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Interview mit Sonja Tajsich: „Bei einer Kurzdistanz erwarte ich einen schönen Wettkampf und einen Riesenspaß!“

12. April 2013 von Christine Waitz

Ingo KutscheEin kleiner Sturz im Lauftraining brachte ihre Vorbereitung ins Wanken. Trotzdem lässt sich Sonja Tajsich weder in ihrem Saisonplan noch in ihrem Enthusiasmus bremsen. Ihre Zelte hat sie für die kommenden Wochen in Boulder aufgeschlagen, den Ironman 70.3 Texas nahm sie als Testrennen mit. Wir haben uns mit der Regensburgerin unterhalten.


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Hallo Sonja, seit wenigen Tagen bist du in Boulder zum Höhentrainingslager. Für knapp sechs Wochen wirst du mit deiner Familie dort die Zelte aufschlagen. Wie groß ist der Kraftakt, den so ein kleiner Umzug erfordert? Konntest du dich schon etwas akklimatisieren?

Nach Hawaii stand unsere Entscheidung fest, erstmals in meiner Karriere Höhentraining zu versuchen. Und da sich nahezu die komplette Weltelite hier befindet, dachten wir uns, das sei der geeignete Ort. Vor dem Ironman Cozumel waren wir drei Tage hier, um uns umzusehen. Schnell waren wir uns einig, dass wir den Schritt im April und Mai gehen möchten. In diesen drei Tagen im November konnten wir wichtige Kontakte knüpfen. Einer dieser Kontakte ist beispielsweise unser Vermieter. Wir sind hier in einer 3-Zimmer-Wohnung untergebracht und werden gut betreut. Außerdem haben wir uns bereits im November das Flatiron-Fitnessstudio angesehen, wo wir jetzt Mitglied sind. Nachdem Unterkunft und Flüge gebucht waren, war eigentlich alles ganz einfach. Wir haben nicht besonders viel mitgenommen, ich wasche einfach ein bisschen öfter unsere Kleidung. Lisa ist ja noch im Kindergarten, es war kein Problem, sie für den entsprechenden Zeitraum freizustellen. Sie war sehr aufgeregt und hat sich auf die Reise gefreut. Das einzig etwas komplizierte war unser sofortiger Trip nach Texas zum Ironman 70.3. Ich war froh als wir dann endlich tatsächlich in Boulder angekommen sind und unsere Behausung bezogen haben. Die Höhe macht mir noch nicht zu schaffen, aber ich habe auch bis dato nur regenerativ trainiert.

triathlon.deDer erste Formtest wurde kurzerhand zum Materialtest und zur Trainingseinheit umfunktioniert. Beim Ironman 70.3 Texas musstest du einem Sturz im Lauftraining Tribut zollen. Wie schwer fällt es ein Rennen nur auf Halbgas zu machen?

Wir hatten lange überlegt, ob ich überhaupt starten soll. Verletzt einen Wettkampf zu bestreiten ist eine echte Gratwanderung. Aber wir konnten unsere Flüge nicht stornieren und mussten die Reise antreten. Dort zu sein und zuzuschauen ist auch doof, also haben wir beschlossen, das Ganze als gute Trainingseinheit zu betrachten. Ich wusste, dass es schwer wird, vernünftig zu sein. Das Schwimmen verlief ganz gut und die ersten Kilometer auf dem Rad besser als erwartet. Knapp 60 Kilometer konnte ich Gas geben und hatte nur wenig Schmerzen. Ich holte gut auf und beim Wendepunkt sah ich, dass ich mich weit nach vorne gearbeitet hatte. Alle waren zu Greifen nah. Dann kamen die Schmerzen und ich musste „loslassen“, Gas rausnehmen und alle wieder ziehen lassen. Und mich überholen lassen von ein paar Frauen, die ich gerade überholt hatte. Erst wollte ich das nicht so wahr haben und habe noch zwei Versuche gestartet, aber die Schmerzen haben mich zur Vernunft gezwungen. Ich wollte unbedingt finishen, also bin ich gut 20 Kilometer im Stehen in die Wechselzone geradelt. Ab da war ich wieder recht weit zurück und mein Fokus einzig auf Finishen. Ich wählte ein relativ humanes Wohlfühl-Lauftempo und freute mich, dass ich die 21 Kilometer in einem Schnitt von 4:10 – 4:20 Min /km gut durchlaufen konnte. Die Platzierung war dann egal, ich freute mich über das schöne Wetter und dass ich die Distanz gut schaffe. Und über die wirklich gute Trainingseinheit und den großen Schritt, den ich getan hatte, vernünftig zu sein, um schmerzfrei das Ziel zu erreichen.

Zeit um Luft zu holen bleibt im Profisport selten. Deine Reise führt dich am 24. Mai von Boulder direkt nach St. Pölten, ein kleiner Radmarathon zur Auflockerung und zwei olympische Distanzen bevor es bei der Challenge Roth ernst wird. Wie erholt man sich bei so einem Renn- und Reisepensum? Gibt es etwa einen Spezialtipp?

Wie ich mich in St. Pölten schlage, da bin ich auch gespannt. Zuerst einmal muss ich meine Verletzung los werden. Dann muss ich mit dem Jetlag gut umgehen können, ich glaube das wird ein hartes Stück. Die Reise und gleich im Anschluss ein harter Wettkampf. Aber ich wollte das unbedingt einmal ausprobieren. Der Radmarathon wird großen Spaß machen und auf die beiden olympischen Distanzen freue ich mich auch. Das sind beides sehr schöne Veranstaltungen. Wichtig ist, dass ich mich sonst von sämtlichen Verpflichtungen in dem Zeitraum frei halte, sonst kann es schnell zu viel werden.

Beim Triathlon Ingolstadt startest du am 16. Juni über die olympische Distanz. Wie schwer ist es aus dem Langdistanz-Diesel-Modus in den Turbo-Gang zu wechseln? Was erwartest du dir von dem Rennen?

Mein Trainer Ralf Ebli empfiehlt, immer mal wieder eine olympische Distanz einzustreuen, um den Körper „durchzublasen“. Danach ist man noch leistungsfähiger. Die kurzen Distanzen sind im „Über“-Tempo, dafür aber nicht so lange. Und das macht mir echt Riesenspaß. Und das ist auch das Einzige, was ich mir wirklich erwarte: Ein schöner Wettkampf und Riesenspaß!!

Foto: Ingo Kutsche, triathlon.de

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