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Ironman Frankfurt Spezial: Natascha Schmitt – Auf der Laufstrecke nach vorne

6. Juli 2014 von Christine Waitz

Foto: Ingo Kutsche,   freiNatascha Schmitt hat schon einige Wettkampf-Kilometer in den Beinen. Unter den Ergebnissen finden sich ein sechster Platz beim Ironman 70.3 Mallorca, ein achter Platz beim Ironman 70.3 St. Pölten und ein dritter Platz beim Triathlon Heilbronn. Nach ihrer Heimpremiere in Frankfurt im letzten Jahr, strebt sie 2014 größere Ziele an. Mit der Marathon Wunschzeit von unter drei Stunden soll es vor allem auf der Laufstrecke nach vorne gehen.


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In diesem Jahr konzentrieren wir unsere Berichterstattung im Vorfeld des Ironman Frankfurt ganz auf die Profistarter. Denn kaum ein Altersklassenathlet hat sich nicht schon einmal gefragt, wie sich die Besten eigentlich auf das Rennen vorbereiten. So läuft die Rennwoche bei Natascha Schmitt ab.

Tapering ist eine Disziplin für sich. Sehr individuell und gar nicht einfach herauszufinden, ist das Training in den letzten Tagen vor dem Rennen. Wie sieht deine Rennwoche aus?

Foto: Ingo Kutsche, frei

Mein Tapering beginnt zwei Wochen vor der Langdistanz.

In der letzen Woche vor dem großen Rennen geht es darum, die Umfänge noch weiter zu reduzieren und vor allem sich muskulär zu erholen. Daher stehen in diesem Zeitraum keine längeren Einheiten mehr auf dem Programm und die Intensität besteht aus kurzen intensiven Reizen z. B.  kurze Intervalle knapp über Ironmanwettkampfgeschwindigkeit (z. B. 2×10 Min auf dem Rad bei TF: 85-95 Umdrehungen).

Zudem wird ein 2:1-Rhythmus als Belastungsfolge durchgeführt, um ausreichend Erholungsphasen zwischen den Einheiten zu gewährleisten, d.h. auf zwei Tage Belastung folgt ein Tag Entlastung bzw. auch Pause.  Dadurch sollte mein Körper in keinerlei energetische Defizite mehr verfallen. Weniger ist mehr, lautet die Devise. Allerdings höre ich in den letzten zwei Wochen sehr stark auf meinen Körper, sodass das Training auch tageweise angepasst werden kann, je nachdem wie schnell die Regeneration abläuft. Dieses ist typabhängig. Grob gesagt liegt der Wochenumfang bei etwa 40 Prozent des normalen Umfanges in der Woche.

Fahrrad geputzt, Glücksbringer im Satteltäschchen, Bart nicht rasiert… es gibt zahlreiche kleine Rituale unter den Athleten, die vor dem Rennen zum Einsatz kommen und signalisieren: Jetzt zählt’s! Was ist deines?

Oh ha, ich glaube ein richtiges Ritual habe ich nicht. Vielmehr habe ich bestimmte Abläufe, die ich immer gleich durchführe. Einen Tag vor dem Rennen wird das Rad geputzt, die Kette sauber gemacht und alles bereit gelegt, sodass ich am Wettkampfmorgen nur noch alles schnappen muss.

Am Renntag stehe ich vier Stunden vor dem Rennen auf, mache meine Haare und  gehe kurz Laufen und höre Musik. Nach dem kurzen Auftakt bin ich wach und habe mich auf das Rennen eingestimmt. Meistens merkt man schon während des Laufens, wie sich die Beine und der Körper anfühlen und kann schon erahnen wie es sich im Rennen anfühlen wird. Danach dusche ich und mache mich fertig, bevor das Frühstück auf mich wartet.

Vor dem Start gehe ich unzählige Male auf Toilette :)))

Ernährung ist nicht nur während des Rennens von entscheidender Bedeutung. Auch im Vorfeld ist es wichtig, was ,wann, wieviel man isst. Wie sieht dein Ernährungsplan aus …

…in der Rennwoche…

Achte ich besonders auf einen noch höheren Nährstoffgehalt als in normalen Wochen. In dieser Woche koche ich vorwiegend Hirse, Dinkel oder Kartoffeln, da in diesen Produkten u. a. viel Eisen und Magnesium steckt. Dazu gibt es frisches Gemüse und meistens noch Fleisch oder Fisch.

… am Tag vor dem Rennen…

Am Abend vor dem Rennen setze ich auf Kartoffeln mit selbst gemachten laktosefreien Kräuterquark, dazu gibt es ein wenig Gemüse und Putenleber.

… am Rennmorgen…

Drei Stunden vor dem Rennen esse ich ein selbst zusammengemischten Brei aus Hirseflocken, Haferflocken und Sojaflocken, hinzu kommt ein wenig Honig, zwei Löffel Eiweißpulver von Powerbar, eine klein geschnittene Banane und ein paar Nüsse. Den Brei gieße ich mit heißem Wasser auf. Dazu trinke ich ein Isotonisches Getränk von Powerbar.

Zwischen Frühstück und Start esse ich dann noch einen Energieriegel, trinke ein Isontonisches Getränk und nehme kurz vor dem Start ein Energiegel.

…im Rennen…

Ich setze im Rennen, wie auch sonst auf die Nahrung von Powerbar. Vor dem Schwimmen nehme ich ein Energiegel zu mir.
Alle meine Gels, die ich auf dem Rad benötige, versuche ich in eine Flasche zu füllen, sodass kein Müll entsteht und ich sie regelmäßig zu mir nehmen kann. Hierfür verwende ich die flüssigen Gels, die nach Orange schmecken. Aus dieser Flasche nehme ich dann mindestens alle 20 Minuten einen kräftigen Schluck. Zudem habe ich in einer zweiten Flasche ein Gemisch aus Wasser und Isotonischem Getränk, dass ich alle fünf bis zehn Minuten trinke. Je nach Bedarf lasse ich mir an den Verpflegungen nochmals einen Energieriegel oder ein Stück Banane reichen.

Nach dem Radfahren halte ich eine Flasche mit einem koffeinhaltigen Getränk in meinem Wechselbeutel bereit, welches ich dann auf den ersten Laufmetern zu mir nehme. Beim Laufen versuche ich alle sieben Kilometer ein Energiegel zu mir zu nehmen. Sonst schnappe ich mir soviel Wasser, wieviel ich bekommen kann. Ab und an greife ich dann nochmals zu einem koffeinhaltigen Getränk.

Wenn es im Rennen einmal nicht glatt läuft, wie motivierst du dich weiterzukämpfen?

Ich habe mir eine Playlist mit Liedern, die mich motivieren sollen, zusammen gestellt. Diese Liste habe ich im Kopf und versuche sie zu so oft es geht im Rennen abzurufen. Zudem versuche ich mich besonders in Zeiten, in denen es mir nicht so gut geht, an Rennen oder Trainingseinheiten zu erinnern, bei denen es gut gelaufen ist und sich super angefühlt hat. Zudem werde ich versuchen mich von einem Betreuer bzw. Freunden zum anderen vorzuarbeiten und mich damit zu motivieren z. B. „Komm bis dahin nochmals Gas geben, dann kannst du wieder ein wenig lockerer laufen  etc.“ Das heißt, ich versuche meinen Kopf zu überlisten oder mir immer wieder bewusst zu machen, welche Zeiten auf der Uhr stehen müssen und wie oft ich diese Zeiten schon erreicht habe (Anker setzen).

Wie ist deine Vorbereitung gelaufen und was erwartest du dir vom Ironman Frankfurt 2014?

Ich konnte meinen Trainingsplan fast vollständig durchführen, da mir keine größeren Krankheiten oder Verletzungen einen Strich durch die Rechnung gemacht haben. Somit bin ich ganz zufrieden, wie es gelaufen ist. Beim Laufen lief es richtig gut und ich konnte die Vorgaben eigentlich immer unterbieten. Beim Schwimmen lag  ich im Soll und beim Radfahren lass ich mich einfach überraschen, was auf den 180 Kilometern passieren wird.

Mein Hauptziel in diesem Jahr ist es, dass ich mit einem Lächeln und einer inneren Zufriedenheit auf dem Römer einlaufen werde, da ich meine individuelle Leistung abrufen konnte und sich der ganze Aufwand gelohnt hat. Ein weiteres Ziel ist es, mich vom Publikum zu einem Marathon unter drei Stunden tragen zu lassen und möglichst viele Plätze beim Laufen gut machen zu können. Welche Zeit und welcher Platz am Ende zu Buche steht, wird sich dann zeigen.

Zur Website von Natascha Schmitt.

Zum triathlon.de Frankfurt Spezial.

Foto: Ingo Kutsche

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