem Weg nach Hawi, dem nördlichsten Punkt der Radstrecke, holte den 28-jährigen Karlsruher jedoch das Pech ein: „Reifenpanne ohne Ersatzschlauch“ lautete die Diagnose. Bis ein neues Laufrad eingebaut war, vergingen ganze fünf Minuten. Inzwischen hatte sich Vanhoenacker an die Spitze gesetzt und fuhr mit einem Abstand von über acht Minuten auf Pete Jacobs, der das Feld von hinten aufgerollt hatte, in die Wechselzone ein (04:25:49 Stunden). Die australischen Landsmänner von Jacobs, Craig Alexander und Chris McCormack, spielten zu diesem Zeitpunkt des Rennens schon keine Rolle mehr: „Macca“ hatte nach einem Raddefekt gar aufgegeben.

Hier geht’s zur großen Fotostrecke

Damen-Besuch in der Penalty Box

Foto: Ralph Schick frei

Leanda Cave läuft auf dem Ali’i Drive zum Sieg.

Der Rad-Split der Damen glich einer Achterbahn-Fahrt: Die Favoritin Caroline Steffen musste bereits auf den ersten Kilometern  eine vierminütige Zeitstrafe absitzen. Erst nach rund 140 Kilometern entriss die amtierende Europameisterin der Britin Leanda Cave die Führung.  In die Positionskämpfe auf dem Rad mischte sich auch noch die Amerikanerin Mary Beth Ellis ein, setzte sich mit einem hauchdünnen Vorsprung von fünf Sekunden vor Steffen, wurde jedoch in der Wechselzone von einer Zeitstrafe ausgebremst. Dadurch war der Weg erneut frei für Steffen: Die Schweizerin wechselte mit über drei Minuten Vorsprung auf Carfrae in die Laufschuhe.

Vanhoenacker lässt Marino-Fans erstarren

Foto: Ingo Kutsche frei

Marino Vanhoenacker läuft bis zur Überhitzung.

Auf der Laufstrecke spielen sich für gewöhnlich hitzige Duelle à la Iron War ab, werden in der dritten Disziplin doch die Gesamtsieger gemacht. In diesem Jahr war es auf dem glühenden Asphalt der Kampf gegen die Temperaturen selbst, der besonders Vanhoenacker zusetzte. Der 36-jährige Belgier ist bekannt für seine offensive Renntaktik, die ihn bereits im Vorjahr beim Marathon das Finish kostete. Dieses Jahr ließ der amtierende Europameister Marino-Fans gar erstarren: Völlig entkräftet und mit leerem Blick stützte sich „Bink“ nach der Halbmarathon-Marke an einem Tisch am Verpflegungsstand ab, sein Körper war trotz regelmäßigen Trinkens, Schwämmen und Eiswürfeln überhitzt. Deshalb beendete Vanhoenacker das Rennen vorzeitig und ebnete damit den Weg für Pete Jacobs (02:48:05 Stunden).

Hier geht’s zur großen Fotostrecke

„Vize-Raelert“ wird Zweiter

Foto: Ingo Kutsche frei

Andreas Raelert (links) und Frederik van Lierde (rechts) umarmen den Ironman-Weltmeister 2012, Pete Jacobs.

Der Vize-Weltmeister von 2011 nutzte seine Chance, die sechsfache Siegesserie der Australier fortzusetzen, indem er selbst Geschichte schrieb: Nach 08:18:37 Stunden krönte sich ein strahlender Jacobs zum Weltmeister 2012. Selten sah man einen Sieger so viele Hände im Zielkanal abklatschen, vor Freude springen und mit einem klaren Fingerzeig nach oben auf dem roten Teppich von Kona einlaufen. Hinter dem Australier entbrannte ein Kampf um die anderen beiden Podiumsplätze: Andreas Raelert überholte beim Energy Lab die Landsmänner Al-Sultan und Kienle sowie den Belgier Frederik van Lierde. Kurz vor dem Ziel attackierte van Lierde noch einmal: „Ich war noch nie so gut wie in diesem Jahr. Darum war mir eigentlich egal, ob ich Zweiter oder Dritter werde. Da hab ich einfach mal versucht, ob es nicht mit Platz zwei klappt.“ Raelert hielt der Attacke des Belgiers stand, im Ergebnis steht für den 36-Jährigen aber wieder – wie bereits 2010 – nur der zweite Platz (08:23:40 Stunden). Raelert: „Nach Platz drei, zwei, drei, zwei bin ich mehr motiviert als je zuvor. Ich komme nächstes Jahr wieder!“

Sonja Tajsich als Vierte beste Deutsche

Foto: Ingo Kutsche frei

Sonja Tajsich erfüllt sich mit dem vierten Platz einen Traum.

„Eins, zwei oder drei“ war ebenfalls die Frage im Marathon der Damen. Steffen hatte sich nach dem bisherigen Rennverlauf durchaus berechtige Hoffnung auf den Gesamtsieg gemacht, wurde aber dann bei Kilometer 35 von Cave ausgeschaltet. Somit blieb „Xena“ mit 09:16:58 Stunden nur der undankbare zweite Platz.  „Natürlich bin ich ein bisschen enttäuscht. Ich bin ja hergekommen, um zu gewinnen“, erklärte Steffen nach dem Rennen. Die Britin Cave füllte indes die Lücke ihrer Landsfrau Chrissie Wellington, die dieses Jahr eine Wettkampfpause einlegte, und setzte sich nach 09:15:54 Stunden ins Ziel rollend die Krone auf. Damit ist Leanda Cave die erste Frau, die sowohl die Ironman 70.3- als auch die Ironman-Weltmeisterschaft im selben Jahr gewinnt. Grund zur Freude hatte auch Sonja Tajsich (09:22:45 Stunden): Die Regensburgerin erlief sich als beste Deutsche den vierten Platz (02:59:26 Stunden) hinter Carfrae. Für die 36-jährige ging mit der Top-Five-Platzierung ein Traum in Erfüllung: „Ein besonderes Highlight war der Marathon für mich persönlich. Nachdem ich seit zwei Jahren eine ‚Sub 3‘ auf Kona anpeile habe ich es dieses Jahr endlich geschafft, diese zu unterbieten!“

Ergebnisse Herren

1. Pete Jacobs (AUS), 8:18:37
2. Andreas Raelert, 8:23:40
3. Frederik van Lierde (BEL), 8:24:09
4. Sebastian Kienle, 8:27:08
5. Faris Al-Sultan, 8:28:33

Ergebnisse Damen

1. Leanda Cave (GBR), 9:15:54
2. Caroline Steffen (SUI), 9:16:58
3. Mirinda Carfrae (USA), 9:21:41
4. Sonja Tajsich, 9:22:45
5. Mary-Beth Ellis (USA), 9:22:57

Alle Ergebnisse

Hier geht’s zur großen Fotostrecke

Zur Fotostrecke von der Ironman Hawaii Party 2012 in München

Zum Adventskalender für Triathleten

Fotos: Ingo Kutsche – sportfotografie.biz

Triathlon.de Anzeigen
 
Zum Triathlon.de Newsletter anmelden