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Eisig kalt und schweißnass: Laufen trotz eisiger Temperaturen?

27. Dezember 2014 von Michael Raab

Michael Raab,   einmaligDie Wettkampfsaison ist zu Ende, Ziele erreicht oder auch nicht, auf jeden Fall nimmt die Motivation genauso ab wie die Tage kürzer werden. Bis dato kämpfte ich immer dagegen an, wollte die Form so gut wie möglich über den Winter bringen. Doch dieses Jahr ist alles anders. Die Rennen liefen außerordentlich gut und aktuell ist sowohl im Job als auch Privat viel los. So wurde aus einer Regenerations- eine bewegungsfreie Auszeit. Ab in die Laufschuhe!?


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Nun gut, wenigstens fahre ich die drei Kilometer mit dem Rad ins Büro. Aber sonst halte ich mich an Jan Ullrich, dem Plätzchen und Christstollen besser als eisige Stunden im Sattel schmeckten. Natürlich bin ich damit kein gutes Beispiel.

Vor allem weil ich es besser weiß. Zum Beispiel, dass mein Körper aufgrund des fehlenden Lichts weniger vom Glückshormon Serotonin ausschüttet. Schon deshalb würde ein Lauf an der frischen Luft ein paar Endorphine freisetzen und die Stimmung trotz des öden Graus sofort heben.

Okay, die persönliche Bestzeit beim Silvesterlauf zu knacken habe ich bereits abgehackt. Was spricht also dagegen, heute Abend wenigstens für eine kleine Runde die Laufschuhe anzuziehen. 1.000 gute Gründe.
Michael Raab, einmaligDie natürlich allesamt Blödsinn und nur Vorwand sind. Tatsache ist, dass es bis gut minus 10 °C nicht zu kalt zum Laufen ist. Es strengt uns bei moderaterem Tempo halt nur mehr an. Aber das ist bei extremer Hitze genauso der Fall und hat folgenden Hintergrund: Unser Körper funktioniert am besten, wenn das Blut um die 37 °C hat. Ist uns zu heiß, fangen wir an zu schwitzen und kühlen uns über die Verdunstungskälte herunter. Ist uns zu kalt, erzeugen die Muskeln mit Kältezittern Wärme. Genau deshalb werden bei kühleren, weil optimalen Temperaturen die schnellsten Zeiten über Langdistanzen gelaufen.

Ziehen wir uns nun im Winter beim Laufen zu warm an…

Schwitzen wir übermäßig viel und versuchen so Wärme abzugeben und unsere ideale Körpertemperatur wieder herzustellen. Deshalb mit Mütze, Handschuhe und einer Schicht mehr zum Warmup loslaufen und bei Bedarf diese einstecken und um die Hüfte binden. Bestenfalls haben diese Teile eine vor eisigem Wind schützende Membran eingearbeitet. Allerdings ist es bei den meisten leider auch so: je undurchdringlicher von außen, je stauender von innen. Jeder kennt das Problem mit den nassen Ärmeln. Das Unsinnigste sind nun Produkte, die im Winter die durch die Muskelarbeit entstehende Energie nutzen und wärmen statt kühlen. Das macht nur während langer Pausen Sinn.

Michael Raab, einmaligEin Aspekt, weshalb das Laufen zu dieser Jahreszeit uns zwar gut tut und das Immunsystem fördert, aber auch mehr anstrengt, ist die kalte und zugleich trockene Luft. Sie fordert unsere Atmung stärker. Läuft man zu schnell los, spüren wir schon nach ein paar Minuten die gereizten Atemwege, die durch das tiefe Einatmen sowohl auskühlen als auch -trocknen.

Aber keine Angst.

Rund ein Viertel der Menschen haben damit Probleme und aufgrund des Hagen- Poiseuille-Gesetzes können die Bronchien nicht vereisen. Denn indem von der Luftröhre weg die Atemwege immer kleiner werden und die eingeatmete Luft dadurch langsamer fließt, kann sie sich auch erwärmen.

Hinzu kommt, dass die Muskeln rund um die Atemwege zu krampfen und die Schleimhäute zu schwellen beginnen. Wir bekommen weniger Luft, atmen deshalb schneller. Oftmals geht das mit einem Räuspern und oder Husten einher und ist die erste Stufe eines Anstrengungsasthmas. Deshalb den Körper wie einen wertvollen Porsche Motor langsam warmlaufen und, erst wenn die Betriebstemperatur erreicht ist, das Tempo anziehen. Dabei immer durch die Nase atmen, was den eigenen Motor zwar drosselt, aber die eingeatmete Luft von Schmutz und Bakterien filtert, anfeuchtet und erwärmt. Grundsätzlich gilt: Wer bei Kälte Probleme mit der Atmung hat, ist in der Regel zu schnell unterwegs.

Michael Raab, einmalig

Womit wir wieder beim Silvesterlauf wären.

Klar, im Winter schaffen wir die solide Basis für einen guten Start in die Saison – sofern wir ihn gesund überstehen. Und da kommen ein paar Glückshormone bei einem schnellen Wettkampf-Läufchen gerade recht. Deshalb davor brav und vor allem draußen warmlaufen und dabei die Atemwege bewusst reizen. Während der Pause drinnen schüttet unser Körper den Luftweg erweiternde Botenstoffe aus, so dass wir im Rennen reizfrei und auf natürlichem Weg unser volles Leistungspotential abrufen können.

In diesem Sinn frohe Weihnachten, wir sehen uns an der Startlinie!

Michael

Zur Website von Trail Maniak.

Michael Raab, einmaligP.S.: Wer im Winter eine besondere Challenge sucht, der fährt am 28. Februar nach Kitzbühel zum Vertical Up. Dabei gilt es am Abend die legendäre Skiweltcup Rennstrecke Streif zu bezwingen. Die Regeln sind einfach: Wer zuerst die 3.312 Meter und 860 Höhenmeter mit maximal 85 % Neigung hinauf zum Hahnenkamm erklimmt, gewinnt. Erlaubt dabei ist jegliches Sportgerät. Touren- genauso wie Langlaufski, Schneeschuhe, Steigeisen, Trail- oder Laufschuhe mit polierten Spikes und Stöcke. Die Siegerzeiten liegen unter 35 Minuten, Spaß und Hüttengaudi im Ziel sind garantiert.

Fotos: Trail-Maniak.com

Michael Raab fuhr in seiner ersten sportlichen Karriere im Freestyle Europacup und ist noch heute als Tiefschnee-Guide und Buckelpisten-Coach tätig. Im Sport-Business arbeitete er unter anderem für die Marken Bogner, Suunto und X-BIONIC sowie X-SOCKS. Die Liebe zum Laufen entdeckte er auf den Trails, finishte den UTMB ebenso wie den Marathon des Sables und Transalpine Run und lief bei den 100MeilenBerlin in die Top Ten. Als Partner von TRAIL-MANIAK – pure Trail experience veranstaltet er Events und reist mit Athleten zu den schönsten Trails dieser Welt, zum Beispiel Ende Oktober zur Premiere des Ultra Trail Morocco Eco Sahara.
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