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Ironman Frankfurt 2015: Jan Frodeno – „Wenn ich Anreise, will ich auch gewinnen“

3. Juli 2015 von Christine Waitz

Ingo Kutsche, freiTunnelblick, volle Konzentration. Das ist der Ironman Frankfurt aus Sicht eines Profis. An diesem Tag muss alles passen. Schließlich geht es um Punkte, um Preisgeld und um mediale Aufmerksamkeit vor heimischem Publikum. Als Favorit steht man nicht nur unter Druck von außen, sondern will auch seinen eigenen Ansprüchen gerecht werden. Wie man damit umgeht, haben wir Jan Frodeno gefragt.


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Einen Stein muss der Olympiasieger von 2008 in diesem Jahr nicht mit sich herumschleppen: Den der Unsicherheit vor der ersten Langdistanz. Denn dort hat er wahrlich schnell Fuß gefasst. Bei seinem Debüt vor exakt einem Jahr lief zwar nicht alles glatt, doch das Ergebnis war mit einem dritten Platz, ein alles andere als schlechter Start in die Langdistanz-Karriere. Und auch bei seinem zweiten Rennen über 226 Kilometer, immerhin den Ironman Weltmeisterschaften auf Hawaii, glänzte er mit derselben Podiumsplatzierung. Trotz Reifenpanne und Zeitstrafe, wohlgemerkt.

Ingo Kutsche, frei

Jan Frodeno beim Ironman Frankfurt 2014

Hallo Jan! Aus Sicht des Profi Triathleten dürfte der Ironman Frankfurt in mehrerer Hinsicht ein ganz besonderes Rennen sein. Es geht um den Europameister Titel, die Aufmerksamkeit gilt besonders den deutschen Topfavoriten, die Kulisse ist spektakulär. Was ist für dich am reizvollsten beim Start in der Mainmetropole?

Der Ironman Frankfurt ist im Vergleich zu Hawaii ein reines Zuschauerspektakel. Überall erkennt man Leute in der Menge und wird angefeuert – sowas liebe ich. Aber auch vier Runden Marathon lassen sich leichter Laufen als eine Große. Es ist, aus meiner wenig erfahrenen Sicht, der spektakulärste Ironman der Tour!

Gerissener Neoprenanzug, verlorene Rad-Verpflegung, mehrere Defekte und Krämpfe auf der Laufstrecke – das Rennen in der Mainmetropole kann in diesem Jahr eigentlich nur besser laufen. Im Eifer des Gefechts ist man in solchen Situationen wütend. Kann man ein Jahr später innerlich lachend und kopfschüttelnd an den Stellen vorbei fahren und laufen, oder wird dich der Ärger vorwärts treiben?

Ich habe mich vorher ja schon darauf eingestellt, dass es hart wird – da ist es ‚grad egal in welcher Form. Ich glaube trotzdem, dass, falls ich ohne Defekt vom Rad steigen sollte, mir eher ein Stein vom Herzen fällt, als dass ich mich nochmal darüber ärgere. Wut ist selten ein Motivator für mich.

Einen entscheidenden Unterschied wird das Rennen 2015 sicherlich mit sich bringen: Im vergangenen Jahr wusstest du noch nicht genau, was auf dich zukommt. Mittlerweile hast du zwei Langdistanzen in den Beinen. Wie hat sich deine Einstellung vor dem Rennen im Vergleich zum Vorjahr verändert? Geht man mit anderen Ansprüchen in das Rennen?

Das ist so eine Sache mit den Ansprüchen. Wenn ich Anreise, will ich auch gewinnen. Das war im Inneren auch letztes Jahr schon so. Nun kann ich aber eher einschätzen, was dafür nötig ist und habe auch ein weiteres Jahr Langdistanztraining in den Beinen.

 

Ingo Kutsche, frei

Jan Frodeno im Ziel des Ironman Frankfurt 2014

 

Auf der Kurzdistanz bedeutet ein Problem in vielen Fällen das Aus im Rennen. Auf der Langdistanz ist in so einer Situation schnelles, richtiges Reagieren, Biss und mentale Stärke gefragt. Nach dem vergangenen Jahr dürfte man dir in diesen Disziplinen gleich mehrere Titel zusprechen. Was ist dein Tipp für Sportler wenn es einmal nicht 100 prozentig läuft?

Immer weiter, aufgeben ist nicht drin. Es gibt kein schlimmeres Gefühl, als abends im Hotel zu sitzen, und aufgegeben zu haben. Irgendwann gilt halt das Olympische Motto – dabei sein ist alles. Wobei man sich auch dann immer noch positiv überraschen kann.

Apropos Problemlösen: In deiner Saisonvorbereitung gab es mit Radsturz und Knieproblemen auch den ein oder anderen Stolperstein. In deinen Vorbereitungs-Wettkämpfen war davon zwar wenig zu bemerken, doch wie verliefen die finalen Wochen vor Frankfurt?

Naja, in einem 70.3 Rennen kann man schon so manches kaschieren und auch mal mit zwei Wochen Vollgastraining einiges herausholen. Was auf dem Papier ganz gut aussah, war wirklich eine kleine Tortour, mit der ich heute noch zu kämpfen habe. Allerdings kann ich seit kurzem auch wieder volle Intensität im Training gehen – wofür das reicht, sehen wir am Sonntag!

Vielen Dank für deine Zeit und ein erfolgreiches Rennen!

Zu Jan Frodenos Website

Fotos: Ingo Kutsche

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