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Interview Mit Ulrich Konschak: Gesund durch den Sommer

29. Juni 2014 von Christine Waitz

Foto: Ingo Kutsche,   einmaligNur noch knappe acht Wochen bis zum ICAN Nordhausen. Ulrich Konschak ist selbst aktiver Triathlet. Weiß als Sportler, Arzt, Rennorganisator und Familienvater aber auch, wie schnell der Traum vom perfekten Rennen durch Krankheit platzen kann. Deshalb haben wir ihn gefragt: Wie schafft man es gesund durch die Saison?


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Der ICAN Nordhausen wirft seine Schatten voraus: Die Auftaktdisziplin findet in einem der klarsten Kiesgewässer Deutschlands statt. Anschließend geht es auf eine abwechslungsreiche und bergige Radstrecke durch die südliche Vorharzlandschaft. Rund 800 Höhenmeter sind hier zu bezwingen. Die zweite Wechselzone befindet sich in Nordhausens Innenstadt, der Laufkurs führt über vier Runden durch die Nordhäuser Altstadt und das Gehege, einen großen innerstädtischen Park. Am Ende jeder Runde laufen die Athleten über den Theaterplatz im Herzen der Stadt, auf dem sich die Finishline befindet und der sich bereits in diesem Jahr als wahres Stimmungsnest erwies. Jetzt heißt es nur noch: Gesund durch die Saison kommen und topfit am Start stehen. Doch wie geht’s?

Foto: ICAN, frei

Hallo Ulrich. Als Sportler, Arzt und Renn-Organisator weißt du ja bestimmt am besten, wie schwierig es ist, ohne Krankheit und Verletzung durch die Saison bis an die Startlinie zu kommen. Was sind die häufigsten Fehler, die du siehst?

Wichtig ist meiner Meinung nach vor allem Kontinuität im Training. So hat der Sportler eine gewisse Basis, auf die er das ganze Jahr über bauen kann, und somit auch Stress sowohl für das Immunsystem als auch den Muskel-Skelett-Apparat reduzieren kann. Problematisch sind schnelle Steigerungen sowohl im Trainingsumfang als auch in der Intensität.
Des Weiteren ist es wichtig, auf ausreichend Erholung und Schlaf, sowie eine vernünftige Ernährung zu achten, was die meisten Ausdauersportler aber sowieso tun. Triathleten trainieren in der Regel viel und kennen nach einigen Jahren ihren Körper  sehr gut – besser als der Schnitt der Bevölkerung. Diese Kompetenz bezüglich des  eigenen Körpergefühls sollte auch bei Schmerzen, Beschwerden oder Unwohlsein zum Tragen kommen, um rechtzeitig das Training zu reduzieren und gegebenenfalls zu pausieren. So verhindert man letztlich größere Probleme und auch längere Ausfälle.

Hat der Sport einen Einfluss auf das Immunsystem?

Grundsätzlich ist Sport gut für das Immunsystem und hat positive Einflüsse in puncto Infektabwehr und –prophylaxe. Allerdings ist auch der Sport selbst Auslöser von Abwehrreaktionen des Körpers und sorgt für eine Immunreaktion.

Folgende zwei Dinge sollte man als Ausdauersportler bedenken: Unmittelbar im Anschluss an eine sportliche Belastung ist der Körper besonders anfällig für Infekte, da das Immunsystem dann noch mit der Produktion neuer Abwehrzellen beschäftigt ist. Dieser Prozess benötigt Kohlenhydrate und Eiweiße. Für den Athleten bedeutet das: direkt im Anschluß an das Training sollte die Nahrungsaufnahme innerhalb der ersten 30 Minuten erfolgen, das hilft, akute Infekte zu verhindern.
Außerdem sind abrupte Umfangs- und Intensitätssteigerungen ebenfalls mit vermehrtem Stress für das Immunsystem verbunden. Insofern ist es besonders in Trainingslagern oder in der unmittelbaren Vorbereitung auf eine Langdistanz wichtig, auf die Ernährung und ausreichend Schlaf zu achten.

Sportler, insbesondere Triathleten, verfolgen ihr Ziel häufig ehrgeizig. Die Nase läuft? Macht nichts! Oder vielleicht doch? Wann sollte man das Training besser gegen Ruhe tauschen?

Foto: Schwesinger, freiAuch hier sollte wieder das Körpergefühl zum Einsatz kommen: geht das Training schlecht und fühle ich mich nicht gut, dann ist das ein sicheres Zeichen, dass hier eine Pause angesagt ist. Es gibt ja mit den Herzfrequenzmessgeräten auch tolle Technik, die einem signalisiert, dass da was nicht stimmt, wenn der Puls plötzlich 15 Schläge höher ist als sonst. Auch, um gerade solche Situationen erkennen zu können, plädiere ich dafür, generell mit Herzfrequenzmessung zu trainieren. Auf jeden Fall gilt: Fieber ist ein absoluter Grund, nicht zu trainieren.

Wenn man sich trotz leichter Infektzeichen sich für das Training entscheidet und oben genannte Kriterien nicht zutreffen, sollte man auf alle Fälle von intensivem Training absehen und nur im GA-Bereich trainieren.

Bedenken sollte man, dass bei Training trotz Infekts, einerseits zum Glück seltene, aber schwere Komplikationen (Herzmuskelentzündung) auftreten können und natürlich auch die Erkrankungsdauer verlängert wird.

Wie kommt man denn nun am besten gesund durch den Sommer? Deine drei Tipps!

1. Trotz Wettkampfphase im Sommer immer wieder auch lange GA-Einheiten einschieben, um die Basis zu erhalten.
2. Die langen Tage für Abendläufe in der Natur nutzen, das ist entspannend und gut für die Psyche.
3. An heißen Wochenenden schon zeitig um sechs Uhr losfahren. Somit entgeht man der großen Tageshitze und ist zum Mittagessen wieder bei der Familie. Und ein intaktes Familienleben schützt am besten vor Krankheit !

Zur Website des ICAN Nordhausen.

Fotos: Ingo Kutsche, ICAN/Schwesinger

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