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Interview mit Sonja Tajsich – „Sportler müssen Rückschläge überwinden“

26. Juni 2012 von Nora Reim

Foto: Alexander Schmied freiSonja Tajsich war am vergangenen Sonntag zu Gast in München. Die Profi-Triathletin aus Regensburg zeigte sich wie gewohnt von ihrer schnellsten Seite: Beim Stadtlauf München gewann Tajsich den Halbmarathon. Was die 36-jährige Mutter in diesem Jahr sonst noch alles vorhat, hat sie triathlon.de erzählt.


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Sonja, du hast dich kurzerhand für die Halbmarathon-Strecke in München entschieden. Wie kam es dazu?

Ich war beim Münchner Stadtlauf für mein Team Erdinger Alkoholfrei am Start. Dass ich laufe, war schon länger geplant, nur welche Distanz wollten mein Trainer Ralf Ebli und ich nach Kraichgau entscheiden. Der Termin passte gut in meine Wettkampfvorbereitung für Roth. Genau zwei Wochen zuvor noch ein flottes Tempotraining war gut, und der Reiseaufwand hielt sich in Grenzen. Ich hab‘ den Lauf voll aus dem Training bestritten, bin am Tag davor 170 Kilometer Rad gefahren und zwölf Kilometer gelaufen.

Als Triathletin bist du es gewohnt, allein auf der Strecke unterwegs zu sein. Wie ist es dir beim Hitzerennen mit 19 000 anderen Läufern ergangen?

Foto: Alexander Schmied frei

Sonja Tajsich hat nach 01:22:22 Stunden noch Stehvermögen

Zum Glück waren nicht all 19 000 für den Halbmarathon angemeldet und standen in meinem Startblock – sonst wäre es eng geworden! (Lacht) Ich bin ein Hitzetyp, deshalb waren mir die hohen Temperaturen nicht zu warm. In Absprache mit meinem Trainer Ralf Ebli bin ich den Halbmarathon in einem Vierer-Schnitt gelaufen. Bei Kilometer elf habe ich dann das Tempo angezogen und meine Verfolgerin abgeschüttelt. Von da an war ich quasi allein auf der Strecke. Auf dem Marienplatz stand dann eine Zeit von 01:22:22 Stunden.

„2012 soll das beste Jahr in deiner Profi-Karriere werden“, hast du vor der Saison verkündet.  Nun hat es beim Ironman 70.3 Sankt Pölten nur für den vierten Platz, beim Challenge Kraichgau für den fünften Platz bei den Damen gereicht. Wie sehr hängt dir der mäßige Saisonstart noch nach?

Kurz vor dem Start in Sankt Pölten habe ich mir einen Virus eingefangen – wahrscheinlich hat mich meine kleine Tochter Lisa angesteckt. Trotzdem bin ich auf der Mitteldistanz gestartet, damit ich die Punkte für Hawaii sicher habe. Ich wollte einfach keine Punktlandung! In Sankt Pölten habe ich gelitten und war am Ende natürlich enttäuscht. Anschließend wurde ich dann richtig krank, ich bin eine Woche mit Antibiotika freiwillig im Bett gelegen. Nach drei Wochen Pause war ich suboptimal vorbereitet für Kraichgau. Aber als Sportler musst du es schaffen, diese Rückschläge zu überwinden.

Blick nach vorne: Welches sind deine nächsten Wettkämpfe und welche Ziele verfolgst du damit?

Foto: Alexander Schmied frei

Sonja Tajsich schaut nach vorne

Roth ist mein nächster Wettkampf. Die Europameisterschaft zu gewinnen, wäre mein Traum – aber ich bin Realist. Die Konkurrenz ist hart, besonders Rachel Joyce und Julia Gajer haben eine brutale Entwicklung gemacht. Rachel hat sicherlich das Ziel, in diesem Jahr Weltmeisterin zu werden. Aber auch ich will in Kona den Sprung aufs Podium schaffen.

Mit deinem Start beim Challenge Roth am 08. Juli 2012 kehrst du dorthin zurück, wo vor zehn Jahren deine Karriere auf der Langdistanz begonnen hat. Welche Erinnerungen verbindest du mit der Strecke?

2002 habe ich in Roth meine allererste Langdistanz gewagt, in dem Jahr war es erstmals eine Challenge-Austragung. Der Zieleinlauf war so emotional für mich, dass ich wusste: „Das will ich wieder haben!“ Obendrein habe ich mit dem achten Platz den Sprung in die Top Ten geschafft und war mächtig stolz. Seitdem wollte ich wieder nach Roth kommen, aber irgendetwas kam immer dazwischen. Heuer klappt es endlich wieder, und dass auch noch die EM ausgetragen wird, ist richtig toll! Ich bin sehr gespannt, wie sich mein Leistungsvermögen in den letzten zehn Jahren verbessert hat. Ich bin mir sicher, dass ich ein Gänsehaut-Feeling pur erwarten darf: Beim Schwimmstart, in den Stimmungsnestern auf der Rad- und Laufstrecke und natürlich beim Zieleinlauf!

Auf YouTube gibt es ein Video von deinem Heimsieg beim Ironman Regensburg 2010. Der Musiktitel lautet „You are never alone“. Wer gibt dir Rückhalt, wenn es im Training mal nicht so gut läuft?

Den Rückhalt gibt mir ganz klar meine Familie! Tom weiß immer die richtigen Antworten und Lisa bringt die nötige Abwechslung. Ich muss gestehen, dass es selten nicht so gut läuft im Training. Mir macht es fast immer Spaß, und ich habe auch tolle Trainingspartner.

Zusammen mit deinem Mann Tom hast du vor kurzem den Purendure-Konzeptstore in deiner Heimatstadt Regensburg eröffnet. Was erwartet die Kunden dort?

Es ging uns darum, einen Konzeptstore mit einem hochwertigen Wohlfühl-Ambiente zu schaffen. Wohl fühlen soll sich dort der aktive Mensch. Der „aktive Mensch“ definiert sich bei uns über die Person, der ihre Gesundheit am Herzen liegt und die sich deswegen bewegen will. Das kann der Wanderer, der Walker oder auch der Freizeitläufer sein. Wichtig war uns dabei, einen Ort für Menschen zu schaffen, an dem sie nicht nur Bekleidung, sondern auch Ratschläge, Kurse für ihr Training, ihre Ernährung und das entsprechende Equipment finden. Im oberen Stock gibt es außerdem eine Relax- und Recovery-Lounge, in der man Recovery Boots nutzen kann. Die Boots sind so toll, dass ich jeden Abend selbst darin sitze!

Vielen Dank für das Gespräch. triathlon.de wünscht viel Erfolg für die bevorstehenden Wettkämpfe.

Mehr Informationen zu Sonja Tajsich findet ihr hier.

Fotos: Alexander Schmied – sportundform.de

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