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Interview mit Dinkelbäcker Stephan Dümig: Ironman? Ganz oder gar nicht!

21. Mai 2016 von Christine Waitz

Stephan Dümig,   freiStephan Dümig ist Bäckermeister, Konditormeister und leidenschaftlicher Triathlet. Das ist noch nicht allzu ungewöhnlich. Doch seine Bäckerei betreibt er rein mit Dinkelmehl – das ist wahrlich selten. Wir haben uns mit ihm unter anderem über seine Bäckerei, seinen ersten „katastrophalen“ Triathlon, sonstige Triathlonerfahrungen und seinen Tipp für Neueinsteiger unterhalten. Auch dieses Jahr konnten wir Stephan Dümig als Sponsor für die Zielverpflegung beim triathlon.de CUP gewinnen und freuen uns auf leckere Brezeln und Häppchen aus dem Dinkelbackhaus Dümig. 


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Herr Dümig, wir freuen uns, dass wir Sie auch dieses Jahr wieder für den triathlon.de CUP als Sponsor gewinnen konnten. Ihre Bäckerei ist vor allem für das Backen mit Dinkel bekannt. Wann haben Sie denn den Dinkel für sich entdeckt? Wie und warum kamen sie auf die Idee komplett auf Dinkel umzustellen?

Ich habe den Dinkel vor circa 14 Jahren für mich entdeckt. Damals war der Dinkel natürlich noch nicht so allgegenwärtig und eher ein Seltenheitsartikel, womit es auch schwierig war das Ganze in Siloware zu bekommen. Das war natürlich ein entscheidender Schnitt: wenn ich sowieso alles selber herstelle, dann möchte ich noch mehr aus Dinkel herstellen. Ein Grund ist zum einen, dass der Dinkel gegenüber dem Weizen noch nicht überzüchtet ist. Er ist eine Wildkreuzung, vom Einkorn abstammend. Schon die Ägypter haben ihn kultiviert und angebaut und auch in unseren Breiten war er eine Hauptgetreidesorte bis Mitte des letzten Jahrhunderts, aufgrund der kargen Bedingungen, die er zum Wachsen braucht. Erst vor circa hundert Jahren wurde der Weizen vermehrt gezüchtet um einen höheren Hektarertrag zu erhalten. Warum sollte ich also nicht ein Korn benutzen, was schon unsere Vorfahren gegessen haben und welches unser Körper schon seit tausenden von Jahren kennt? Außerdem besitzt der Dinkel nicht nur einen höheren Eiweißgehalt, sondern auch hochwertigeres Eiweiß, welches wir besser aufnehmen können als Weizen. Ich bin selbst hundertprozentig von den positiven Eigenschaften überzeugt, nur so kann ich auch meinen Job machen. Also habe ich alles auf Dinkel umgestellt, von der Semmel bis zum Wiener Tortenboden, das ganze Sortiment. Nur bei zwei Artikeln haben wir noch etwas Probleme, unter anderem den Brezen. Doch ich bin da zuversichtlich, bei manchen Sachen dauert es eben etwas länger als bei anderen. Aber das macht es gerade interessant.

Stephan Dümig, freiWelche Produkte Ihres Sortiments kommen am besten an?

Am besten kommen nach wie vor die klassischen Sachen an. Bei uns sind das die Seelen. Die kommen eigentlich aus dem schwäbischen Bereich. Viele Variationen davon sind mir beim Training unterwegs eingefallen. Ich stelle mir das Ganze vor, baue es in meinem Kopf zusammen und wenn ich nach Hause komme, lege ich ein neues Rezept hin, was wir dann machen. Von den Seelen habe ich viele verschiedene Sorten, alles Eigenkreationen, die es nirgendwo sonst gibt. Die Leute lernen das natürlich zu schätzen und kommen dann auch immer wieder zu uns.

Das heißt das Alleinstellungsmerkmal der Dinkelbäckerei ist eher ein Vorteil und hilft auch sich gegen die großen Konzerne durchzusetzen?

Klar, da ich alles aus Dinkel mache kann ich gar kein „Tütenbäcker“ sein, wie manch einem zugeschrieben wird. Es gibt ja auch gar keine Lieferanten die Dinkelgebäck in Tüten liefern. Alles was ich mache muss ich selbst machen, was sicherlich ein Unterscheidungsmerkmal zu anderen ist. Das ist für mich ohne Frage auch ein Vorteil. Es hat sich über die Jahre so entwickelt, dass es ein richtiger Glücksgriff war zum Dinkel überzugehen und vorzeitig die Weichen zu stellen. Dadurch ergab sich auch ein Wettbewerbsvorteil für mich.

Was ist denn Ihr persönliches Lieblingsstück?

Ein persönliches Lieblingsstück habe ich eigentlich nicht. Das sind immer meine neuen Artikel. Vor einem Monat habe ich zum Beispiel aus Bulgarien ein Einkorn bekommen, welches als Grabbeilage eines ägyptischen Pharaonengrabs gefunden und anschließend neu ausgesät wurde. Davon habe ich circa zehn Kilo bekommen und daraus zusammen mit Kamut und Chia Samen ein Brot gebastelt. Das ist so gut angekommen, dass ich es weitergeführt habe, mit einem Einkorn, welches hier in Deutschland angepflanzt wird. Mit seinen langkettigen Kohlenhydraten macht es zum einen satt und zum anderen schmeckt es natürlich auch richtig super. Das ist momentan mein Lieblingsbrot, das habe ich auch schon vor einem Wettkampf gegessen. Aber natürlich nur solange bis ich wieder etwas Neues entwickelt habe. Ich habe da auch schon wieder ein paar Ideen im Kopf.

Sie haben 1989 den Betrieb von Ihrem Vater übernommen. Sind Sie Bäcker aus Tradition oder aus Berufung?

Früher war das vielleicht schon so, dass man dachte: Es ist ja alles schon da. Ich wollte mal Pilot werden und habe dann gemerkt: Das ist echt schwer, da muss man viel lernen – da mach ich doch lieber Bäcker, das ist einfacher. Was dann auch nicht stimmt, wenn man sich richtig damit befasst und in die Materie geht. Inzwischen ist es aber zur Leidenschaft und dann eben auch zur Berufung geworden. Das ist wie beim Sport. Wenn jemand leidenschaftlicher Sportler ist, der springt über alle Hürden und taxiert immer das Ziel an. Bei mir ist das auch so, wenn ich etwas Neues kreiere. Und wenn es fertig ist, dann probiere ich es und dann wird es schon uninteressant und ich fixiere mich schon wieder auf das nächste Ziel. Ich muss dann wieder was Neues machen, so wie man sich auch im Sport immer wieder neue Ziele setzt.

Sie betreiben ja selbst Triathlon und haben schon an mehreren Ironman Veranstaltungen teilgenommen. Seit wann manchen sie Triathlon und wie sind sie zu dieser Sportart gekommen?

Ich bin schon immer leidenschaftlich Fahrrad gefahren. Während meine Freunde sich Mopeds oder Motorräder gekauft haben, habe ich mir mit 17 ein Rennrad gekauft und bin damit durch die Gegend gefahren. Über die Jahre habe ich verschiedene andere Sachen ausprobiert, wie laufen oder Aerobic, bin aber immer wieder zum Rad fahren zurück. Ich habe fast jeden Tag Sport gemacht. Da kam eines Tages ein Freund auf mich zu und hat mich gefragt, auf was ich eigentlich trainiere, so fit wie ich bin. Aber ich habe einfach nur aus Spaß trainiert. Er machte bald bei einem Triathlon mit. Also habe ich gesagt, dass er mich auch anmelden soll. Etwa fünf Wochen vorher habe ich dann erst einmal im Internet geschaut, was das überhaupt ist und festgestellt, dass man da ja schwimmen muss! Als meine Familie mich schwimmen gesehen hat, hatten sie so Mitleid mit mir, dass sie mir auch sofort eine Schwimmtrainerin besorgt haben. Die ist aus allen Wolken gefallen als sie erfahren hat, dass ich in drei Wochen fit sein muss im Schwimmen. Letzten Endes war ich dann wenigstens so weit, dass ich das Schwimmen zumindest überlebt habe. Als ich dann schließlich ins Ziel gekommen bin, dachte ich mir: das ist das Härteste was es gibt im Leben! Das war damals eine Kurzdistanz. Und dann hat mir jemand erklärt, dass es noch den Ironman gibt. Das konnte ich gar nicht glauben und das hat mich neugierig gemacht. Was sind das für Menschen? Das müssen ja Aliens sein, dachte ich mir, wie kann man solche Belastungen sonst aushalten? In meinen ersten Trainingscamps habe ich dann festgestellt, dass es doch ganz normale Menschen sind, die essen und schlafen wie ich. Also dachte ich mir: Das kannst du doch auch.

Stephan Dümig, frei

Welche Distanzen laufen Sie normalerweise?

Eher Langdistanzen, ich habe nie Mitteldistanzen gemacht. Das klingt doch irgendwie bescheuert: Ich mache einen halben Ironman. Ich bin ein halber Bäcker? Nein, sowas mache ich nicht – ich mache bloß ganze Dinge! Deswegen habe ich mir nie Gedanken gemacht einen halben Ironman zu machen. Vor meinem Unfall habe ich eigentlich geplant an einem Swissman teilzunehmen, da ich die Teerläufe langweilig finde und lieber Berge laufe. Später sind auch noch Teilnahmen am Norseman und Celtman geplant. Da geht es um den Spaß, das Erlebnis und die Atmosphäre beim Mitmachen. Die einen versuchen ihre Zeiten bei den Wettkämpfen zu verbessern. Ich bin da etwas gelassener. Mir ging es schon immer mehr um die Eindrücke und Einprägungen, deshalb laufe ich auch jeden Ironman immer nur einmal. Bei jedem Wettkampf ist somit alles neu. Wichtig ist mir aber, dass ich ins Ziel komme bevor es dunkel ist. Grundvoraussetzung dafür ist also unter elf Stunden zu bleiben.

Und was war ihr größtes oder schönstes persönliches Rennen?

Eines der schöneren Rennen war Frankfurt, weil da alle Zeiten plötzlich besser waren. Anscheinend war das der ideale Tag für mich. Ein Rennen in Utah war auch ein ganz besonderes Erlebnis, bei welchem ich froh war ins Ziel gekommen zu sein. Den Triathlon gab es nur zwei Jahre lang, da über ein Drittel der Läufer aufgegeben hat, weil es so hart war. Nach dem Wechsel bin ich aus dem Zelt raus und wurde gleich von tausenden Zuschauern angefeuert. Da bin ich wie auf Wolken losgelaufen. Das waren definitiv zwei Steckpferde. Natürlich hat man auch immer den ersten Ironman im Kopf. Das war bei mir klassisch in Bayern der Ironman in Roth. Da hat es leider den ganzen Tag geregnet, aber ich war eigentlich sehr zufrieden und als ich damals ins Ziel gekommen bin wusste ich: Super, das ist genau meine Sportart! Da brauche ich gar nicht weiter zu suchen, das mache ich.

Haben sie noch andere Sportvorlieben außer dem Triathlon?

Stephan Dümig, frei

Ja ich bin Sporttaucher, das mache ich dann, wenn die Saison vorbei ist. Im Oktober/November, da kann man dann so richtig gut abschalten. Wobei das auch nicht immer gut geht. Wenn da irgendwo ein Fahrrad steht, kann es schon sein, dass ich es mir auch kurzerhand ausleihe und losfahre. So wie einmal während eines Erholungsurlaubs, da fand vor Ort ein Triathlon statt. Da habe ich mir kurzerhand ein Fahrrad besorgt und los gings. Das war definitiv nicht zum Speedfahren geeignet und eigentlich wollte ich das gar nicht, aber da war ich dann schon wieder ausversehen beim Triathlon gelandet (lacht).

Machen noch mehr aus der Familie Triathlon?

Eher weniger. Ich bin da schon eher ein Alleinstellungsmerkmal. Sie haben mich schon ein paar Mal begleitet zu verschiedenen Veranstaltungen. Und haben immer wieder gesagt, das es ganz schön anstrengend ist. Find ich gar nicht (lacht). Die würden mich immer am liebsten gleich aus dem Rennen nehmen wenn ich mal etwas fertig ausschaue. Da nimmt die Fürsorge eher etwas überhand. Ich konnte sie zwar ein bisschen animieren etwas zu machen, aber nicht so wie ich – das wäre aber glaube ich gar nicht so gut, man braucht schließlich auch immer einen Ruhepol.

Haben Sie es geschafft Ihre Mitarbeiter anzustecken?

Nein, da hab ich noch keinen angsteckt. Nur einen habe ich zum Laufen angesteckt. Der hat mich beim ersten Ironman begleitet. Ich weiß nicht warum, aber er hat kein Talent fürs Radfahren und schwimmen mag er nicht. Deshalb hab ich da meine Ambitionen aufgegeben, aber ich habe mit ihm viele Lauftrainings gemacht und auch in New York waren wir schon zweimal.

Sie gehören zu „Deutschlands besten Bäckern“, erfinden immer wieder neue Kreationen. Wie schaffen Sie es das viele Training und die Arbeit unter einen Hut zu bekommen?

Dadurch, dass ich selbständig bin, kann man das gut kompensieren. Da kann man seine Zeit frei einteilen, zum Beispiel morgens um fünf Uhr vor der Arbeit laufen gehen, mittags im nahen Freibad schwimmen, dann nochmal ein paar Stunden arbeiten und dann je nach Wetterlage eine Spinning oder Radeinheit am Nachmittag. Aber am wichtigsten ist, dass man einen Trainingsplan hat. Sonst macht man immer zu viel und ist meistens ganz unruhig, weil man denkt man müsse noch mehr trainieren. Mit einem Plan kann man alles perfekt einteilen und hat auch mal einen Tag Zeit, um zum Beispiel in die Stadt zu gehen, weil man ja nur morgens eine Schwimmeinheit hat. Und man fühlt sich trotzdem wohl, da man ja voll im Plan drin ist.

Bildet der Sport auch etwas Regeneration und Ausgleich zum Berufsleben?

Für mich ist das ein maximaler Ausgleich ganz klar. In dem Moment in dem man läuft, läuft man ja in erster Linie weg und nicht hin. Das Weglaufen ist eine Befreiung, man macht die Brust auf, saugt Luft ein. Es macht den Kopf frei, alle Probleme und auch alles andere wird kleiner. Außerdem macht es Stressunempfindlicher und –resistenter. Früher wäre ich bei etwas vielleicht ausgerastet, was ich heute ganz entspannt nehme, das sind so Dinge die man durch den Sport lernt. Triathlon da ist ein guter Ansatz. Und wenn einem zum Beispiel mal etwas am Bein weh tut, dann mache ich eben mein Konditionstraining beim Schwimmen. Alles kein Problem. Auch die Menschen die man kennen lernt, sind alle von der Einstellung her ähnlich. Das sind alles positiv denkende Menschen. Das macht dann auch immer Spaß wenn man zu Camps oder Veranstaltungen geht, die sind alle immer gut drauf, man ist wie in einer Gemeinde drin. Das ist auch so ein Punkt bei dem man sagt: das möchte man nicht mehr missen. Ich trainiere immer noch mit den Triathleten mit welchen ich vor zehn Jahren trainiert habe, die früher Profis waren. Aber man hat auch alle Altersklassen dabei und kann gleichzeitig mit einem 70 – jährigen oder auch 25 – jährigen trainieren. Von der Einstellung sind alle auf einer Ebene und in Gesprächen bekommt man dann auch Feedbacks und neue Anregungen.

Stephan Dümig, frei

Seit 2010 gibt es das „Running Prezel“ Team. Was ist die Idee dahinter?

Das sind einfach Leute die Spaß am Sport haben. Es geht hierbei nicht um reine Triathleten. Natürlich sind viele Triathleten drin, wie Wolfgang Schmatz der auf Hawaii in seiner Altersklasse schon zweimal gewonnen hat und viele Leute, die einfach zum Spaß Triathlon machen. Aber auch Fußballvereine, Läufer, eine Radsportlerin oder eine Pilatestrainerin. Diese Leute werden von mir mit einem Outfit ausgestattet. Natürlich ist das auch Werbung für mich, aber wichtig ist, dass ich dazu stehen kann und auch die Träger sich damit identifizieren wollen. Das Ganze entwickelt sich dann als kleiner Selbstläufer, da die Shirts Wiedererkennungswert haben. Und so entstehen Symbiosen und Bekanntschaften. Auf einer Plattform, tauscht man sich aus, wer bei welchem Rennen mitmacht. Aber das Ganze ist ganz ungezwungen.

Was ist für Sie der Anreiz Veranstaltungen wie den triahtlon.de CUP zu unterstützen? Und was gefällt Ihnen am triathlon.de Cup besonders?2015CUP-tmyRBild

Das es junge Leute machen. Das finde ich toll. Zu meiner Zeit gab es das ja noch nicht, da war der Triathlon noch nicht so bekannt. Ich finde es klasse, dass diese Sportart jetzt auch von Jungen betrieben wird und so gut ankommt. Das möchte ich gerne unterstützen, denn es macht mir selbst eine Freude, wenn ich die Jugend laufen, schwimmen und Rad fahren sehe.

Was würden Sie einem Triathloneinsteiger als wichtigen Tipp mitgeben, der zum Beispiel beim diesjährigen triathlon.de CUP an der Schnupperdistanz teilnimmt?

Wenn es nur ein Tipp ist, dann würde ich sagen: immer das Ziel fixieren! Das ist die Maxime. Man sollte einmal zum Ziel hingehen, es anschauen und sagen: da lauf ich nachher durch! Das hilft einem ungemein. Visuelle Bilder kann man sich viel besser vorstellen und dann läuft man auch wirklich durch. Gerade am Anfang hat man viele tote Punkte, an denen man sich fragt warum man das eigentlich macht. Aber im Ziel ist dann doch alles vorbei und dann weiß man auch warum man es gemacht hat.

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Zum Backhaus Dümig

Interview: Corina Klatenbacher

Fotos: Stephan Dümig

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