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Interview mit ITU Europameister Markus Fachbach: „Die Langstrecke kann manchmal schon undankbar sein“

30. September 2014 von Christine Waitz

Jörg Schüler,   freiBlickt man über seine sportliche Vita, möchte man meinen, Markus Fachbach habe den vierten Platz für sich gebucht. Hin und wieder jedoch, setzt sich der Koblenzer dann bis an die Spitze durch und sichert sich den Sieg bei großen Rennen. Einen dieser Meilensteine seiner Karriere setzte er in der vergangenen Woche mit dem Erfolg bei den ITU Europameisterschaften über die Langdistanz in Almere. Wir haben uns mit ihm unterhalten.


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2010 gleich zwei Mal, beim Ironman Florida und beim Ironman Austria. 2012 beim Ironman Südafrika und im letzten Jahr bei der Challenge Roth. Der vierte Platz zieht sich durch die sportliche Laufbahn Fachbachs. Auf der anderen Seite stehen jedoch auch große Erfolge zu Buche. Der Sieg beim Ironman Regensburg  2011 zum Beispiel. Oder eben der Europameistertitel in diesem Jahr. Wir haben uns mit Markus Fachbach nach dem Erfolg unterhalten.

Hallo Markus! Herzlichen Glückwunsch zu deinem Europameistertitel über die ITU Langdistanz! Dass das Rennen erfolgreich verlief, sieht man am Ergebnis. War es für dich so perfekt, wie es nach außen hin aussieht?

Es lief tatsächlich alles ziemlich nach Plan. Beim Schwimmen wollte ich mich in der ersten Gruppe halten und dann beim Rad offensiv ans Werk gehen. Zwar ist die Radstrecke in Almere komplett flach, durch den in dieser Gegend üblichen Wind allerdings doch so anspruchsvoll, dass die sie schon für eine Vorentscheidung sorgen kann. Nach 40 Kilometern konnte ich den bis dahin Führenden Bart Colpaert einholen und mich alleine an die Spitze setzen. Nach der Hälfte der Radstrecke gab es einen Wendepunkt, wodurch man einen sehr guten Überblick über den Rennverlauf bekommen konnte. Ich hatte dort knappe drei Minuten Vorsprung auf Georg Potrebitsch, der auch alleine unterwegs war. Dahinter kam dann eine Gruppe mit sechs Athleten, die zwar bereits sechs Minuten Rückstand hatte, allerdings mit Sergio Marquez auch einen bekannt starken Läufer. Als ich diese Rennkonstellation gesehen hatte, war klar, dass ich die zweite Runde zwar weiterhin offensiv fahren sollte, mir aber auch genügend Körner für den Marathon aufsparen sollte. Dies ist mir dann ganz gut gelungen. Beim abschließenden Marathon war ich dank des Sechs-Runden-Kurs immer sehr gut über die Abstände informiert und musste auch nichts mehr riskieren.

Markus Fachbach, einmalig

Auch wenn es bei deinem ersten Saisonhöhepunkt, der Challenge Roth, nicht klappte. Die Saison 2014 scheint gut zu laufen. Die Form vor der Challenge schien gut. Nach deinem DNF dort konntest du dir dann auch den Sieg beim Chiemsee Triathlon, den Sieg beim Mittelmoseltriathlon und nun den EM-Titel holen. Planst du diesen Lauf noch weiter auszunutzen?

Das DNF in Roth war natürlich schon eine herbe Enttäuschung. Bis zur siebten Rennstunde war es eins meiner besten Rennen überhaupt, mit guter Schwimmleistung und neuer persönlicher Bestzeit auf dem Rad. Ich war dann bis etwa Laufkilometer 14 gemeinsam mit Eneko Llanos unterwegs, als ich ziemlich starke Probleme mit dem Magen bekam. Ich hatte in der Vergangenheit häufig energetische Probleme auf den letzten zehn, zwölf Kilometern und wollte daher diesmal mehr Energie zuführen. Im Training hat dies auch ganz gut geklappt. Wettkampf ist dann aber doch natürlich noch mal eine ganz andere Geschichte und die letzten ein bis zwei Rennstunden lassen sich im Training ja auch nur schlecht simulieren.

Markus Fachbach, einmaligZwar zählen im Profisport schlussendlich nur die Ergebnisse, für mich persönlich wusste ich aber nach dem Rennen in Roth, dass die Form an dem Tag grundsätzlich gepasst hatte und ich nur die Probleme mit dem Magen wieder in den Griff bekommen muss. Das ist mir dann in Almere gelungen. Daran will ich nun als nächstes im November beim Ironman Arizona anknöpfen.

Hast du Veränderungen in deinem Training vorgenommen, oder warum läuft es in diesem Jahr besonders gut?

Nach meinem vierten Platz im vergangenen Jahr in Roth war ich in erster Linie nicht über die Platzierung enttäuscht, sondern über meine schwache Leistung auf den letzten zehn Laufkilometern. Bis dahin habe ich mein Training selbst geplant und habe dann entschieden, dass ich bezüglich der Trainingsplanung jemanden brauche, der sich damit richtig auskennt. Daher arbeite ich seit Roth 2013 mit Michael Krüger zusammen, der unter anderem auch Dirk Bockel, Camilla Pedersen und Horst Reichel trainiert und mache zusätzlich regelmäßig Leistungsdiagnostiken, damit das Training nicht nur übers Gefühl gesteuert wird.

„Die Langstrecke kann manchmal schon undankbar sein“, schriebst du im Sommer. Manchmal ist man gut in Form und dann klappt es doch nicht. Auch die Holzmedaille hast du nun schon einige Male abgeräumt. Wie behält man sich die Motivation bei, wenn man gerade bei den großen Rennen immer wieder knapp am Podium vorbeischrammt, oder mit Problemen aussteigen muss?

Jörg Schüler, freiIm Sport gibt es ständig Höhen und Tiefen und irgendwie macht das ja auch den Reiz unseres Sports aus. Eine Langdistanz ist immer nur bis zu einem gewissen Grad planbar und es kann während so einem langen Rennen viel gut und viel schlecht laufen. Man versucht dann aus seinen Fehlern von vergangenen Rennen zu lernen und beim nächsten Rennen wieder mehr richtig als falsch zu machen. Man darf eben nur nach einem schlechten Rennen nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern muss mit ein wenig Abstand das Rennen selbstkritisch und rational analysieren und nach Verbesserungspotential suchen. Das kann ja auch ein ganz spannender Prozess ein.

Fotos: Jörg Schüler, Markus Fachbach

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