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Interview mit Markus Thomschke – „Das Wasser war wirklich nicht appetitlich“

14. August 2012 von Ralph Schick

Markus Thomschke frei„Ich war noch niemals in New York“. Diesen Schlager von Udo Jürgens kann Markus Thomschke seit dem vergangenen Samstag so nicht mehr singen. Denn der triathlon.de-Profi holte sich im Big Apple den fünften Platz beim Ironman 2012. Wie es dazu kam, verriet er im Gespräch mit triathlon.de


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Hallo Markus, herzlichen Glückwunsch zu deinem sensationellen fünften Platz beim Ironman New York. Wie kam es überhaupt, dass du dich für einen Start entschieden hast?

Foto: Markus Thomschke frei

Klar zum Ablegen: Schwimmstart auf dem Hudson River

Vielen Dank. Ich entschied mich kurzfristig für einen Start, da ich nach dem Ausfall in Frankfurt unbedingt bei einem „großen Rennen“ finishen wollte. Die Form war gut, wie ich in Antwerpen noch einmal testen konnte. Also Flüge buchen und los!

In der Startliste standen einige große Namen wie zum Beispiel Luke Bell oder Bert Jammaer. Hattest du keinen Respekt bei so einem Starterfeld?

Klar, Respekt habe ich immer! Dass die Qualität der Profi-Athleten sehr gut war, wusste ich und das war auch so erhofft. Bert Jammaer schätze ich sehr. Er gewann 2008 den Ironman Lanzarote. Im selben Jahr konnte ich die Altersklasse 18 bis 24 gewinnen und war fast eine Stunde hinter Bert im Ziel.

Nach dem Schwimmen warst du Zwölfter. Was sagst du zu deiner Schwimmzeit?

Das Schwimmen stand ja lange auf der Kippe und das Wasser war wirklich nicht appetitlich. Das ist bei einem Fluss nun mal so und war vorher sicher jedem klar. Das Schwimmen an sich verlief gut und die Strömung war spürbar und an der Zeit auch sichtbar. Mich interessiert allerdings eher der Abstand nach vorn. Aufgrund der kurzen Schwimmzeit schob sich das Feld enger zusammen.

Wie ging es dir auf dem Rad, als du in der Gruppe um Maik Twelsiek und Christian Brader unterwegs warst?

Ich habe mich streng an die Wattvorgaben gehalten die mir mein Trainer mitgegeben hat. Bei dieser welligen Strecke war es nicht einfach konstant zu fahren. Als ich dann die Namen der starken Radfahrer um mich gelesen habe wusste ich das ich sehr gut unterwegs bin.

Beim abschließenden Lauf bist du sogar auf den Dritten, Joszef Major, aufgelaufen. Kannst du die Situation kurz schildern? Was ist dann passiert?

Foto: Markus Thomschke frei

Markus Thomschke freut sich über den fünften Platz.

Joszef ist sehr schnell angelaufen und hat sofort Position vier hinter Jordan Rapp, TJ Tollakson und Paul Ambrose eingenommen. Dahinter kämpften dann zusammen mit mir Maxim Kriat, Bert Jammaer und anfangs auch Christian Brader um die fünfte Position. Die Strecke ist mit vielen Höhenmetern sehr schwer zu laufen. Dazu kam die drückende Hitze. Ich habe mich aber auch beim Laufen klar an die Pulsvorgaben gehalten und konnte so gerade an den steileren „Rampen“ nicht überziehen. Nach der ersten sieben Meilen langen Runde hatte ich dann die sechste Position eingenommen. Bert war etwa eine Minute hinter und Maxim 20 Sekunden vor mir. Plötzlich tauchte Paul Ambrose auf. Er hatte nun richtig zu kämpfen und konnte unser Tempo nicht mitgehen. Ich war also schon Fünfter und ein wenig übermotiviert. Anstatt Ruhe zu bewahren, wollte ich nun schnell an Maxim heranlaufen, was auch erst einmal gelang. Zusammen liefen wir auf Joszef auf und waren nun auf Rang drei. TJ sah an den Wenden auch nicht mehr „frisch“ aus und ich wusste, dass wir zu ihm aufschließen können. Doch zu diesem Zeitpunkt hatte ich erst etwa 20 Kilometer geschafft. Nun führte die Laufstrecke aus dem Schatten heraus über die George Washington Bridge. Ich musste mich nun nicht mehr bremsen, sondern eher pushen, um im gewünschten Pulsbereich zu bleiben. Maxim hängte mich nun Schritt für Schritt ab und das gab mir kein gutes Gefühl. Auch Joszef kam wieder heran und ich war wieder auf Platz fünf. Jetzt tat es richtig weh und es waren immer noch 15 Kilometer. Nun konnte ich aber TJ am Ende einer Geraden erblicken, mobilisierte noch mal und kam an ihm vorbei. Wieder fünf Kilometer geschafft! Die Hitze war nun unerträglich und alle Kräfte „verpulvert“. Trevor Wurtele kam dann kurz vor dem Ziel in großen Schritten vorbei, und ich hatte leider nichts mehr entgegenzusetzen.

Wie geht es dir heute? Du hast die nötigen Punkte für die Hawaii-Qualifikation zusammen – wirst du in Kona 2012 am Start stehen?

Ich bin voll überwältigt und muss erst mal alles sacken lassen. Die vielen Glückwünsche sind echt der Hammer! Danke an dieser Stelle dafür. Die Quali ist noch nicht sicher und ich warte erst einmal, bevor ich mich zu früh freue. Falls die Punkte reichen, wird es eine Ehre für mich sein, als Profi in Kona am Start stehen zu dürfen.

Zum Rennbericht vom Ironman New York 2012

Fotos: triathlon.de

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