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Expertenserie mit Rainer Wittmann: Rettungsanker bei Überlastungssymptomen

17. Januar 2013 von Christine Waitz

Foto: Christine Waitz,   freiWir stellen ein weiteres Gesicht der triathlon.de Expertenrunde vor. In seiner Praxis lässt sich regelmäßig nicht nur nationale, sondern immer öfter auch internationale Elite behandeln. Physiotherapeut und Heilpraktiker Rainer Wittmann erklärt uns, warum gerade Sportler zunehmend auf alternative Behandlungsformen zurückgreifen, spricht über häufige Wehwehchen, Möglichkeiten und Grenzen der Alternativmedizin.


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Rainer Wittmann ist Physiotherapeut und Heilpraktiker. Er hat seine Praxis inmitten des sportbegeisterten Landkreises Roth, in Hilpoltsein. Entsprechend sieht auch seine Patientenliste aus. Viele Sportler setzen auf seine Hilfe. Die individuelle, gezielte und aus zahlreichen Ausbildungszweigen schöpfende Diagnose bringt Probleme schnell ans Licht und verhilft zu schnellerer Genesung. Einlassen muss man sich allerdings auf Methoden wie Muskeltests, Naturheilverfahren oder homöopathische Behandlungen.

Dennoch, in der regionalen Sportlerszene ist er schon lange kein Geheimtipp mehr und wird vor allem dann zu Rate gezogen, wenn zahlreiche andere Behandlungsmethoden nicht zum gewünschten Erfolg geführt haben. Auf einen Behandlungstermin wartet man deshalb auch wochenlang. Wir haben Rainer Wittmann dennoch zu einem Gespräch erwischen können.

Foto: Christine Waitz, freiRainer, wenn man alle deine Zertifikate einmal an eine Wand hängen würde, wie viele verschiedene Ausbildungszweige und Qualifikationen kämen da wohl zusammen? Die Bezeichnung Physiotherapeut und Heilpraktiker kratzt ja nur die Oberfläche deiner Kompetenzen an.

Im Grunde gibt es nur eine einzige Therapierichtung mit vielen Ausbildungszweigen. Bei der ist der Patient, der Mensch, der Sportler entscheidend. All die verschiedenen Ausbildungszweige waren nur notwendig um die verschiedenartigen Krankheitsbilder behandeln zu können und den unterschiedlichen Anforderungen gerecht zu werden.

Dabei war eine neurologische Ausbildung, eine teilosteopatische Ausbildung und eine naturheilkundliche Ausbildung, die wiederum aus Neuraltherapie, Bachblütenbeahndlung, orthomolekularer Medizin, homöopathischer Medizin, phytotherapeutischer Medizin, besteht – sportphysiotherapeutische Dinge sind dort bereits beinhaltet. Außerdem sind chirurgische und sportmedizinische Ausbildungsbereiche standardmäßig mit dabei.

Mittlerweile sind viele deiner Patienten Sportler, im letzten Jahr warst du als Therapeut mit in einem Trainingscamp und vor der Challenge Roth gibt es alljährlich die „Sportler-Tage“ in deiner Praxis. Warum setzen besonders Sportler oft auf deine Hilfe?

Häufig ist es so, dass ich der letzte Rettungsanker bin, vor allem für langwierige und chronische Beschwerden. Beispielsweise im Bereich der Achillessehne, oder bei Rückenschmerzen und Schulterschmerzen, die auf Dauer schlecht therapierbar sind. Meist aufgrund von Therapieblokaden, die bis zu diesem Zeitpunkt unerkannt blieben.

Viele andere wiederum kommen auf Empfehlung von Sportlern, denen es durch die Behandlung besser geht.

Gibt es unter den Triathleten Probleme, die man besonders häufig sieht? Und gibt es vielleicht sogar ähnliche Ursachen?

Besonders häufig sieht man Verschleiß- oder Überlastungssymptome, diese wiederum sind oft an Achillessehne, ISG, Schulter und Halswirbelsäule zu beobachten.
Die Ursachen dazu sind sehr vielfältig und so nicht auf einen Nenner zu bringen. Dennoch fallen Problemstellen wie Zähne, falsches Schuhwerk, schlechtes Essverhalten und dadurch resultierende Übersäuerung des Stoffwechsels, sprich der Muskulatur auf. Nichts desto trotz: Ich denke, Triathlon ist – abseits des Leistungssports, der nie gesund ist – ein gesunder Sport.

Viele Menschen stehen der Alternativmedizin immer noch skeptisch gegenüber. Zuckerkügelchen und Muskeltests sind nicht jedermanns Sache. Wo siehst du Möglichkeiten, aber auch Grenzen deiner Behandlungsweise?

Die Möglichkeit besteht eindeutig in der Zusammenführung schulmedizinischer und naturheilkundlicher Konzepte und der konsequenten Ausbehandlung. Diese Möglichkeit wird von Seiten der Schulmedizin häufig vergeben, weil sie in der Regel zu technisch ist und der Mensch nicht als ganzes betrachtet wird.
Wenn man auf der Gegenseite zu einem „verkopften“ Heilpraktiker geht, dann bekommt man nur Zuckerkügelchen, es wird das Symptom als solches zu wenig betrachtet, und man muss ein Jahr Kügelchen nehmen bis man überhaupt etwas merkt.
Die Kombination aus beiden Herangehensweisen schafft Möglichkeiten zur fall- und patientenorientierten Behandlung.

Auch Grenzen sind ganz klar vorhanden. Man kann nur heilen, so lange der „biologische Schnitt“, also eine Zerstörung des Körpers, noch nicht fortgeschritten ist. Nur dann ist eine 100% Heilung möglich. Eine Arthrose, also den Knorpelabrieb zum Beispiel am Knie, werde ich wohl lindern können und auch eine Operation herauszögern können, teilweise über Jahre hinweg, dennoch, einer Heilung sind hier Grenzen gesetzt.

Wenn du den Sportlern einen Tipp mitgeben würdest, wie würde der lauten?

Wenn es Beschwerden gibt, dann sollte man diese nicht chronifizieren lassen, also ein halbes Jahr warten bis man tätig wird. Denn dann dauert auch die Behandlung wesentlich länger.
Man muss achtsam sein, mit dem eigenen Körper. Die Warnsignale, die er gibt, sollte man versuchen einzuordnen und gezielt darauf zu reagieren. Man braucht deswegen nicht gleich Trainingspause zu machen, sondern die konkrete Einordnung verlangt dann nach der Behebung des Fehlerreizes. Zum Beispiel mehr zu trinken, oder die harte Einheit um einen Tag zu verschieben, weil es eben gerade nicht geht.
So wird der gesundheitliche Rahmen eingehalten, in dem eine Leistungssteigerung möglich ist, aber keine körperliche Zerstörung statt findet.

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Fotos: triathlon.de

 

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