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Ironman Frankfurt: Sebastian Kienle bricht alle Rekorde und wird Europameister

6. Juli 2014 von Christine Waitz

triathlon.de,   freiEr war unumstritten die Person des Tages – nicht nur, weil es sein 30. Geburtstag war. Sebastian Kienle drückte dem Ironman Frankfurt 2014 seinen Stempel auf. Mit überragender Radleistung pulverisierte er den alten Streckenrekord. Damit legte er den Grundstein für seinen Sieg in Rekordzeit von 7:55:14 Stunden. Debütant Frodeno biss sich mit Kampfeswillen durch und wurde mit dem dritten Platz in 8:07:05 belohnt.


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Windstilles, aber bereits schwülwarmes Wetter begrüßte die über 3.000 Sportler am Morgen am Langener Waldsee. Annähernd perfekte Bedingungen boten sich. Besonders auf der Radstrecke regte sich kaum ein Lüftchen, sollte sich später herausstellen. Doch zurück zum Beginn.

Dass das Tempo schon auf der Schwimmstrecke sehr hoch war, das sah man nicht zuletzt daran, dass keine große Spitzentruppe aus dem Wasser kam. Gingen 2013 noch knapp 20 Topsportler zusammen auf die Radstrecke, waren es an diesem Tag nur acht. Verantwortlich für das hohe Tempo, das nach 45:39 zum Schwimmziel führte, war Jan Frodeno.

Debütant im Pech

Der Debütant, auf den alle Augen gerichtet waren, hatte an diesem Tag jedoch nicht so viel Glück. Ein Riss im Neo trieb schon vor dem Start die Aufregung in die Höhe. Auf der Radstrecke bremsten den Olympiasieger gleich drei Plattfüße aus. Wertvolle Zeit ging verloren. Zu allem Überfluss, sprang dann auch noch die Flasche mit der Verpflegung aus dem Halter. Dennoch, Frodeno hielt sich wacker! „Viel mehr hätte nicht schief gehen können“, meinte er im Ziel.

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Radrekord für Kienle

Vier Minuten Rückstand hatte Sebastian Kienle nach dem Schwimmen auf den Führenden. Zu diesem Zeitpunkt war das schon Frederik van Lierde, der auf der Radstrecke sofort das Zepter ergriffen hatte.
Doch der König des Tages flog von Position 24 aus durch das Feld. Nach knapp vier Wettkampfstunden übernahm Sebastian Kienle unter Anfeuerungsrufen der Fans am Heartbreak Hill dann die Führung. Eine Chance, sich hinter ihm festzusetzen, gab er Frederik van Lierde nicht. Die Lücke wurde sichtbar größer und größer. Der Streckenrekord schien bei guten Bedingungen und dem hohen angesetzten Tempo nur noch Formsache. Mit 4:12:14 Stunden unterbot er den 2010 von Andreas Raelert aufgestellten Rekord nicht nur, sondern pulverisierte ihn um über acht Minuten.

Hitzeschlacht auf der Laufstrecke

Mit 5:10 Minuten Rückstand folgte Ironman Weltmeister van Lierde hinter Kienle in die zweite Wechselzone, bereits 14:35 Minuten Rückstand hatte der Dritte Bas Diederen, der kurze Zeit darauf das Rennen vorzeitig beendete.
Jan Frodeno, als Fünfter vom Rad, hatte die Glücksspur immer noch nicht gefunden. Erst auf Beutel-Suche, dann Krämpfe – dem Debütanten wurde das Leben heute nicht leicht gemacht.“Den ersten Krampf hatte ich bei Kilometer Null!“, so Frodeno im Ziel.
Doch er bewies Biss. Bald schon hatte er sich auf Rang drei vorgearbeitet und hielt die Position trotz wiederkehrender Krämpfe. Von Verpflegung zu Verpflegung hangelte er sich, immer wieder Gehpausen einlegend, um Flüssigkeits- und Energiespeicher wieder aufzufüllen. Trotzdem war sein Tempo zwischen den Stopps so gut, dass er Distanz zwischen sich und seine Verfolger bringen konnte.
An der Spitze baute Kienle seine Führung mit furiosem Lauf weiter aus. Van Lierde hielt sich kontrolliert auf Rang zwei.

Geburtstagskind auf Wolke Sieben

Das Ergebnis hört sich nach einem Traum-Tag an – und ist wohl einer. Erster Sieg in einem Ironman, vor heimischem Publikum, Europameistertitel, Radrekord, Streckenrekord und das alles zum 30. Geburtstag. Nach 7:55:14 Stunden wurde der Traum für Sebastian Kienle Wirklichkeit. So souverän wie der Sieg aussah, war er jedoch nicht: „Es ist eine der wichtigsten Fähigkeiten, sich die Schwächephasen nicht anmerken zu lassen“, so Kienle im Ziel. Noch vor er in Jubelstürme ausbrach: „Das ist so geil, das Publikum!“

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Frederik van Lierde verpasste sein selbstgestecktes Ziel, die acht Stunden zu unterbieten, um nur 25 Sekunden. Mindestens genauso gefeiert, wie der Sieger, wurde kurz darauf der Kämpfer des Tages: Jan Frodeno schleppte sich mit schmerzverzerrtem Gesicht als Dritter in das Ziel. 8:07:05 brauchte der Olympiasieger für sein erstes Rennen über die Ironmandistanz. Überraschung in der Ergebnisliste: Trotz zahlreicher Gehpausen konnte Jan Frodeno eine Marathonzeit von 2:43:14 Stunden verbuchen – das ist nur weniger als eine Minute über Timo Brachts Streckenrekord! „Viel mehr war dann auch auf den letzten Metern nicht drin“, gab er später im Interview zu.

Enges Rennen im Feld der Damen

Die Ex-Teamkameradinnen Jodie Swallow und Mary Beth Ellis stiegen nach 47:22 Minuten aus dem Wasser. Mit bereits größerem Abstand folgten Gina Crawford und Katja Konschak. Auf dem Rad arbeitete das Führungsduo zunächst konstant zusammen. Hinter ihnen formierte sich indes eine potente Verfolgergruppe. Titelverteidigerin Camilla Pedersen, Eva Wutti und Gina Crawford arbeiteten sich nach vorne vor und bis auf zwei Minuten heran. Zum Ende der Radstrecke konnte sich Jodie Swallow noch etwas absetzen und fuhr so mit einer Minute Vorsprung in die zweite Wechselzone ein.

Dort wurde erst ersichtlich, wie knapp es doch im Rennen der Damen zuging. Innerhalb von fünf Minuten gingen die schnellsten Zehn auf die Laufstrecke. Darunter auch Sonja Tajsich, die sich bisher als einzige Deutsche in die TopTen vorgearbeitet hatte.

Corinne Abraham: Mit Konstanz zum Sieg

Bei Kilometer 22 hatte die Langzeitführende Jodie Swallow dann nichts mehr zuzusetzen. Corinne Abraham hatte sich beharrlich an die Engländerin herangearbeitet und überholte sie. So beharrlich, wie sie sich herangearbeitet hatte, so führte sie ihr Rennen fort.
Nach 8:52:40 konnte sie ihren zweiten Ironman Sieg und einen Europameistertitel feiern – und passend zum Tag der Rekorde ihre persönliche Bestzeit um über 20 Minuten verbessern. Einen harten Kampf um die Plätze lieferten sich Gina Crawford und die schnellste Läuferin im Feld, Liz Lyles. Am Ende setzte sich die Amerikanerin Lyles  gegen die Neuseeländerin Crawford durch.

Als beste Deutsche lief Kristin Möller auf Platz vier vor: „Die Konkurrenz war heute einfach bockstark und mit meinem vierten Platz muss ich mich nicht verstecken!“

Ergebnisse Männer

1. Sebastian Kienle, 7:55:14
2. Frederik van Lierde, 8:00:25
3. Jan Frodeno, 8:07:05
4. Ronnie Schildknecht, 8:12:54
5. Alessandro Degasperi, 8:20:39
6. David Plese, 8:21:04
7. Marc Dülsen, 8:28:30
8. Miquel Blanchart, 8:32:49
9. Jan Raphael, 8:38:08
10. Iván Gómez, 8:38:40

Ergebnisse Damen

1. Corinne Abraham, 8:52:40
2. Liz Lyles, 8:56:36
3. Gina Crawford, 8:58:06
4. Kristin Möller, 9:02:17
5. Amy Marsh, 9:06:33
6. Natascha Badmann, 9:08:13
7. Jodie Swallow, 9:08:44
8. Mary Beth Ellis, 9:10:08
9. Katja Konschak, 9:20:48
10. Natascha Schmitt, 9:21:56

Zu den Ergebnissen.

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Foto: triathlon.de

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