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Expertenserie: Interview mit Sailfish-Gründer Jan Sibbersen – „Schlechte Schwimmer brauchen guten Neo“

21. Juni 2012 von Nora Reim

Er schwimmt wie ein Fisch, nur ohne Kiemen: Jan Sibbersen stellte beim Ironman Frankfurt 2004 die Weltbestzeit auf einer offiziell vermessenen 3,8 Kilometer langen Schwimmstrecke auf: In nur 42:17 Minuten pflügte der ehemalige Triathlon-Profi durchs Wasser. Im Gespräch mit triathlon.de erklärt der Gründer von Sailfish, worauf es im nassen Element ankommt.


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Foto: triathlon.de frei

Jan Sibbersen

Jan, beim Stadttriathlon Erding 2012 hast du für die 1,5 Kilometer lange Schwimmstrecke gerade mal 17:22 Minuten gebraucht. Wie oft trainierst du pro Woche?

In Erding habe ich spontan aus Spaß  mitgemacht, nicht für die Ergebnisliste (Sibbersen wurde auf der Radstrecke wegen Überfahrens der Mittellinie disqualifiziert, Anm. d. Red.). Neben meiner Firma schwimme ich bei unseren Sailfish-Swimnights am Langener Waldsee mit. Außerdem teste ich neue Produkte im Wasser – in den Neo rein und los geht’s! So komme ich auf zwei Mal Schwimmen pro Woche.

Beim Ironman Hawaii ist dir vier Mal der schnellste Schwimm-Split gelungen. Wie wird man so ein guter Schwimmer?

Vielen wird es in die Wiege gelegt (Sibbersen schwamm als 17-Jähriger für den SV Coburg die 1500 Meter Freistil erstmals unter 16 Minuten auf der 50-Meter-Bahn, Anm. d. Red.). Es gilt: Je später man damit anfängt, desto schwieriger wird es. Wer jedoch über einen längeren Zeitraum von etwa einem Jahr mit Trainer und schnelleren Athleten trainiert, hat die Chance, ein guter Schwimmer zu werden.

Was ist der grundlegende Unterschied zwischen Schwimmen im Freiwasser und im Becken?

Im Freiwasser ist es es dunkel, man sieht nichts unter Wasser.  Das kann Orientierungslosigkeit und sogar Panik verursachen, wenn man das Schwimmen im offenen Gewässer nicht übt.

Apropos Panik – wie vermeide ich, dass das Anziehen des Neos bei Wettkämpfen in Stress ausartet?

Neos gehen kaputt, wenn man sie vor dem Start unter Zeitdruck schnell anzieht. Deshalb empfehle ich, den Neo eine halbe Stunde davor in Ruhe anzuziehen. Um das Material nicht zu beschädigen, sollte man einen Plastik- oder Gefrierbeutel über die Hände und Füße stülpen und dann den Anzug darüberziehen. Der Neo muss im Schritt gut sitzen, sonst wird’s am Hals nicht passen. Außerdem sollte der Anzug an den Armen etwas in Richtung Schulter gezogen werden, so dass genügend Material im Schulterbereich ist. Das Schließen geht am einfachsten mit Hilfe einer Begleitperson. Wer will, kann sich davor noch mit einer Skin & Neck Protect-Creme am Hals und unter den Achseln einreiben, um etwaige Scheuerstellen zu vermeiden. Die Schwimmbrille sollte unbedingt unter der Badekappe sitzen – so kann sie einem im Wasser nicht weggeschlagen werden!

Hand aufs Herz: Inwiefern kann ein guter Neo eine schlechte Schwimmtechnik kompensieren?

Normalerweise müsste man den Athleten empfehlen, dass der schlechteste Schwimmer mit dem besten Neo unterwegs sein sollte. Das ist natürlich auch eine Budgetfrage. In Bezug auf den Wetsuit lautet die Grundregel: Je teurer der Anzug, desto flexibler und angenehmer ist das Material. Wenn ich für einen guten Neo 200 Euro mehr ausgebe, habe ich mehr davon, als das gleiche Geld in ein zehn Gramm leichteres Radteil zu investieren.

Ich habe meinen Neo angezogen und stehe als schwacher Schwimmer am Start. Wo soll ich mich einreihen?

Ganz klar: Hinten! Lieber ein paar Leute überholen, als komplett überschwommen zu  werden. Schwache Schwimmer sollten sich auf der Strecke außerdem am Rand halten.

Im Wasser habe ich plötzlich das Gefühl, im Neo vor Hitze zu verbrennen. Was soll ich tun?

Bei Überhitzung hilft nur eins: Den Kragen runterziehen und Wasser reinlaufen lassen! Das geht natürlich nicht beim Schwimmen, sondern nur, wenn ich kurz anhalte.

Letztes Szenario: Mir geht unterwegs die Luft aus. Wie hole ich Hilfe?

Wenn ich noch die Kraft habe, sollte ich als Erstes zur Seite schwimmen und rufen. Falls das nicht mehr geht, muss ich im Notfall jemanden anhalten, damit dieser für mich ruft.

Vielen Dank für das Gespräch. triathlon.de wünscht allseits guten Auftrieb im Wasser.

Mehr Informationen zu Sailfish findet ihr hier.

Fotos: Sailfish/triathlon.de

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