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Ironman Hawaii 2011: Normann Stadler is back on the island

7. Oktober 2011 von Ralph Schick

Kona, Hawaii, 06. Oktober 2011 – Im Juni hatte Normann Stadler eine schwere Operation am offenen Herzen und ist dem Tod im wahrsten Sinne des Wortes von der Schüppe gesprungen. Nur wenige Monate später ist er wieder auf Hawaii. Er sagt:“Es geht mir gut“. Wir haben den Norminator getroffen und mit ihm gesprochen, was er auf Hawaii macht und wie die Zukunft von ihm persönlich und seinem Commerzbank-Team aussieht.


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Hallo Normann, schön dich zu sehen. Wie geht es dir?

Ich merke gar nichts mehr. Es ist alles unproblematisch. Natürlich ist der Puls noch ein bisschen höher. Manchmal ist der Blutdruck noch ein bisschen durcheinander. Aber ansonsten geht es mir wie vorher. Also es ist alles ganz normal. Ich habe den Flug gut überstanden, habe mich hier gut eingelebt und habe noch ein bisschen Jet-Leg.
Ich dachte es wird schlimmer, wenn ich hier ankomme, dass es kribbelt und dass ich nervös bin. Aber anscheinend habe ich doch schon richtig abgeschlossen mit dem Profi-Geschäft und freue mich einfach, dass ich hier bin.

Wann hast du dir überlegt, auf die Insel zu kommen? Warum bist du eigentlich da? Hast du eine spezielle Aufgabe oder bist du just for fun hier?

Nein, ich bin nicht nur just for fun hier. Ich bin immer noch Angestellter der Commerzbank oder ich bin der Chef des Commerzbank-Triathlon-Teams. Ich habe das Team ins Leben gerufen. Wie man weiß, läuft das Team am Ende des Jahres aus. Wir haben gute Chancen, dieses Jahr ganz weit vorne zu sein. Deswegen bin ich hier und ich möchte zeigen, dass ich nicht tot bin. Ich bin noch da. Ich habe zwar etwas schlimmes gehabt, aber es wurde repariert und es geht weiter.

Und einfach mal den Wettkampf von einer anderen Seite zu sehen. Einfach einmal nicht so nervös zu sein. Auf einmal mache ich auch Socializing hier, ich gehe abends auch mal länger essen, ich muss nicht die Füße hochlegen, ich muss nicht immer aus der Sonne raus gehen und ich treffe Leute, die ich sonst nie getroffen habe, weil man halt immer nur auf dem Zimmer rumhängt oder immer angespannt ist.

Natürlich werde ich auf die eine oder andere Art und Weise im Sport bleiben. Alle Kontakte, die man im Triathlon braucht, sind momentan hier. Deswegen bin ich auch hier

Gibt es schon etwas Konkretes, wie es bei dir weitergeht?

Im Hauptbereich gibt es noch nichts Konkretes. Konkret ist, dass ich Marino (Vanhoenacker, Anm. d.Red.) bei der Sponsorensuche und beim „Drumrum“ unterstütze. Das habe ich mir lange überlegt und ich habe mich lange mit ihm unterhalten. Ich komme nicht direkt aus diesem Metier, aber ich kenne die Triathlon-Szene in- und auswendig, ich kenne die Preise und die Budgets und habe die Kontakte. Marino kann das selber nicht machen. Er ist gerade in der Hochform seiner Karriere und Marino ist ein Athlet, der sich tausendprozentig auf einen Wettkampf vorbereitet. Er ist Sportler. Sportler vergessen manchmal, dass es wichtig ist, sich zu präsentieren. Manchmal muss man als Athlet Sachen machen, die man vielleicht nicht so gern macht. Da versuche ich ein bisschen zu helfen.

Denkst du, dass wir dieses Jahr in Kona ein anderes Rennen sehen werden, da die WTC die Quali-Regeln geändert hat und die Profi-Startfelder kleiner sind? Was hältst du als Ex-Athlet von der Regel-Änderung?

Ich glaube, dass die Selektion, die da passiert gut ist, dass sich nicht mehr jeder „Profi-Triathlet“ schimpfen kann. Den Weg dahin finde ich nicht gut. Es gibt viele junge Athleten, die nicht in ein Team eingebunden sind, wo alles gecovert ist und wo ein Rundum-Sorglos-Paket angeboten wird. Die meisten Quali-Punkte gibt es außerdem in Übersee. Man muss viel reisen. Man muss viel Geld ausgeben. Man sieht, die Preisgelder sind ziemlich niedrig. Daher weiß ich nicht, wie das funktionieren soll. Die Athleten haben zu viele Rennen in den Beinen und man wird am Wochenende auch sehen, dass einige hochgehen werden, weil einfach fünf, sechs Langdistanzen in den Beinen hängen. Es wird spannend.

Die Regelung finde ich wie gesagt gut, aber wiederum auch nicht gut, wie es umgesetzt wurde. Am Ende werden die alten Hasen, ich glaube schon , dass es die alten Hasen sind, vorne sein. Es wird kein One-Day-Wonder geben.

Wen ich noch stark auf der Rechnung habe, ist Andi Böcherer. Der hat sich richtig gemacht und es würde mich auch freuen, wenn er nach ein paar schlechten Jahren und nach ein paar Dummheiten auf der Radstrecke, sein Rennen gut rüber bringt. Er hat dieses Jahr souverän drei Mitteldistanzen gewonnen mit Zeiten wie ein Michael Raelert.

Ansonsten glaube ich, dass Leute wie Alexander, Vanhoenacker, Andi Raelert natürlich – der muss der Favorit sein hier – vorne sein werden.

Hast du auch eine Prognose für das Frauenrennen?

Ich glaube, wenn Chrissie (Wellington, Anm. d. Red.) ihre Schürfwunden ausgeheilt hat, dann wird sie unschlagbar sein. Sie ist einfach die kompletteste Athletin, wenn sie nicht vom Kopf her wieder zusammenbricht, wie letztes Jahr und dann kurzfristig absagt.

Mirinda Carfrae ist natürlich auch eine Favoritin mit einem 2:53 h Marathon im letzten Jahr. Bin ich noch nie gelaufen und muss man erst mal laufen. Das Feld ist aber nicht so tief wie bei den Männern. Obwohl die Quali von den Punkten her wahrscheinlich schwieriger war als bei den Männern.

Es sind nur zwei deutsche Frauen am Start. Denkst du, dass Sonja Tajsich eine Chance auf die Top-Ten hat?

Ich glaube schon, ja. Ganz nach vorne ist natürlich, wenn man sich die persönlichen Bestzeiten anschaut, utopisch. Aber eine Top-Ten wäre natürlich für eine Deutsche mal wieder sehr sehr gut.

Denkst du, dass nach 2006 endlich mal wieder ein deutscher Sieg fällig wäre

Der Beste gewinnt. Natürlich wäre es das Beste, wenn einer aus unserem Team gewinnt. Wäre natürlich auch schön für mich, dass ich die Richtigen herausgesucht habe. Mir wäre es natürlich lieber, wenn Marino (Vanhoenacker, Anm. d. Red.) gewinnt als ein Andi (Raelert, Anm. d. Red.), auch wenn Andi ein Deutscher ist. Die anderen im Team sehe ich auch gut, aber einfach von der Historie, von den Rennen her, sehe ich von uns den Marino am Weitesten vorn.

Wie gesagt, es sollte einer in gelb vorne sein und die Nationalität ist mir dann ganz egal

Vielen Dank für das Interview und für deine Einschätzungen.

Das Interview führte Meike Maurer.

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