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Expertenserie: Dr. Klaus Pöttgen über Ernährung und Rehabilitation

21. März 2014 von Dr. Klaus Poettgen

Foto: Christine Waitz,   freiDr. Klaus Pöttgen ist medizinischer Leiter des Ironman Germany. In seinen wissenschaftlichen Veröffentlichungen widmet er sich vor allem auch sportlichen Themen. In dem Text, den er uns zur Verfügung gestellt hat, beschäftigt er sich mit Rehabilitation und Ernährung. Für all diejenigen, die sich gerne in die Materie vertiefen wollen.


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Belastung führt je nach Trainingsform in der beanspruchten Muskulatur zum Anstieg der Proteinbiosynthese und Spezifizierung der Muskulatur und deren Fasertypen. Ebenso führt eine Reduzierung der Belastung oder eine Verletzung zum Abbau von Muskelmasse. Dies ist mit Funktionsverlust durch Atrophie und katabole Prozesse sowie verminderter Proteinbiosynthese verbunden. Signalmoleküle wie mTOR (mammalian Target of Rapamycin) sind direkt für die Erhöhung der Proteinsynthese im Skelettmuskel verantwortlich.

Phasen der Verletzung

Die Verletzungs- oder Destruktionsphase ist mit der Einwanderung von Makrophagen sowie Neutrophilen bei der Entzündungsreaktion und mit einem Anstieg von Zytokinen und Wachstumsfaktoren wie TNF-? und IL-6 verbunden. Die Reperaturphase dient der Muskelfaserregeneration, Gefäßneubildung und Extrazellulärmatrixbildung ggf. bis zur erneuten Reinervation nach Nervenverletzung. Sie ist meist durch Immobilität und dadurch induzierten Proteinkatabolismus gekennzeichnet.

Eine verminderte Proteinbildung in Muskeln und Sehnen sowie eine verminderte Stimulierung durch Aminosäuren führt zu einem raschen und dramatischen Abbau von Muskelgröße und -kraft, Sehnenstruktur und Funktion. Eine Reduktion der Proteinbiosynthese wird bereits 6 Stunden nach Immobilisation (Unbeweglichkeit) bis zu 37 % beobachtet und kann mit Faseratrophie mehrere Tage bis Wochen dauern.

Rehabilitation, wenn Mobilität wiederhergestellt

Die Rehabilitationsphase folgt sobald sich die Mobilität wieder eingestellt hat und zielt auf eine erhöhte Aktivität der verletzten Gliedmaßen. Je nach Schwere der Verletzung wird nach ca. zwei Wochen die Remodelierungsphase mit der spezifischen Herstellung der belastungstypischen Muskel-, Sehnen und Bandstrukturen erreicht. Zellkerne in einer Muskelfaser sind nicht teilungsfähig. Zusätzliche Kerne werden allerdings für Wachstum oder einen Heilungsprozess gebraucht, wenn sich die Muskelfaser vergrößern soll.
So ist die Aktivierung der anliegenden Satellitenzellen notwendig, die sich bei Bedarf in zwei Tochterzellen teilen und nach zwei bis drei Tagen ihr Maximum erreicht. Vorrausetzung für die folgende erfolgreiche Muskelreperatur ist die Verschmelzung des einen Kernes mit der Muskelfaser und deren Teilung, während die andere wächst und sich eventuell wieder teilt.

Muskelfaserverletzungen sind ab dem Grad von Muskelfaserrissen nach drei bis fünf Tagen (Immobilisierungsphase) durch provisorisches Narbengewebe soweit verbunden, dass z.B. mit Lauftraining begonnen werden kann um in dieser anschließenden Mobilisierungsphase eine optimale Muskelfaserneubildung in der unreifen Extrazellulärmatrix zu gewährleisten.

Die ideale Nährstoffzufuhr

Christine Waitz, freiIm Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt einen täglichen Proteinbedarf von 0,8 bis 1,2g/kg Körpergewicht, wobei Leistungssportler einen deutlich höheren Bedarf bis zu 2 g/kg Körpergewicht haben. Eine Proteinaufnahme von unter 1 g/kg Körpergewicht führt bei Leistungssportlern sogar zu einer negativen Stickstoffbilanz. Sport bewirkt einen erhöhten Proteinumbau und – umsatz als Zeichen von Anpassungs-, Reperatur- und Regenerationsvorgängen, der zu einem täglichen Aminosäurenaustausch von 2–15% führen kann (2–6% physiologisch normal).

Eiweiß kann im Gegensatz zu Fett und Kohlenhydraten nicht gespeichert werden. Aminosäuren wirken damit an sich anabol oder werden im Stoffwechsel verbrannt bzw. in Kohlenhydrate oder Fett umgebaut. So zeigt Hühnereiweiß 48%, Fleisch 32%, Kuhmilch 16% und Sojaprotein 17% anabole Verstoffwechselung. Der Rest wird entsprechend oxidiert und verbrannt.

Was ihr in der Veletzungsphase verstärkt zu euch nehmen solltet und was weniger, das erfahrt ihr auf der nächsten Seite.

Zur nächsten Seite.


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