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Ironman 70.3 Wiesbaden: Boris Stein – Mit „einfach Mal probiert“ zum Europameistertitel

9. August 2015 von Christine Waitz

Jörg Schüler,   frei„Ich denke nicht, dass ich um den Sieg zu mitkämpfen kann,“ meinte Boris Stein noch vor dem Ironman 70.3 Wiesbaden. Doch dann kam es anders. Statt „nur um die Hawaii-Quali“ kämpfte er plötzlich um den Titel. Und war erfolgreich. Im Damenrennen fanden sich Camilla Pedersen und Anja Beranek in der selben Rennsituation wie im Kraichgau wieder, mit ebendiesem Ausgang.


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Zur Fotostrecke des Rennens.

Ein frisches Lüftchen wehte am Raunheimer Waldsee, bei bedecktem Himmel. Die Hitzewelle schien extra für die Ironman European Championship eine kleine Pause zu machen. Um acht Uhr gingen die Profimänner, nur zwei Minuten später die Profidamen, in das Rennen um den Titel.

Dieckhoff macht den Selbsttest

Die rund 1.400 Altersklassenstarter wurden erstmals nicht im Massenstart in den Tag geschickt. Die Premiere des „Rolling Starts“ bot zwar nicht das spektakuläre Bild der losstürmenden Athleten, doch das weit auseinandergezogene Athletenfeld, das sich langsam in den Raunheimer Waldsee begab, bot dennoch einen schönen Anblick.

Dass sich das Konzept nicht nur von außen, sondern auch praktisch bewährt, davon überzeugte sich Thomas Dieckhoff, CEO Ironman Europe/Middle East gleich selbst als Staffelschwimmer. „Der Rolling Start ist sicherer und stressfreier“, meint er im Nachgang. „Ich hatte kaum Fremdkontakt während des Schwimmens und empfand das als sehr angenehm.“

Clavel kassiert Zeitstrafe

Eng ging es nach wie vor im Feld der Profis zu. Nach 24:20 Minuten erreichten Manuel Kueng, Frederic Belaubre, Maurice Clavel und Peter Robertson als Schnellsten die erste Wechselzone. Ihnen folgte über eine halbe Minute später eine große Gruppe mit zahlreichen Favoriten. Etwas hinterher hinkten zu diesem Zeitpunkt die Deutschen Andreas Dreitz (26:59) und  Boris Stein (27:19).

Doch das sollte nicht so bleiben.

„Kurzfristig zum Sieg“

„Ich bin für meine Verhältnisse gut geschwommen,“ staunte Stein im Nachhinein. „Und auf der Platte war ich dann plötzlich vorne,“ ging Steins Überraschungstag weiter. So fuhr er mit 2:15:51 die schnellste Radzeit des Tages, bei recht windigen Bedingungen. Die Konkurrenz, allen voran Andreas Raelert, „konnte an diesem Tag einfach nicht mithalten“. Maurice Clavel kassierte zudem auf dem dritten Platz liegend eine fünfminütige Zeitstrafe.

Fast fünf Minuten Vorsprung standen dann für den selbsternannten Überraschungsführenden beim zweiten Wechsel zu Buche. „Mit so einem Vorsprung habe ich dann schon geglaubt, dass das klappen muss. Mein langfristiges Ziel der Hawaii Quali habe ich dann eben auf ein kurzfristigeres gewechselt: Den EM Titel.“ schüttelte Stein bei der anschließenden Pressekonferenz den Kopf. Andreas Raelert machte sich zwar in der Verfolgung noch einmal daran, Stein Sekunden abzuknöpfen. „Boris war heute aber doch eine Klasse besser“, meinte der Rostocker, der noch bis auf zwei Minuten herankam.

Jörg Schüler, frei

Für Stein gab es so ein kurz- und langfristiges Happy End. Nach 4:03:08 gab es sowohl den EM Titel, als auch die Hawaii Quali zu feiern. Auch Andreas Raelert durfte sich über die Hawaii-Qualifikation freuen. „Insofern bin ich schon zufrieden. Da muss aber schon noch etwas gehen,“ ist er mit Hinblick auf Kona entschlossen.

Den dritten Platz holte sich mit einem strategisch geschickten Rennen Ruedi Wild. „Die ersten zwei Laufrunden bin ich etwas lockerer angegangen, sodass ich die letzten noch einmal zulegen konnte. Diese Strategie hat mir mein Podium gesichert“.

Déja vue im Damenrennen

Kennen Sie den Rennbericht aus Kraichgau? Wenn ja, brauchen sie nun nur einen Titel vor dem Namen der Siegerin ergänzen. Für alle anderen: Erneut fanden sich Camilla Pedersen und Anja Beranek auf der Radstrecke zum Duell zusammen. „Ich habe gehofft, dass sie endlich locker lässt. Gleichzeitig genieße ich es aber auch von Anja gefordert zu werden,“ meint Camilla Pedersen nach dem Rennen.

Ironman Europa Meisterschaften der Mitteldistanz, Ironman 70.3 Wiesbaden, Triathlon, 09.08.2015Beranek versuchte es mit einer anderen Strategie als vor einigen Monaten. „Ich bin die ersten zehn Kilometer voll angelaufen, habe alles riskiert.“ Dann jedoch, erwischte sie dennoch der Mann mit dem Hammer. Vier Minuten verlor sie so auf die Dänin bis ins Ziel. „Der Rennverlauf war dennoch sehr gut“, freute sich die deutsche Vize-Europameisterin.

Den verbleibenden Podiumsplatz sicherte sich eine überraschte Alexandra Tondeur: „Ich habe ein schweres Jahr hinter mir“, setzt sie bei der Pressekonferenz an. „Ich arbeite Teilzeit und das erschwert den Sport schon sehr.“ Umso mehr überraschte sie sich über den dritten Platz.

Am meisten jedoch freute sich Europameisterin Camilla Pedersen nach 4:36:04 Stunden.

Ergebnisse Herren

  1. Boris Stein, 4:03:08
  2. Andreas Raelert, 4:05:03
  3. Ruedi Wild, 4:06:53
  4. Antony Costes, 4:07:30
  5. Kevin Collington, 4:09:50

Ergebnisse Damen

  1. Camilla Pedersen, 4:36:04
  2. Anja Beranek, 4:40:29
  3. Alexandra Tondeur, 4:43:14
  4. Natascha Schmitt, 4:44:53
  5. Michelle Vesterby, 4:49:53

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Zu den Ergebnissen.

Fotos: Jörg Schüler – www.sport-pressefoto-schueler.de

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