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Innovatives Training: Alltag eines Triathleten

26. Juni 2011 von Stefan Plate

Dieser Bericht von Stefan Plate soll zeigen: Sinnvolles Training geht immer und  bei jedem Wetter. Der Bericht soll auch Inspirationen für ein besseres Zeitmanagement im Training geben. Mit ein bißchen Phantasie, versteckt sich überall eine Trainingseinheit. Man muß nur den Mut haben, seine eigenen Wege zu gehen.


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Erlebnisbericht von Stefan Plate

Mein Trainingsplan als ambitionierter Triathlet ist zeitweise ziemlich voll. Beruf, familiäre Verpflichtungen und sonstiges Privatleben wollen auch noch unter einen Hut gebracht werden. Um die Motivation und Zeit zu finden, alle Schlüsseleinheiten im Schwimmen, Radfahren und Laufen wirklich durchzuziehen – gerade wenn das Wetter mal nicht mitspielt – ist manchmal einige Kreativität und Improvisation gefragt. Aber genau das ist es, was Abwechslung und neue Reize in mein Training bringt.

Wochenplan: Schwimmen und Fettstoffwechseltraining

In einer Trainingswoche im Juni stand bei mir Schwerpunkt Schwimmen und fettstoffwechsel-aktivierende Einheiten auf dem Trainingsplan, doch das Wetter schien mir einen Strich durch die Rechnung zu machen: Bis auf einen schönen und sehr warmen Tag war für die ganze Woche Tiefdruckgebiet und Regen angesagt. Außerdem standen beruflich einige Überstunden an. Was tun ?

Im Regen und böigen Wind Radfahren? Darauf habe ich wirklich keine Lust, obwohl ich dafür optimale Kleidung hätte. Bei diesen Bedingungen Laufen? Mit Regenjacke schon eher denkbar, aber spätestens, wenn die Schuhe durchnäßt sind und ich unter der Regenjacke Hitzestau bekomme und transpiriere, macht das keinen wirklichen Spaß mehr. Und Schwimmen im See? Das geht doch eigentlich gar nicht – oder?

Montag:

20Uhr – Früher kam ich nicht aus der Arbeit raus. Es kippt vom Himmel was nur geht – richtiges Sauwetter und ordentlich Temperatursturz. Obwohl’s verrückt klingt, ist jetzt Schwimmen im See meine erste Wahl. Gewitter und Blitze gab’s an diesen Tag nicht, darauf habe ich natürlich geachtet. Mit folgender „Lean-Management“-Strategie gönne ich bei ungemütlichsten Wetterbedingungen ein lustvolles Schwimmtraining im See und minimiere unerwünschte Neben-Effekte:

Zuhause schlüpfe ich bereits in meinen Neopren-Anzug und fahr damit gekleidet mit dem Auto zum See in der Nähe. Dabei habe ich nur Schwimmbrille, Bademütze, Schlappen und einen Bademantel (kein Handtuch). Am See angekommen zieh ich mir die Bademütze und Schwimmbrille schon im Auto über und stürze mich dann ohne weitere Umschweife direkt ins Wasser. Den Regen und die Kälte nehm ich dabei gar nicht bewußt war. Da sich Wasser bei einem Wetterwechsel immer erheblich langsamer abkühlt als die Luft, ist die Wasser-Temperatur deutlich höher als die der Luft und dadurch das Hineinspringen ins Wasser sehr angenehm – von Kälteschock keine Spur! Das Tanzen der Regen-Tropfen auf der Wasseroberfläche hatte zudem seine optischen Reize – viele skurrile Wellenmuster verlaufen ineinander.

Damit das Schwimmen im See nicht so monoton wird, streute ich ein paar technische Übungen ein, gefolgt von Tempo-Intervallen mit aktiver Erholung. Nach dem Schwimmen streifte ich beim Zurück-Laufen zum Auto den Neo bis zur Hüfte ab und zieh ihn dann am Auto in 10 Sek ganz aus – so wie bei einem richtigen Triathlon-Wechsel.

Rein in den Bademantel, ans Steuer und flott ab nach Hause. Die ganze Aktion dauerte nur etwas mehr als eine Stunde. Um 21:15 Uhr gab`s Abendessen – nu keine Zeit verschwenden, denn es geht ja am nächsten Morgen wieder früh raus.

Wäre ich beim Autofahren von einer Polizeistreife angehalten worden, hätte das sicher ein lustiges Gespräch gegeben. Aber um eine Erklärung wäre ich nicht verlegen gewesen – Triathlon-Lifestyle halt J.

Dienstag:

18Uhr. Herrliche Sonnenstrahlen und Temperaturen knapp unter 30°C. Laut Wetterprognose soll das trockene Wetter nur bis morgen Vormittag halten und dann dauerhaft schlecht bleiben. Also ist klar, eine längere Radausfahrt muß her. Im Juni ist es ja bis 22:00 Uhr hell. Aber auf eine Schwimmeinheit möchte ich bei dem Sahne-Bedingungen auch nicht verzichten. Somit wird’s ein Bike & Swim.

Dazu schlüpfe ich in mein High-Tech Trisuit, das gleichermaßen für Schwimmen und Radfahren geeignet ist und sehr schnell trocknet. Schwimmbrille und Bademütze stecke ich mir in die hinteren Taschen des Trisuit.

Aufgeheizt von den ersten 15 km Rad-Kilometern sperre ich mein Trainings-Rennrad mit einem kleinen Zahlenschloß am See ab und stürze mich umgehend in das kühle Nass. Nach 1,5 km entspannter Krauleinheit wärme ich mich kurz in den abendlichen Sonnenstrahlen und stärke mich mit einem Müsli-Riegel und dem Energie-Drink aus der Radflasche, bevor es wieder auf den Sattel geht.

Die ersten Kilometer auf dem Rad sind dann ziemlich frisch, also gebe ich richtig Gas. Der Tacho pendelt sich so bei 38km/h ein. Nach etwa 10min ist der Tri-Anzug im wesentlichen trocken und mir wird wieder richtig warm. Dann wähle ich meine Route so, daß ich gegen 21:30 Uhr wieder zuhause bin – am Ende hat’s dann noch noch für 85 km.


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Der Autor des Artikels, Stefan Plate, ist längjähriger Chef-Schwimmtrainer beim mrrc München (größter bayrischer Triathlon-Verein). Er leitet seit 7 Jahren Kraultechnik-Seminare und ist Langstreckenschwimmer und Mittel-Distanz-Finisher.
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