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Interview mit Felix Walchshöfer: „Wir haben noch eine Überraschung“

14. Juli 2016 von Mario Lisker

005_D4S3343Er ist das Gesicht hinter dem Namen Challenge. Ohne Roth wäre Challenge nicht das, was sie heute ist: Ein Rennen, das wie kaum ein zweites für familiäre Atmosphäre steht. Wie es Familie Walchshöfer seit nunmehr 15 Jahren schafft, diesen Ruf nicht nur zu verteidigen, sondern auszubauen, warum sich Felix zurückzieht und wie es Roth immer wieder gelingt eines der besten Profi-Startfelder zu generieren, verriet uns Felix in einem Interview…


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Wie sieht der Arbeitsalltag eines Felix Walchshöfer so kurz vor dem DATEV Challenge Roth aus?

Er beinhaltet auf jeden Fall wenig Schlaf. Es geht 7 Uhr los und endet erst gegen 23 Uhr, Wochenenden inklusive.

23 Uhr? Welche Absprachen werden so spät noch getroffen?

Zum Beispiel Conference Calls mit Journalisten und Partnern im Ausland. Durch die Zeitverschiebung zu den USA oder Neuseeland sind andere Zeiten kaum möglich. Meist geht es um Absprachen über geplante News und Social Media Beiträge. Auch E-Mails werden abends beantwortet – tagsüber bleibt kaum Zeit dafür. Wir bearbeiten jede einzelne E-Mail selbst, auch Fragen von Athleten. Wir geben solche Dinge nicht an Agenturen ab. Das ist uns für unsere Authentizität wichtig

Ist dieser wahnsinnige Aufwand ein Grund sich aus der Challenge Family zurückzuziehen?
Familie WalchshöferJa! In den letzten zehn Jahren war ich zwei drittel der Wochenenden unterwegs. Donnerstags oder freitags in den Flieger und zu den Wettkämpfen, montags nach der Siegerehrung wieder zurück. Da blieb dann nur der Dienstag, Mittwoch und manchmal eben Donnerstag für das Büro. Auch meine privaten sozialen Kontakte haben darunter gelitten und ich bin unglaublich dankbar, dass mir meine Freunde das nicht böse genommen haben. Jetzt ist es wieder an der Zeit sich darum zu kümmern.

Nach dem Challenge ist vor dem Challenge. Wann beginnen die Vorbereitungen für den nächste Challenge Roth? 

Im Februar dieses Jahres haben wir den Termin für den DATEV Challenge Roth 2017 bekannt gegeben, also anderthalb Jahre vorher. Es müssen Absprachen mit der Polizei, den Gemeinden und dem Bayrischen Rundfunk getroffen werden, um ein geeignetes Datum zu finden. Immens wichtig ist auch die Planung der Infrastruktur. Stadion mieten, Zelte und Sanitärcontainer bestellen. In diesem Jahr haben wir 56 Zelte. Wenn wir nicht rechtzeitig bestellen, gibt es vielleicht nicht mehr genug. Zum Beispiel die Sanitärcontainer – es war ein großer Aufwand genügend Sanitärcontainer zu bekommen, da viele davon in den Flüchtlingslagern benötigt werden.

Gibt es auch böse Stimmungen und Meinungen zum DATEV Challenge Roth und wie geht ihr damit um?

Mittlerweile gibt es keine negativen Stimmungen mehr. Das ist der Erfolg unserer Vorarbeit. Wir beachten sämtliche Hinweise der Athleten, die wir als Feedback erhalten. Wir haben zum Beispiel den Hinweis einer älteren Dame mit Sehschwäche erhalten, dass es schwierig für sie ist, sich im Wasser an einer Zeit zu orientieren. In diesem Jahr haben wir alle 200 Meter eine Boje aufgestellt und ein unglaublich positives Feedback aller Athleten erhalten. Aus ähnlichen Gesprächen entstanden unsere Ideen mit der Strafrunde und der Wärmebildkamera. Wir sind davon überzeugt, dass wir ohne diese Arbeit Starter verlieren würden. So haben wir eine große Anzahl an immer wiederkehrenden Athleten und den Ruf, der uns auszeichnet.

Roth überrundet erstmals als Challenge den ehemaligen Ironman Roth. Plant ihr spezielle Aktionen die ihr noch nicht angekündigt habt?

Es wird eine Überraschung im Stadion geben, zu der ich aber noch nichts verraten kann. Wir haben zum Beispiel auch fünfzehn Stelen auf der Messe. Jede Stele steht für ein Jahr Challenge und hat auf drei Seiten die Statistiken, Bilder und Zusammenfassungen über die besten Momente. Wie zum Beispiel 2003 das Sprintfinish zwischen Lothar Leder und Chris McCormack.

Wird es irgendwann eine Challenge-Weltmeisterschaft geben?

Es gibt ja schon die Weltmeisterschaft auf der Mitteldistanz in Samorin. Bei jedem Rennen der Challenge Serie kann man dafür Slots gewinnen. Für die Langdistanz ist etwas in Planung.

Roth ist bekannt für das hochkarätige Profi-Starterfeld. Für viele Profis ist die Weltmeisterschaft auf Hawaii der Höhepunkt und zeitlich ist Frankfurt eine starke Konkurrenz. Wie schafft ihr es immer ein so gutes Profi-Starterfeld zu generieren?

Marc Sjoeberg, freiDazu gibt es zwei Dinge: Jan Frodeno sagte zu uns, dass ihm, um seine Liste perfekt zu machen, ein Sieg in Roth fehlt. Ich glaube das sagt schon alles. Mir fällt kein großer Athlet ein, der nicht schon einmal hier war. Dann ist da noch das große Medieninteresse. Wir haben über 300 akkreditierte Journalisten aus der ganzen Welt zu Gast, produzieren unsere Filme mehrsprachig und investieren dafür eine Menge Geld. Beides macht Frankfurt zum Beispiel nicht. Als Ranking im Medieninteresse ist Hawaii, Roth und dann lange nichts bis Frankfurt kommt. Und wir bieten natürlich auch gute und faire Antrittsgelder.

Fragt ihr bei den Athleten an oder kommen die auf euch zu?

Die kommen schon auf uns zu aber wir fragen natürlich auch Athleten an, wie Jan zum Beispiel.

Die Startwelleneinteilung in Roth gilt als eine der fairsten im Triathlonsport. Verfeinert ihr das weiter?

Jörg Schüler, freiJa, natürlich. In diesem Jahr starten drei schnelle Männergruppen bevor die Frauen starten. Das macht es einfacher für die Frauen, die von den schnellen Männern dann nicht mehr überschwommen werden und die schnellen Männer müssen keine eventuell langsamer schwimmende Frauen überschwimmen. Das gesamte Feld wird so besser entzerrt und macht es auch für die Wettkampfrichter einfacher. Das ist wieder ein Resultat unserer Auswertungen des Athleten-Feedbacks und dessen Umsetzung.

Auch bei Fair Sports seid ihr Vorreiter. Aktuell dazu das Thema E-Doping. Wie genau läuft das ab?

Es beginnt bereits beim Check in. Die Räder werden kontrolliert und auf bestimmte Indizien wird geachtet. Wettkampfrichter und Mechaniker-Profis gehen am Ende nochmal durch die Reihen der eingecheckten Räder und achten auf Details. Ist etwas verdächtig, wird es genauer kontrolliert. Und natürlich die Wärmebildkameras. Wir haben mobile Teams im Einsatz und es wird auch stationäre Anlagen geben. Wir haben noch mehr Maßnahmen, die ich hier aber nicht alle verraten möchte.

Habt ihr die Kameras gekauft oder geliehen? <

Geliehen. Das haben wir uns im Vorfeld gut überlegt, denn so können wir sicherstellen, dass wir jedes Jahr immer die neueste Technik bieten können.

Habt ihr bei der Kontrolle eine spezielle Leistungsklasse im Blick? Ein Athlet der nur einmal im Leben das Finish möchte und 15 Stunden unterwegs ist wird doch kaum mogeln?

Nein, es werden alle Athleten ohne Ausnahme kontrolliert. Nur so kommen wir zu einer wirksamen Präventivmaßnahme, die die fairen Athleten schützt. Das hat nichts mit Generalverdacht zu tun. Wir gehen offen mit diesen Maßnahmen um und jeder weiß es. Würden wir es eingrenzen, wären bestimmte Gruppen ausgeschlossen. So weiß jeder, er könnte zur Kontrolle gebeten werden. Wir hatten bereits eine 69-jährige Dame die nach ihrem vierzehneinhalb-Stunden-Finish etwas verwundert zur Dopingkontrolle kam. Aber nur so bleibt es transparent und fair.

Die letzten Veranstalterwechsel der Rennen zwischen der WTC und Challenge waren nicht gut für den Triathlon-Sport. Mit dem kommenden Terminkonflikt von Frankfurt und Roth im kommenden Jahr, scheint ein neuer Schauplatz zu entstehen…

Jörg Schüler, freiIch hoffe nicht! Wir haben bereits am 9. Februar den Challenge Roth Termin für 2017 bekannt gegeben. Da war in Frankfurt noch nichts. Ein Kontakt wäre schön gewesen aber wir haben weder auf unsere E-Mails, noch auf unsere Anrufe Antworten erhalten. Das ist sehr schade. Für die Athleten ist es egal. Durch den bisherigen engen Zeitabstand mussten sie ohnehin schon immer entscheiden. Aber für die Medien, die Messeteilnehmer und die Fans ist es sehr ärgerlich.

Felix, wir danken Dir für das ausführliche und aufschlussreiche Interview und wünschen Athleten, Zuschauern und euch als Veranstalter eine tolle Veranstaltung.

Fotos: Challenge Family, Ingo Kutsche, Jörg Schüler, triathlon.de

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