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Interview: Max Longrée über ein hartes Jahr 2010

28. Dezember 2010 von Meike Maurer

Max LongreeSeit seinem Sieg 2008 beim Ironman Louisville, seinem 17. Platz im gleichen Jahr auf Hawaii und seiner Podiumsplatzierung beim Ironman Coeur D´Alene letztes Jahr ist der Profi-Triathlet alles andere als ein unbeschriebenes Blatt in der Triathlon-Szene. Doch kurz vor dem Ironman Arizona 2009 kam es zu einem folgenschweren Unfall, der sämtliche Planungen für die Saison 2010 über den Haufen werfen sollte.


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Max, was genau ist da passiert und mit welchen Folgen?

Nachdem ich es beim Ironman Louisville ´09 leider nicht geschafft hatte, meinen Titel zu verteidigen und mich mit einem 5. Platz zufrieden geben musste, wollte ich Kona in Angriff nehmen. Doch leider verhinderte eine Ohreninfektion den Wettkampf. Die Saison wollte ich so nicht beenden und beschloss noch mal mit letzter Kraft – nach einer bereits langen Saison – mich über gut vier Wochen fit für den Ironman Arizona zu machen. Die Vorbereitung war hart, aber erfolgreich. Müde kam ich in Tempe an und fing an zu tapern. Die letzten gezielten Einheiten auf den Wettkampfstrecken waren klasse. Ich fühlte mich von Tag zu Tag besser. Das Minimalziel Podium war in Sichtweite und die geplante Quali für Hawaii 2010 ebenfalls. Drei Tage vor dem Rennen bin ich ein bisschen in der Stadt rum gefahren zum Eisessen, fuhr über einen Parkplatz und plötzlich erfasste mich ein Auto mit hoher Geschwindigkeit. Ich flog durch die Luft und lag anschließend mit offenem Unterschenkel, durchtrenntem Schienbeinmuskel blutend auf dem Asphalt. Das Rad war in mehrere Teile zerbrochen und auf dem ganzen Parkplatz verteilt. Neben typischen äußeren Sturzverletzungen, hatte ich durchtrennte Muskeln, einen kaputten Knöchel und einen komplizierten Bruch im Daumengelenk. Das alles musste in mehrere Operationen wieder gerichtet werden.Max Longree

Die Folge: Monate langes im Bett liegen und Reha bis an die Grenzen des Erträglichen. Für mich war jedoch klar, wenn ich nicht rechtzeitig für Flexibilität der betroffenen Bereichen Sorge, werde ich niemals wieder auf ein gutes Niveau im Triathlon zurückkommen können. Sportliche Folge war, dass ich mich nicht wie geplant auf Kona 2010 fokussieren konnte.

Wie hast du es geschafft, den Glauben an dein Comeback 2010 nicht zu verlieren?

Wichtig ist es, sich in einer solchen Situation nicht verrückt zu machen und sich nicht nur Gedanken über die sportliche Zukunft zu machen. Man muss daran denken, dass man nicht nur wieder Rennen will, sondern überhaupt wieder alle Funktionen für den Alltag erlangen muss. Den Glauben an sich darf man nie verlieren, wenn man sich selbst aufgibt, dann kann man einpacken. Natürlich hatte ich auch Momente der Verzweiflung, deshalb ist es wichtig ein gutes Umfeld zu haben. Und hier bin ich meiner Familie sehr dankbar. Klar ist, ohne sie, hätte ich es nicht geschafft, weder physisch – allein die Fahrten zur Reha, noch psychisch – die vielen Gespräche und die Zeit miteinander waren sehr wichtig.


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