Du bist hier: Triathlon Portal - triathlon.de > Wettkampf > Interview1 > Interview mit Sonja Tajsich: „Jetzt die Schwachstellen angreifen“

Interview mit Sonja Tajsich: „Jetzt die Schwachstellen angreifen“

28. September 2015 von Christine Waitz

Ingo Kutsche,   freiFür Sonja Tajsich kam die „Off-Season“ in diesem Jahr plötzlich und einige Wochen zu früh. Von einer freiwilligen Sport-Auszeit kann noch dazu gar nicht die Rede sein. Ein Ermüdungsbruch im Mittelfuß ließ ihren Traum von Hawaii platzen. Wir haben uns mit ihr unterhalten. Über das Füße-Still-Halten, die Off-Season und Techniktraining im Herbst.


Triathlon Anzeigen

Noch beim Ironman Kopenhagen vor wenigen Wochen kämpfte sich die Regensburgerin auf das Podium. Das bedeutete endlich die sichere Hawaii-Quali. Denn mit zuvor 5360 Punkten durch einen vierten Platz in Frankfurt, einen zehnten Platz in Südafrika im Frühjahr, einen zweiten Platz beim Ironman 70.3 Switzerland und einen sechsten Platz in St. Pölten, hätte Tajsich auf einen der „Rolldown-Slots“ hoffen müssen. Schlussendlich hätte es auch ohne die Dänische Langdistanz für das Kona Ticket gereicht.

Doppelt ärgerlich. Denn als Sonja Tajsich in Kopenhagen auf die Marathonstrecke ging, lag sie in bester Position, hätte mit einem guten Lauf in ihrer Paradedisziplin Chancen auf den Sieg gehabt. Mit einem unangenehmen Drücken am Schuh begannen nach dem Halbmarathon die Probleme und wuchsen. Im Ziel stand immer noch ein 3:13:23 Marathon zu Buche, inzwischen konnte die 39-Jährige jedoch kaum noch auftreten. Der böse Verdacht bestätigte sich durch ärztliche Diagnose zu Hause: Ermüdungsbruch im Mittelfuß.
Ingo Kutsche, frei

„Füße still halten ist echt schwer“

Seither ist Sonja Tajsich unfreiwillig in der Off-Season. Das hindert sie jedoch nicht daran, schon wieder Pläne zu schmieden. Die ersten Seminare sind terminiert und schon im November geht es nach Lanzarote ins hauseigene Trainingslager. Dort widmet sie sich zwar mehr der Technik und Form anderer – zum Wiedereinstieg in das sportliche Geschehen, dürfte das jedoch ideal sein. Wir haben uns mit ihr unterhalten.

Hallo Sonja! Knapp vier Wochen bist du nun schon unfreiwillig in der „Off-Season“. Auch wenn der Anlass ja alles andere als angenehm ist, kann man diese sportliche Auszeit dann auch einmal genießen?

Ich bin ja überzeugt von der Tatsache, dass nichts Schlechtes nicht auch etwas Gutes hat. Natürlich war ich enttäuscht, und mit Krücken und Vorfuß-Entlastungsschuh kann man Auszeiten auch nicht so gestalten, wie man es würde, wenn man freiwillig in die Saisonpause geht. Wir haben aber spontan einen Familienurlaub in den letzten beiden Ferienwochen geplant und das war wirklich wunderschön.

Für dich war Saisonpause in diesem Jahr wörtlich zu nehmen. Kein Sport. Legst du dich normalerweise nach der Saison auch für einige Wochen auf die faule Haut, oder geht es ohne Bewegung einfach nicht?

Dass ich mal gar nichts mache, ist für mich wirklich äußerst ungewöhnlich. Normalerweise gibt es auch in der Pause fünf bis zehn Stunden Bewegung. Das kann auch mal was anderes sein als schwimmen, Rad fahren oder laufen.  Aber überhaupt gar nichts war schon neu für mich….

Das steht dir nun bevor wie allen anderen Sportlern auch: Das Wiederreinkommen in ein strukturiertes und sinnvolles Training. Wie klappt’s am besten?

Mit viel Geduld… sehr schwierig (lacht).

Im November geht es für dich und einige deiner Athleten bereits nach Lanzarote ins Trainingslager – ein ungewöhnlicher Termin, oder?

Im November soll es auf Lanzarote herrlich sein: viel Sonne, wenig Wind. Wir planen kein Trainingslager im herkömmlichen Sinne, mit unendlichen Trainingskilometern, sondern ein technikbasiertes Camp mit Videoanalysen im Schwimmen und Laufen, Radtechnik-Training, Laufschulung und technikbasierten Schwimmeinheiten. Das ganze abgerundet mit der entsprechenden Theorie und Athletiktraining. Und natürlich auch Grundlageneinheiten fürs Gemüt…

Im nächsten Jahr kehrt Langdistanz-Triathlon mit dem Challenge Regensburg in deine Heimatstadt zurück. Ist man da doppelt motiviert wieder fit zu werden, oder nach so einer Verletzung eher doppelt vorsichtig?

Ich versuche mir genügend Zeit zu lassen, um kein Risiko einzugehen, bin aber eher doppelt motiviert! Ich glaube, dass das richtig super wird, wieder in Regensburg an der Startlinie zu stehen.

Zum Trainingslager von Sonja Tajsich.

Fotos: Ingo Kutsche

Triathlon.de Anzeigen
 
Zum Triathlon.de Newsletter anmelden