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Ironman Hawaii 2010: Yvonne van Vlerken – Nur ein Tag im Leben

6. Oktober 2010 von Christian Friedrich

Auch wenn der Ironman Hawaii 2009 mit einem DNF endete, so wird mit der quirligen Niederländerin Yvonne van Vlerken dieses Jahr wieder zu rechnen sein. Saisonrückblick und Fokus nach vorne – Yvonne hat uns einiges erzählt.


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Die Saison ist für einen Profi immer lang. Zu welchem Zeitpunkt in der Saison legst Du den Schalter um und denkst „So jetzt Hawaii!“?

Fur jeden Profi ist das unterschiedlich, mein Saison ist wie du schon sagst immer lang, letztes Jahr war sie fast 12 Monate lang. Den Schalter umlegen fur Hawaii mache ich erst nach der Ironman Europameisterschaft, die Frankfurter Sparkasse Ironman European Championship im Juli. Vorher geht das nicht, weil ich mich mental nicht auf mehrere Sachen fokussieren kann. Ich möchte auch nicht das ganze Jahr nur an ein Ziel denken. Ich mache gerne viele Rennen, so auch dieses Jahr in Vorbereitung auf Hawaii, diese Wettkämpfe sind dann allerdings immer mit der WM in Hinterkopf.

Wenn Du eine Rangliste Deiner Wettkämpfe 2010 machen müsstest, wie würde die aussehen?

Der Start meiner Saison war dieses Jahr ganz schwierig, es ist gar nicht gelaufen wie ich das wollte, bin dann aber nachher immer besser geworden. Ganz schlecht drauf war ich in Abu Dhabi, ich hätte dort eigentlich nicht starten sollen. Stur wie ich bin habe ich es getan und die Rechnung bekommst du halt dann nachher :-(. Die Liste würde ungefähr so ausschauen:

  1. Challenge Walchsee: bei diesem Rennen kurz vor der Abreise in die USA hat sich sehr gut angefühlt. Ich hatte das Rennen vom Start weg unter Kontrolle.
  2. Sparkassen Finanzgruppe Ironman 70.3 European Championship: den Titel zu verteidigen war mein Ziel, dass es dazu den Europameistertitel gab, war natürlich das Sahnehäubchen.
  3. ITU Langdistanz WM Immenstadt: Die war eigentlich nicht geplant. Dort habe ich gemerkt, dass meine Form wieder in die richtige Richtung geht. Am Rad und beim Laufen habe ich gesehen, dass es wieder läuft. Der Vizeweltmeistertitel war dann eine schöne Draufgabe für einen “Trainingswettkampf”.
  4. Ironman 70.3 Austria St.Pölten: taktisch war das Rennen eines meiner Besten. Dort wieder zu gewinnen hat mir nach der schweren Zeit im Frühjahr mit den gesundheitlichen Problemen wieder das nötige Selbstvertrauen gegeben. Der Zielsprint mit Erika war natürlich für uns beide und die Zuschauer ein tolles Erlebnis. Ich liebe dieses Rennen.
  5. Frankfurter Sparkasse Ironman European Championship: ich wusste schon vor dem Wettkampf, dass ich durch die gesundheitlichen Probleme recht viele Trainingskilometer verpasst hatte. Beim Schwimmen habe ich gesehen, dass sich die Mühe im Training auszahlt. Am Rad hat mir ein wenig noch die Power hinten raus gefehlt. Trotzdem war ich mit meinem Rennen zufrieden. 9:10 Stunden auf einer 5km zu langen Strecke waren ein tolle Leistung, aber eben nicht genug um an diesem Tag besser wie Platz 3 zu sein.
  6. Vienna City Triathlon: auch ein Trainingswettkampf. Der Fokus war auf einer guten Laufleistung und mit der deutlich schnellsten Laufzeit im Damen-Feld hatte ich mein Ziel dort erreicht.
  7. Abu Dhabi International Triathlon: nach einem Radsturz und mit einem viralen Infekt gerade hinter mir fuhr ich dem Feld hinterher. Ein harter Tag für mich, aber auch eine Lernschule. Manchmal muss man nein sagen können, auch wenn es noch so verlockend ist. Aber wir Triathleten hegen immer die Hoffnung, dass es sich trotzdem noch ausgeht.
  8. Ironman 70.3 New Orleans: dasselbe gilt für diesen Wettkampf. Ich hätte niemals starten dürfen. Ich war einfach nicht gut beieinander. Doch das Training in Austin nach meinem Ausstieg dort war sehr gut. Ich hatte dort die Zeit und Ruhe meinen Kopf wieder gerade zu bekommen.
  9. Ein spezieller Wettkampf war das Schwimmrennen über 2,4 Meilen, dass ich in Lake Tahoe gewinnen konnte. Das hat mir zusätzliches Selbstbewusstsein für Kona gegeben…hahahahahaa…:-)

Wenn die WM nicht auf Hawaii wäre und Du könntest Dir einen Wettkampf aussuchen, wo würdest Du die Weltmeisterschaften auch mal gerne durchführen?

Am liebsten bei uns Zuhause in Vorarlberg, schwimmen im Bodensee, radeln im Bregenzerwald und schön und flach laufen wieder entlang des Bodensees bei angenehmen Temperaturen. Dann müssten wir das Rennen allerdings im Juli oder August machen :-)

Verzichtest Du vor dem Wettkampf auf Koffein, um die Wirkung im Wettkampf zu erhöhen?

Ich benutze generell unter dem Jahr keine Produkte mit Koffein, ich trinke vor dem Rennen aber zusätzlich auch keinen Tee der Teein enthält, Kaffee trinke ich sowieso nicht, den mag ich gar nicht. Zusätzlich esse ich keine Schokolade und das tut dann schon weh :-( und das alles nur um im Wettkampf besser zu sein.

Bist Du immer im gleichen Appartment wenn Du auf Hawaii bist?

Ich mag es sehr gern irgendwo hinzugehen, wo ich schon mal war, so auch dieses Jahr wieder auf Hawaii. Das Townhouse fühlt sich wie ein zweites Zuhause an, wir haben selbst Boxen mit unseren eigenen Sachen hier, einen eigenen Massagetisch und unseren Motor-Scooter, den wir in der Garage parken, bis wir wiederkommen :-)

Wie bereitest Du Dich für den Flug vor? Was hast Du alles im Handgepäck?

Ich versuche schon ziemlich erholt in den Flieger zu gehen, fliegen wenn du vom Training fix und fertig bist ist keine gute Idee! Klar ziehe ich mir immer Kompressions- Strümpfe an und lockere Klamotten. Mein Handgepäck ist meistens ziemlich groß, ich nehme mein eigenes kleines Kissen mit in den Flieger, eine ganze Menge Vitamine und ziemlich etwas an Biestmilch-Kautabletten. Ein feines Buch gehört auch dazu und mindestens zwei Trinkflaschen mit Wasser sowie kleine Snacks. Meine Ohrenstöpsel und ein “Augenvorhang” (Schlafmaske) hahaha…wie heißt das auf Deutsch, du weißt schon so ein “Ding” damit du nichts mehr siehst. Schlafen kann ich immer, bin ja nicht umsonst die “Weltmeisterin im Schlafen”. Ganz wichtig dann auch noch eine Schwimmbrille, Badekappe und Badenanzug, dazu noch Laufkleidung (Laufschuhe habe ich schon an) und ein paar frische T-Shirts. Das alles muss in mein Handgepäck, denn sollten die Koffer mal nicht ankommen, kannst du auf jeden Fall schwimmen und laufen :-)

Hast Du ein paar Tipps für die Hawaii-Rookies für den Flug und die Zeitumstellung?

Meine Einteilung des Handgepäck ist schon mal ein guter Tipp. Ausgeruht den Flug anzugehen ist auch mal ganz wichtig. Normal benutze ich keine Schlaftabletten, ich habe sie jetzt auch nicht gebraucht weil wir vom USA-Festland nur kurz nach Kona geflogen sind. Wenn man von Europa anreist sollte man sicherlich eine leichte Schlaftablette mitnehmen. Das hilft um besser in den Rhythmus zu kommen. Wenn du unter den Tag müde bist, einfach kurz hinlegen und nur eine Stunde schlafen, stell deinen Wecker und bleib nicht liegen, versuche so schnell wie möglich den richtigen Tag-Nacht-Rhythmus zu bekommen.

Wirst Du einen Schwimmanzug über Deinen Einteiler ziehen oder haben?

Ich habe mich letztes Jahr sehr wohl in meinem Xterra gefühlt, der Speedsuit ist jetzt aber verboten. Eine Prüfung ohne Speedsuits haben wir schon in Frankfurt gemacht, ich bin da ziemlich gut geschwommen – 57 Minuten ohne Neo aber mit einem Anzug über meinem Einteiler. So wird es auch am 9. Oktober sein.

Wie viel Minuten musst Du nach dem Schwimmen dieses Jahr noch zufahren? Immerhin schwimmst Du ja immer besser.

Das ist eine gute Frage, ich weiß es nicht, das werden wir nächsten Samstag sehen. Ich denke 6-8 min. auf die erste Frau, würde ich das schaffen, dann bin ich sehr froh.

Das Frauenrennen ist (unter normalen Umständen) leichter vorauszusagen als bei den Männern. Resigniert man nicht fast bei der Übermacht von Chrissie Wellington? Geht es um Platz 2 im restlichen Damenfeld oder spielt immer die Hoffnung mit….irgendwann muss sie auch mal schwächeln?

Am liebsten schaue ich nur auf mich selber. Mich an Chrissie zu messen kommt nicht in Frage. Ich konzentriere mich auf meine eigene Performance. Negativ bin ich auf keinen Fall, realistisch aber schon. Aber auch all die unschlagbaren Athleten wie Dave Scott und Paula Newby-Fraser haben irgendwann geschwächelt. Und dann werden wir anderen Mädeln bereit sein für einen entscheidenden Schlag. Ich persönlich möchte halt gerne ein gutes Rennen machen, wenn ich am Ende des Tages mit meiner Leistung zufrieden bin, dann passt das! Ich mache schon mal Witze darüber das wir Mädeln alle nach Kona fliegen um im Bestfall für einen zweiten Platz zu kämpfen…….aber man weiß es nie, in Kona kann alles passieren.

Wirst Du im Tapering was neues probieren, was wirst Du umstellen oder anders machen dieses Jahr speziell in Kona?

Ich mache immer gerne alles genau gleich, ich werde aber versuchen mich etwas zurück zu ziehen und mehr auf mich zu achten. Die Augen sind jedenfalls viel weniger auf mich gerichtet wie letztes Jahr und das gefällt mir sehr, sehr gut. Wenn die Leute nicht auf mich achten, habe ich meistens meine besten Rennen. Das “Lava”-Magazin hat Sandra und mich nicht mal in die Top 10 vorausgesagt…das ist doch perfekt für uns. Wir fliegen unter dem Radar…!

Welcher Platz „reicht“ Dir zum Glücklich sein?

Mein Ziel ist schon in die Top 5 zu fahren. Das sich die Zeiten verändert haben, dürfte klar sein. Es gibt jetzt 20 Mädeln die in die Top 5 fahren können, es wird sicher härter werden. Aber noch mal, wenn ich am Ende des Tages zufrieden bin, auch wenn das ein Platz unter dem ist was ich mir erträume, passt es für mich. Glücklich sein solltest du immer, und das unabhängig von einem Platz bei einer WM. Das ist nur ein Tag in deinem Leben!

Wir wünchen Dir auf jeden Fall alles Gute und freuen uns auf einen einfach tollen Wettkampf.

Ganz lieb von dir, ich gebe mein Bestes, euch allen Danke fürs Daumendrücken…!

Fotos: Endurance Team/enduranceteam.at
Info: Yvonne van Vlerken


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