Du bist hier: Triathlon Portal - triathlon.de > Training > Schwimmen2 > Gefahr im Wasser: Was ist SIPE?
Training Triathlon.de

Gefahr im Wasser: Was ist SIPE?

2. August 2013 von Christine Waitz

Foto: Christine WaitzEs ist mittlerweile zwei Jahre her, dass meine Mutter von einer Freiwassereinheit leichenblass und nach Luft ringend nach Hause kam. Zwanzig Minuten später wurde ihr in der Notaufnahme ein Lungenödem diagnostiziert. Nach einer Woche unter Beobachtung ohne weitere Auffälligkeiten vermuteten die Ärzte, dass ein Fall von SIPE vorliegen musste. Aber was ist das eigentlich?


Triathlon Anzeigen

Die Abkürzung SIPE steht für Swimming Enduced Pulmonary Edema, also ein durch Schwimmen hervorgerufenes Lungenödem.

Was ist ein Lungenödem?

Wenn aus den Lungenkapillaren, den kleinsten Blutgefäßen der Lunge, plötzlich Flüssigkeit in das Lungengewebe austritt und sich dort sammelt, dann spricht man von einem Lungenödem. Die Lunge kann dann ihre Funktion nicht mehr richtig erfüllen und keinen Sauerstoff in den Blutkreislauf abgeben, sodass der Betroffene unter Atemnot leidet, häufig hustet und manchmal rötlichen Schaum spuckt.
Neben der Panik, die auftritt, kann ein Lungenödem im schlimmsten Fall mit Atemstillstand und Herz-Kreislauf-Versagen enden.

Wann tritt ein Lungenödem auf?

Meist haben Lungenödeme eine Grunderkrankung zu Ursache. Herzrhythmusstörungen oder Herzfehler sind die häufigsten Gründe, diese Art von Lungenödem heißt deshalb „Kardiales Lungenödem“. In diesen Fällen kann das Herz das Blut nicht mehr vollständig zurückpumpen und ein Teil des Blutes staut sich in der Lunge. Dadurch entsteht ein höherer Druck in den Lungengefäßen, deren Wände halten ihn nicht aus, werden durchlässig und Flüssigkeit tritt in das Lungengewebe aus.

SIPE – Die Gefahr für Schwimmer

SIPE hingegen tritt ohne feststellbare Vorerkrankung bei Schwimmern auf. Diese seltene Art von Lungenödem wird nicht etwa darauf zurückgeführt, dass der Sportler Wasser eingeatmet hat, sondern auf eine plötzliche erhöhte Durchlässigkeit der Kapillare, der kleinen, feinen Blutgefäße der Lunge. Das ist der Punkt, an dem das Wasser beginnt sich in der Lunge stauen. Das Blut kann nicht mehr mit Sauerstoff angereichert werden, Atemnot tritt auf.

Verursacht wird dieses Phänomen durch Überhandnehmen von mechanischen Stress, der auf die Kapillarwände einwirkt. Dieser mechanische Stress wird natürlich durch den Fluss des Blutes in den Kapillaren ausgeübt. Maximale Anstrengung bedeutet höheren Puls und damit auch eine größere Geschwindigkeit, mit der das Blut vorangetrieben wird. Doch so viel Stress können die Zellwände tolerieren.
Der Druck des Wassers sorgt außerdem dafür, dass Blut und Lymphflüssigkeiten von den Extremitäten zur Körpermitte transportiert werden. Dadurch fließt plötzlich ein größeres Volumen durch die Blutgefäße dort, der Druck nimmt weiter zu. Besonders dann, wenn der Athlet den Kopf häufig über Wasser hält, um sich zu orientieren und der Neoprenanzug die Beine hebt, fließt noch mehr Blut zur Körpermitte, da diese der tiefste Punkt ist. So erhöht sich der Druck erneut. Es kann dann dazu kommen, dass die Zellwände nicht mehr Stand halten können und durchlässig werden.

Was tun?

Auch wenn SIPE scheinbar keine bleibenden Schäden hinterlässt, gilt es die körperliche Belastung sofort einzustellen und das Wasser zu verlassen. Der Notarzt hilft normalerweise durch die Gabe von Sauerstoff und den Stoff Salbutamol, der die Muskulatur der Bronchien entspannt und das Atmen erleichtert.

Meist ist SIPE auch keine Eintagsfliege, sondern tritt unter Belastung erneut auf. Allerdings gibt es durchaus einige Hinweise auf Faktoren, die einen Anfall begünstigen. So berichten Betroffene von Problemen beim Tragen eines zu engen Neoprenanzuges, sowie beim Schwimmen in sehr kaltem Wasser oder in schlecht aufgewärmten Zustand.
Ebenfalls vermutet wird ein Zusammenhang zwischen SIPE und erhöhter Flüssigkeitszufuhr vor dem Rennen.

Die gute Nachricht ist: Nach ausgiebigen Tests mit Abklärung aller in Frage kommenden Ursachen und vorsichtigem Wieder-Herantasten ist auch meine Mutter hin und wieder im Freibad anzutreffen. Beim ganz gemütlichen Schwimmen.

Foto: triathlon.de

Triathlon.de Anzeigen
 
Zum Triathlon.de Newsletter anmelden