Du bist hier: Triathlon Portal - triathlon.de > Material > Radfahren1 > Interview mit Roy Hinnen: „Für mich ist Aerodynamik wie optimale Ernährung“

Interview mit Roy Hinnen: „Für mich ist Aerodynamik wie optimale Ernährung“

17. Mai 2016 von Christine Waitz

Christine Waitz,   freiAerodynamik wird im Triathlon groß geschrieben. Wie viel Zeit die kleinen Details in Sachen Luftwiderstand und Verwirbelungen tatsächlich ausmachen, das wollten Roy Hinnen und das Team von Staps auf der Radrennbahn in Augsburg testen. Vor dem Test jedoch, haben wir uns mit Roy Hinnen unterhalten. Schließlich war er unter den Ersten, die sich mit dem Konzept der Aerodynamik auf dem Rad befasst haben.


Triathlon Anzeigen

Hallo Roy! Du warst einer der ersten Sportler, die sich mit Aerodynamik auf dem Rad beschäftigt haben. Aus Amerika brachtest du beispielsweise den Aerolenker mit nach Europa. Wann kamst du das erste Mal mit diesem Thema in Kontakt?

Das war 1987 in Kalifornien. Dave Scott drückte mir damals diesen Lenker in die Hand und sagte: „Ich hab da was von Scott bekommen, probier das doch mal aus!“ Das war so ein gebogenes Teil und ich habe ersteinmal ganz schön geschaut. Ich habe den Lenker dann auf das Rad montiert und bin das erste Mal in Aeroposition rumgefahren. Das war ein echtes Aha-Erlebnis, weil du einfach gefühlt hast, du sitzt ganz anders, kommst ganz anders „durch die Luft durch“. Das hat sich dann natürlich noch gesteigert. Man hat versucht dieses Gefühl noch besser zu machen, hat experimentiert: Wie fahre ich? Wie sitze ich? Und als Greg Lemond dann bei der Tour de France 1989 so ein Teil fuhr, hat das eingeschlagen wie eine Bombe.

Für mich ist Aerodynamik wie optimale Ernährung. Das sind Fakten, die man erarbeiten kann. Wenn man die Fakten kennt, kann man träumen. Kennt man sie nicht, sind es nur Hingespinste.

Christine Waitz, frei

Der erste Schritt zur Aerodynamik war also der Aerolenker. Wie ging es von da aus weiter?

Dann kamen die Helme, die Schuhe, unterschiedliche Oberflächenmaterialien. Dann hat man natürlich auch an den Sitzpositionen experimentiert. Wir haben getestet mit unterschiedlichen Reifengrößen, unterschiedlichen Schaltungen, verschiedenen Kurbellängen. Wir haben einfach so viel ausprobiert. Am Ende ging es immer nur darum, schneller ins Ziel zu kommen.

Welche Faktoren findest du nach all diesen Experimenten die Wichtigsten in Sachen Aerodynamik und was würdest du einem Altersklassenathleten mit auf die Strecke geben, um dran zu arbeiten?

Das wichtigste ist sicherlich die Körperposition in Bezug zu seiner Gestalt und der Distanz. Ich übe für 20 Kilometer Zeitfahren. Da sitzt man natürlich ganz anders auf dem Rad, als über 180 Kilometer. Für mein Gefühl geht die Tendenz aktuell zu zu extremen Körperhaltungen, vor allem für die langen Strecken. Hintenraus können dann die Athleten die Performance nicht mehr halten. Der Faktor Komfort zu Aerodynamik ist da oft nicht mehr ideal. Das muss stimmen. Zu extreme Positionen wirken sich dann auf den Lauf zu stark aus. Dort das Gleichgewicht zu finden, ist viel Arbeit.

Christine Waitz, frei

Das erfordert dann also ein Gefühl für Aerodynamik. Kann man das schulen? Worauf muss man dabei achten?

Man kann sich dazu beispielsweise auch auf sein Gehör verlassen. Wenn ich fahre, höre ich, wie sich der Wind anhört. Diese Verwirbelungen kann man gerade in Kopfnähe gut wahrnehmen. Man kann auch auf  die Atmung achten: Wie gut kann ich atmen? Gibt mir die Oberkörper- und Schulterposition genug Raum zu atmen? Das muss alles stimmen. Wenn man diese Position gefunden hat, in der das alles passt, macht es einfach nur noch unglaublich viel Spaß!

Zur Website von Roy Hinnen.

Fotos: triathlon.de

Triathlon.de Anzeigen
 
Zum Triathlon.de Newsletter anmelden