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Welcher Sportler kennt das nicht – Das Kreuz mit dem Kreuz

28. Februar 2014 von Uli Nieper

Ingo KutscheDie Wirbelsäule als zentrales Achsenorgan des Menschen ist besonderen Belastungen ausgesetzt. Durch den schnellen Übergang in unserer Evolution vom Vierbeiner zum Zweibeiner sind Schwachstellen entstanden, an die sich unserer Körper nur sehr ungenügend angepasst hat. Dr. Uli Nieper beleuchtet das Kreuz mit dem Kreuz.


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Besonders die Übergänge von sehr beweglichen Abschnitten der Wirbelsäule (z.B. der obere Anteil der Lendenwirbelsäule) zu den sehr unbeweglichen Abschnitten der Wirbelsäule (unter Anteil der Lendenwirbelsäule) sind Schwachstellen, die schon bei 40-jährigen deutliche Abnutzungen zeigen können, die aber nicht unbedingt sofort Schmerzen verursachen müssen.

Verstärkt werden können diese Verschleißerscheinungen durch Vorschäden aus dem Wachstumsalter und Fehlbelastungen in der Jugendzeit durch zu frühen und intensiven Trainingsbeginn. Beim Kind sind besonders die Bandstrukturen an der Wirbelsäule noch ungenügend ausgebildet, so dass es dort schnell zu Überbelastungen kommen kann. Auch die muskuläre Situation ist noch nicht so gut wie beim Erwachsenen, so dass die Überbelastung der Wirbelsäule kompensiert werden könnte. Andererseits ist der junge Mensch aber auch sehr beweglich, was einigen Sportarten, wie z.B. dem Turnsport, zugute kommt.

Zu viel Sitzen schadet den Bandscheiben

Von der mobilen Phase bis zum Vorschulalter geht unser Leben direkt in eine statische Phase mit überwiegend sitzender Tätigkeit über. Und dies ist besonders für die Bandscheibe ein großes Problem. Die Bandscheibe ist ein Gewebe, das ohne Blutgefäße ernährt werden muss. Sie wird durch Kompression und Dekompression, durch Bewegung in der Wirbelsäule, mit Nährstoffen versorgt. Unterbleibt dies, trocknet die Bandscheibe quasi aus, wird spröde, geht kaputt und es kommt zum Bandscheibenvorfall. Daher ist Bewegung und Sport für die Lebenszeit der Bandscheibe entscheidend und verantwortlich. Sport sollte aber mit Vernunft betrieben werden.

Sportartspezifische Probleme

Ingo KutscheDas Hauptproblem von Beschwerden an der Wirbelsäule im Sport liegt an einer zu geringen und falschen Belastung. Bei sportlicher Belastung passt sich der gesamte menschliche Organismus an. Besonders das Herz-/Kreislaufsystem adaptiert sich am schnellsten. Dann folgt die Muskulatur mit ihren Sehnen. Zum Schluss und mit Abstand die langsamste Anpassungsfähigkeit hat das Bindegewebe, wie Bandstrukturen zwischen den einzelnen Knochen, Knorpel in den Gelenken und auch die Bandscheiben.  Das heißt der Motor, in diesem Fall das Herz und die Lunge, passen sich sehr schnell an und können in wenigen Monaten schon Höchstleistung bringen und das Fahrwerk, wie Muskeln, Sehnen, Bänder und die Bandscheiben hinken hinterher und können so überbelastet werden und Schaden nehmen.

Natürlich gibt es nicht nur Überlastungsschäden durch Sport an der Wirbelsäule, sondern auch Schäden durch Unfälle. Die Schädigungen entstehen durch extreme Hohlkreuzbewegungen (Lordosierungen), axiale Stauchungen und Verdrehbewegungen ( Torsionsbewegungen).

Untersuchen zeigen, dass 5% aller Sportschäden die Wirbelsäule betreffen.

Schwimmen

Schwimmen wird als Sportart für die Wirbelsäule grundsätzlich empfohlen. Die Muskulatur, auch die Rumpfmuskulatur, wird im Vergleich zu den anderen Sportarten mit Entlastung des Körpergewichts, also auch der Wirbelsäule, trainiert.

Probleme gibt es nur im Leistungssport beim Kraul – und Delphinschwimmen mit  extremen Hohlkreuz.

Radfahren

Beim Radfahren können natürlich Sturzverletzungen fatal enden. In der Vergangenheit gab es schon einige schwere Stürze mit Querschnittsverletzungen, besonders im Halswirbelsäulenbereich. Auch der Rundrücken, Buckel, ist schon eine sehr radsportspezifische Eigenheit. Jahrelanges Training, durch die Wachstumsphasen hindurch, fixiert den Rundrücken. Auch die extreme Nackenhaltung, besonders beim Zeitfahren mit extremer Sattelüberhöhung, führt zu Beschwerden.

Laufen

Beim Laufen entstehen axiale Stauchungskräfte, die abhängige vom Laufstil, Untergrund und Schuhmaterial nicht unerheblich sind. Hier ist besonders die Rumpfmuskulatur gefordert, die die Strukturen der Wirbelsäule unterstützt und stabilisiert. Die Dämpfung der Laufschuhe beeinflusst die axiale Stauchung der Wirbelsäule.

Auf Seite zwei: Diagnose, Therapiemöglichkeiten und Prophylaxe

Fotos: Fotolia.com, Ingo Kutsche


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Autor: Uli Nieper war von 1996 bis 2001, neben seiner Ausbildung zum Orthopäden, als Mannschaftsarzt der SpVgg Unterhaching in der Fußballbundesliga unterwegs. Von 2002 bis 2010 war er in der Schön Klinik München - Harlaching im Zentrum für Sportorthopädie als Oberarzt tätig. Seit 2011 ist Nieper niedergelassener Orthopäde in einer Gemeinschaftspraxis in Erding und München . Sportlich ist Nieper seit 1988 dem Triathlon ergeben. Neben regelmäßiger Teilnahme in der Triathlon Bundesliga, 35 weltweiten Ironman-Teilnahmen, startete er u.a. im Jahr 2008 zum zehnten Mal beim Ironman auf Hawaii.
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