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Interview mit Jungprofi Natascha Schmitt: „Ich möchte an meine Leistungsgrenze gehen und schauen, was passiert“

1. Juni 2013 von Christine Grammer

Fotos: Sebastian Kuhn,   einmaligBereits im vergangenen Jahr konnte die Frankfurter Triathletin Natascha Schmitt mit einem sehr guten dritten Platz beim 70.3 Rennen auf Mallorca auf sich aufmerksam machen. Dieses Jahr war Sie mit Rang fünf beste Deutsche im hochkarätigen Starterfeld. Im Hinblick auf ihren ersten Start beim Ironman Frankfurt haben wir mit ihr ein Interview geführt.


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Am letzten Wochenende fand die Deutsche Meisterschaft im Langduathlon in Falkenstein statt. Ursprünglich hattest Du geplant dort an den Start zu gehen. Warum hast Du bzw. dein Trainer entschieden dieses Rennen nicht zu bestreiten?

Ich wäre gerne beim Powerman in Falkenstein gestartet. Doch nach meinem dritten Trainingslager in Mallorca haben mein Trainer und ich entschieden, dass wir nach dem Ironman 70.3 Mallorca und dem Radmarathon in Bimbach (204 km, 3500 HM) am letzten Wochenende lieber nochmals einen Trainingsblock einlegen.

Nach Abschluss deines Studiums in Sportwissenschaften hast Du alles auf die Karte Sport gesetzt. Gerade als Profitriathletin auf der Langdistanz ist es sicherlich nicht leicht genug Sponsoren zu finden und davon seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Wie hast Du das für Dich strukturiert und wie sehr kannst Du Vollprofi sein?

Seit Beginn dieses Jahres stehe ich auf eigenen Beinen und finanziere mich selbst. In den letzten Jahren haben mich meine Eltern finanziell unterstützt und mir mein Studium und meinen Sport ermöglicht. Dafür bin ich ihnen sehr dankbar.

Fotos: Sebastian Kuhn, einmaligNun arbeite ich als Personaltrainerin und übernehme für einige Triathleten und Leichtathleten die Trainingsplanung und Steuerung. Dazu bin ich Trainerin im Verein bei Eintracht Frankfurt und betreue dort Nachwuchsleichtathleten  und -triathleten, sowie das Lauftraining der Erwachsenen. Für diese Saison ist das in Ordnung, da ich das aktuell neben meinem intensiven Training mit einem guten Zeitmanagement bewältigen kann.

Doch mittlerweile bedeutet Vollprofi zu sein mehr als nur möglichst viel zu trainieren und Wettkämpfe zu bestreiten. Die anderen Mädels haben in den letzten vier bis fünf Jahren die Messlatte sehr hoch geschraubt, sodass es notwendig ist im Training nicht auf eigene Faust zu experimentieren, sondern strukturiert und ergebnisorientiert in die Saisonplanung zu gehen. Aus diesem Grund bin ich froh, dass Sascha Krücke diese Arbeit für mich übernimmt und ich mir so nicht zu viele Gedanken über mein eigenes Training mache, sondern vielmehr um das meiner Athleten. Sascha macht einen guten Job, mit dem ich sehr zufrieden bin. Die Zusammenarbeit mit ihm gibt mir viel Sicherheit und macht mir den Kopf frei für den Trainingsalltag.

Mit einem Manager/Medienberater werde ich in den nächsten Monaten meine Öffentlichkeitsarbeit optimieren. Mein Ziel ist es mit mehr Partnern zusammen zu arbeiten, die mich neben Produkten auch finanziell unterstützen. Hierfür werde ich sicher den einen oder anderen PR Termin bei den Sponsoren einplanen, worauf ich mich schon jetzt freue. Momentan habe ich schon einige Partner die mich unterstützen und dafür bin ich sehr dankbar. Diese Partnerschaften will ich auf jeden Fall weiterführen und ausbauen. Dann kann ich mich sicher noch mehr auf mein Training konzentrieren und das ist im Triathlon ein echter Vorteil. Das Geld, welches ich im Sommer durch gute Platzierungen verdiene, spare ich für die nächsten Trainingslager und Wettkampfreisen.

Beim Ironman 70.3 in Mallorca warst Du beste Deutsche auf Platz fünf Im Vergleich zum Vorjahr hast Du Dich um dreizehn Minuten gesteigert. Wie zufrieden warst Du mit deinem Rennen und in welchen Bereichen siehst Du noch Verbesserungspotenzial?

Mit meinem Rennen auf Mallorca war ich sehr zufrieden. Das Rennen war von Anfang an auf einem anderen Niveau als im vergangenen Jahr. Das Tempo war sehr hoch, da die Konkurrenz sehr viel größer und stärker war, umso mehr freue ich mich, dass ich meine Leistung abrufen und mir den fünften Platz sichern konnte.

Seit Oktober arbeite ich mit meinem Trainer zusammen. Vorher habe ich mein Training selbst geplant und gesteuert und oft das Problem gehabt zu viel über das Training nachzudenken und den Kopf nicht frei zu haben. Das hat sich seit der Zusammenarbeit mit Sascha geändert.

Fotos: Sebastian Kuhn, einmaligWir haben in jeder Disziplin das Training intensiviert. Dass sich die „Plackerei“ der letzten Monate gelohnt hat, habe ich an der deutlich schnelleren Zeit im Vergleich zum Vorjahr gesehen und trotzdem gemerkt, dass ich in allen Bereichen noch mehr aus mir herausholen kann. Ich habe mich während des ganzen Rennens gut gefühlt und kein zu großes Tempo angeschlagen, da ich dachte, dass ich das nicht durchalte. Das ist ein beruhigendes Gefühl für die kommenden Rennen, dort möchte ich mehr an meine Leistungsgrenze gehen und schauen, was passiert. Da ich aber erst seit 2009 Triathlon betreibe und in den letzten Jahren vorwiegend auf den kürzeren Distanzen unterwegs war, ist in allen Bereichen noch Entwicklungspotential. Die größten Chancen sehe ich bei der Optimierung der Erholungszeiten, der mentalen Stärke und der Leistungsfähigkeit auf dem Rad.

Im Nachfeld zum 70.3 Rennen auf Mallorca wurde viel über die Teilnahme von zwei ehemals gesperrten Athleten gesprochen. Wie siehst Du die Entwicklung das Personen, die bereits eine Dopingstrafe verbüßt haben, in den aktiven Profisport zurückkehren?

Ich bin froh, dass ich nicht entscheiden muss, ob diese Personen wieder in den Profisport zurückkehren dürfen oder nicht, da ich einem Dopingvergehen zwiespältig gegenüber stehe. Einerseits hat diese Person viele andere Athleten betrogen und sie um ihren Erfolg gebracht, der im Nachhinein nicht wieder rechtmäßig hergestellt werden kann. Ich bin ganz klar gegen Betrug worunter eindeutig die Einnahme von Dopingmitteln fällt. Aus soziologischer Sicht, sollte man sich fragen, warum die betroffene Person zu solchen Mitteln greift. In vielen Fällen wird der Erwartungsdruck immer größer, sodass der Athlet keinen anderen Ausweg mehr sieht. Die betroffene Person ist auch nur ein Mensch, der Fehler macht. Jedoch muss man in einem weiteren Schritt unterscheiden, ob ein systematisches und beabsichtigtes Dopingvergehen vorliegt, in dem sich der Athlet einen Leistungsvorsprung verschaffen möchte oder ob der Sportler zum Beispiel bei der Einnahme eines Medikaments oder eines Nahrungsergänzungsmittels nicht aufgepasst hat. Es ist wirklich schwierig eine eindeutige Antwort zu finden. Ich bin eindeutig gegen Doping und bin der Meinung, dass es nach einem zweimaligen Dopingvergehen keine Chance mehr geben darf, in den Profisport zurück zu kehren.

In ungefähr sechs Wochen wirst Du deinen ersten Ironman in Frankfurt bestreiten. Welche Wettkämpfe bestreitest Du noch im Vorfeld und welche Trainingshighlights stehen noch auf deiner to do Liste?

Bis Ende Mai liegt der Trainingsschwerpunkt nochmals auf der Optimierung der Wettkampfgeschwindigkeiten in allen Disziplinen. Danach ist das Training für den Ironman abgeschlossen, da ich im Juni einen sehr vollen Wettkampfkalender habe um meine Form bis zum Ironman zu zuspitzen. Ich werde bei der Challenge Kraichgau starten, eine Woche später auf der Kurzdistanz in Ingolstadt und eine Woche vor dem Ironman beim Bundesligarennen in Düsseldorf über die Sprintdistanz.

Was ist dein Ziel für Frankfurt? Gerade als starke Läuferin (Marathon Bestzeit 2:52 Stunden) wird der Marathon mit Vorspiel sicherlich eine neue Erfahrung. Wie wirst Du diesen (auch vom Kopf her) angehen?

Fotos: Sebastian Kuhn, einmaligErst einmal freue ich mich riesig auf mein Heimrennen in Frankfurt. Ich kenne alle Strecken aus dem Training und bin das Rennen bereits mehrere Male im Kopf durchgegangen. Am meisten freue ich mich auf die vielen bekannten Gesichter, die an der Strecke stehen werden und mein Rennen verfolgen. Ich hoffe, dass ich mein Leistungspotential abrufen kann und mir das ein oder andere Lächeln für meine Fans gelingt. Meine beiden solo Marathonläufe waren immer hart. Jedes Mal habe ich den Mann mit dem Hammer getroffen und musste viele  Kilometer kämpfen. Beim ersten Marathon hatte ich aufgrund einer Verletzung von Kilometer 15 an starke Schmerzen, doch ich wusste, dass meine „Kids“ (meine Nachwuchsathleten) im Ziel auf mich warten und so habe ich mich durchgebissen. Auch beim zweiten Mal musste ich gegen Ende kämpfen.

Aus diesen beiden Malen habe ich gelernt, wie entscheidend der Kopf ist. Bis heute weiß ich nicht, wie ich vor allem den ersten Marathon mit solchen Schmerzen durchstehen konnte. Meine Beine signalisierten mir „höre auf“, doch der Kopf “ wollte weiterlaufen.“ Als ehemalige Läuferin freue ich mich natürlich am meisten auf das Laufen, vor allem bei meinem Heimrennen in Frankfurt. Es werden viele Freunde und Bekannte an der Strecke stehen, die mich anfeuern und über die Strecke tragen werden. Bei vielen meiner Rennen habe ich im Laufen noch viele Plätze gut machen können und dies hoffe ich wird auch in Frankfurt der Fall sein.

Welche Wettkämpfe hast Du für die Zweite Saisonhälfte geplant?

Meine Planungen gehen erstmals bis zum 07.07.2013, also dem Ironman in Frankfurt. Danach werde ich mich mit meinem Trainer zusammensetzen und die zweite Hälfte planen. Entweder starte ich noch bei einigen Ironman 70.3 Rennen oder bei einem weiteren Ironman. Unabhängig wie die Entscheidung ausfallen wird, werde ich bei meinem zweiten Heimrennen, dem City-Triathlon über die Kurzdistanz in Frankfurt starten.

Zur Website von Natascha Schmitt.

Fotos: Sebastian Kuhn

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