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„Kraul einfach ein bisschen mit!“

Bericht eines Triathloneinsteigers:
„Kraul einfach ein bisschen mit!“

17. April 2010 von Christian Friedrich

Hellmut BlumenthalVor 26 Monaten machte Trisportler Hellmut Blumenthal seine ersten Schritte im Triathlon. Hier berichtet er, wie es ihm als Nicht-Ausdauersportler ergangen ist . . .


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Die Beinmuskeln brennen, die Arme wühlen sich verzweifelt durchs Wasser, ich verliere langsam die Orientierung. Schließlich breche ich ab, tauche mit dem Kopf auf, japse verzweifelt nach Luft. Das waren sie, die ersten zehn (richtig, ZEHN) Meter meiner Triathlonkarriere. Wir schreiben den Januar 2008, und ich, 43, Single, kinderlos, bin auf der Suche nach einer neuen Herausforderung. Die Fußballschuhe habe ich nach diversen Blessuren an den Nagel gehängt, und was regelmäßige Besuche im Fitnessstudio betrifft, hat die Motivation es selten leicht gegen einen äußerst beißwütigen inneren Schweinehund.

Klarer Fall: Ein Ziel muss her, auf das ich hinarbeite. Der Triathlon, eine Sportart, die den ganzen Körper trainiert. Klingt gut. Und immerhin: Laufen konnte ich beim Fußball immer ganz gut, Schwimmen (Brust), haut auch leidlich hin, und mit meinem Trekkingrad werd ich schon irgendwie ankommen. So viel zur Theorie. Die Praxis sieht anders aus . . .

„Spring einfach rein und kraul ein bisschen mit“, hat mir Martin, der Trisport-Schwimmtrainer, beim Probetraining fröhlich zugerufen. Leicht gesagt. Denn Freistil-Schwimmen kenne ich bisher nur aus dem Fernsehen. Schnell wird mir klar: Das muss ich von der Pike auf lernen. Zwar könnte ich, besonders beim Volkstriathlon, den ich zunächst anstrebe, auch Brust schwimmen, aber auch hier packt mich die Lust auf was Neues. Bei einem Einsteigerkurs lerne ich erstmal, wie eine Leiche im Wasser zu treiben, und langsam, ganz ganz langsam, stellen sich Fortschritte ein.

Auch beim Laufen muss ich zunächst ziemlich kleine Brötchen backen. Nachdem ich gelernt habe, was ein „Sechser-Schnitt“ ist, nämlich sechs Minuten für einen Kilometer, denke ich mir: „Im Sport-Abi bin ich 1.000 Meter in drei Minuten gerannt – easy!“ Und schließe mich beim Donnerstags-Lauftreff der Sechser-Gruppe an. Aber nur einmal. Danach laufe ich, wieder ein Stück demütiger geworden, bei der langsamsten Gruppe mit. Auch hier heißt es: Geduld haben, doch langsam geht’s aufwärts.

Bleibt noch das Radfahren. Das läuft, muss ich gestehen, zunächst etwas nebenbei. Den größten Nachholbedarf habe ich beim Schwimmen, und das den Wettkampf abschließende Laufen ist, das bestätigt jeder Athlet, die härteste Herausforderung. Doch eine Änderung erfährt mein ursprünglicher Plan: Auf Drängen meines Arbeitskollegen Toni, eines leidenschaftlichen Radlers, lege ich mir ein Rennrad zu. Und bin so was von froh darüber. Denn Trekkingradeln und Rennradeln – das sind zwei Welten. Zum ersten Mal in meinem Leben macht mir Radfahren wirklich Spaß.

So trete ich, nach etwa vier bis fünf Mal Training die Woche (selten länger als eine Stunde), am 22. Juni 2008 zu meinem ersten Stadttriathlon an, auf der Sprintdistanz. Und werde die positive Anspannung vor dem Start, das Herzklopfen, das Kribbeln am ganzen Körper, nie vergessen. Das Schwimmen verläuft recht problemlos, ich wechsele zwischen Brust- und Freistil. Denn an mehr als 50 Meter Kraulen am Stück, geschweige denn 400, ist noch lange nicht zu denken. Doch dann kommen die ersten Tücken: Beim Ausstieg aus dem Wasser tapse ich, leicht benommen, wie Bär nach dem Winterschlaf zu meinem Rad. Das plötzliche Aufrichten macht einem ganz schön zu schaffen. Auch die „vierte Disziplin“, das Wechseln, erweist sich als Schwachpunkt: Fast drei Minuten vertrödele ich beim Umziehen – Topathleten kommen mit einer Minute aus. Da hilft nur üben! Das Radeln auf dem brettflachen 20-Kilometer-Kurs bei Sonne und kaum Wind ist einfach nur toll. So toll, dass ich mir immer wieder einhämmern muss: „Nicht überpacen, du musst noch laufen!“

Gut so: Die vier Kilometer bis zum Schrannenplatz sind noch mal verdammt anstrengend, besonders die ersten tausend Meter, bis man den Wechsel vom Rad verarbeitet hat. Leicht dagegen die letzten 200 Meter, denn die Gewissheit, es bald geschafft zu haben, setzt bei mir unglaubliche Glückshormone frei. Mit einem Jubelsprung komme ich im Ziel an. Nach einer Stunde, zwölf Minuten und 56 Sekunden. Platz 195. Doch irgendwie fühle ich mich wie ein Sieger. Für Momente wie diesen hat sich alles Training gelohnt.

März 2010: Inzwischen habe ich meinen ersten Olympischen Triathlon hinter mir, fühle mich körperlich so gut wie lange nicht – und schaffe es sogar, 1.500 Meter am Stück zu kraulen. Hätte ich mir nicht träumen lassen, damals im Januar 2008…

Von Helmut Blumenthal

Info: Erding Triathlon

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