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Expertenserie mit Annette Gasper: Schwimmen ist richtig Atmen im Wasser

16. Mai 2013 von Annette Gasper

Foto: Christine Waitz,   freiTriathlon ist schön, aber das Schwimmen immer eine Qual. Solche Sätze hört man häufig aus dem Triathleten-Mund. Dabei ist Schwimmen ganz einfach. Besonders für Anfänger gibt es ein Geheimnis zum Erfolg: Das richtige Atmen. Unsere Expertin Annette Gasper erklärt, worauf es ankommt.


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Atmen ist doch selbstverständlich. Selten macht man sich Gedanken über den lebenswichtigen Vorgang, den man täglich tausendfach und ganz automatisch ausführt. Was also ist beim Schwimmen anders? Plötzlich muss man sich auf Dinge konzentrieren, über die man an Land keinen Gedanken verschwendet.

Die Kopfposition

Foto: Chrisitine Waitz, freiBeim Schwimmen verändern wir unsere Körperlage in eine horizontale Position. Das uns gewohnte Bezugssystem dient plötzlich nicht mehr zur Orientierung. Denn wir schauen parallel zur Wasseroberfläche und betrachten die Welt um uns herum aus einer ganz neuen Perspektive. So sehen wir normalerweise nicht, was vor uns passiert, die Orientierung fehlt. Häufig empfindet der Mensch das als unangenehm.

Was tun? Den Kopf heben? Im Schwimmbad könnte man 50 Meter weit nach vorne schauen, aber wozu ? Als Schwimmer interessieren uns maximal ein bis zwei Meter vor uns. Sollte dort Gefahr lauern, können wir immer noch reagieren. Beim Kraulen schauen wir daher direkt nach unten, zum Beckenboden, oder in die Trübe des Sees. Mit etwas Übung kann man aus dieser Position auch die Trainingsuhr lesen, Zeichen vom Trainer am Beckenrand aufnehmen, sich an Bojen orientieren oder im offenen Gewässer die Landregionen lesen lernen.

Tipp: Am Hals sollten keine Nackenfalten zu sehen sein. Diese Falten decken nicht nur eine Schwachstelle in euerer Schwimmhaltung auf, sondern scheuern auch am Neo. Wer also regelmäßig „Bisswunden“ vom Neoprenanzug hat, der sollte seine Kopfposition beim Schwimmen überdenken.

Das Gleichgewichtsorgan

Foto: Christine Waitz/freiUnser Gleichgewichtsorgan befindet sich ihm Ohr und bestimmt unsere Körperlage und Position. Beim Schwimmen läuft es jedoch gerne einmal voll Wasser. Besonders dann, wenn sich nur ein wenig Wasser hinein verirrt, kann der Gleichgewichtssinn beeinträchtigt sein. Das erschwert Koordination und Orientierung.
Ist das Ohr ganz voller Wasser kann sich unser Körper darauf einstellen – Probleme treten dann nicht auf. Auch wenn kein Wasser im Ohr ist, weil zum Beispiel die Badekappe über die Ohren gezogen ist, oder man Ohrenstöpsel verwendet, verläuft das Schwimmen unproblematisch. Wer also häufig mit Gleichgewichtsproblemen im Nass zu kämpfen hat, der ist mit Bademütze oder Ohrstöpseln gut beraten.

Das Atmen

Beim Schwimmen ist der Zeitpunkt wann man ein- und wann man ausatmen kann sehr klar vorgegeben. Fügt man sich diesen Vorgaben, ist Schwimmen genauso einfach wie Laufen. Doch wann ist der richtige Zeitpunkt?

Ein altes Kinderspiel im Schwimmbad ist die „Pumpe“. Man lässt sich auf den Boden sinken und atmet aus, dann stößt man sich vom Boden ab, schießt an die Wasseroberfläche und holt Luft, um im nächsten Moment wieder zu Boden zu sinken und auszuatmen. Dieses Spiel kann man beliebig lang wiederholen ohne in Atemnot zu geraten. Wichtig ist, beim Absinken Luft auszuatmen um später genug Raum für frische Luft zu haben.

Foto: Annette Gasper, einmalig

Beim Kraulen machen wir es genauso. Zur Übung des Atmens ist das Einarmschwimmen ideal. Wir atmen immer auf die gleiche Seite, der andere Arm kann nach vorne gestreckt liegen bleiben und gleiten. Solange der Zug des aktiven Armes unter Wasser nach hinten geht, wird der Körper leicht um die Längsachse gedreht. Diese Zeit ist ideal um den Kopf ebenfalls Richtung Schulter zu drehen und einzuatmen. Dabei ist es ganz leicht den anderen Arm vorne liegen zu lassen. Wenn die Hand über Wasser zurückgeführt wird, dann dreht der Kopf zurück ins Wasser und man kann in Ruhe wieder ausatmen.

Den Kopf nicht zu weit aus dem Wasser heben

Die Mehrzahl der Schwimmer, die ich treffe atmen deutlich später ein. Die Folge ist, dass der führende Arm absinkt und der Kopf zum Atmen sehr weit aus dem Wasser gehoben wird. Das wollen wir unbedingt vermeiden, denn dieses Verlassen der Wasserlage ist sehr unökonomisch.
Wer die die ökonomische Wasserlage einüben möchte, der versucht sich am Beinschlag in Seitlage. Diese Übung erfordert am Anfang etwas Geduld, aber je besser man mit ihr zurechtkommt, um so einfacher wird das Atmen beim Kraulschwimmen. Der Körper liegt dabei parallel zum Beckenrand, der untenliegende Arm ist nach vorne ausgestreckt, der obere Arm liegt entspannt am Körper an. Ausgeatmet wird Richtung Wand, erst wenn die Luft die Lunge verlassen hat, wird der Kopf Richtung Schulter zum Einatmen gedreht.

Keine Hektik!

Foto: Christine Waitz/freiKeine Hektik beim Atmen: Gerade bei der Übung des Einarmschwimmens hat man einen halben Zug Zeit zum Einatmen und einen halben Zug Zeit zum Ausatmen.
Tipp: Nicht zu tief atmen. Oft ist man außer Puste und weiß nicht warum. Wir haben rund fünf Liter Lungenvolumen. Beim Atmen an Land nehmen wir zirka 0.75 Liter auf und atmen die gleiche Menge wieder aus. Beim Schwimmen sollte das genau so sein. Ganz wichtig: nie die Luft anhalten.

Mit etwas Training wird Schwimmen ganz einfach!

Zur Website swimpower.de.

Fotos: triathlon.de, Annette Gasper

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