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Triathlontraining allgemein Was macht das Training im Triathlon aus? Wo drückt der Schuh? Bringen Krafttraining, MTB, Skilanglauf, Yoga, Pilates, Mentales Training etwas?

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Alt 29.03.2011, 17:00   #1
trimaster
Nichtschwimmer
 
Registriert seit: 13.10.2006
Alter: 48
Beiträge: 6
Depression und Antidepressiva - Erfahrung?

Leider ist das Thema Depression bei Sportlern immer noch ein großes Tabuthema. Trotz Robert Enke. Ich möchte hier ein paar Erfahrungen von Euch einholen und dieses Tabu brechen. Triathlon ist hart, hip und leistungsorientiert und in der Welt des Triathlons hat (psychische) Krankheit nichts verloren.
Ich hoffe auf Erfahrungen von jemandem, besonders auch im Umgang mit Antidepressivum und Sport treiben. Gleichzeitig möchte ich auf die Gefahr hinweisen, wenn dieser Umstand ignoriert wird. Wie ich in diesem Forum lese, wird mit dem Thema oft sehr lax und verharmlosend umgegangen. Der Grat ist schmal und Übertraining und beginnende Depression sehr schwer zu unterscheiden.

Vor ca. 2 Jahren begann bei mir das Übel seinen Lauf zu nehmen.
Ich trainiere seit etwa 20 Jahren leistungsorientiert und habe immer Spaß und Freude an Training und Wettkampf gehabt.
Vor 2 Jahren überfiel mich zunächst Lustlosigkeit und ich konnte mich kaum noch aufraffen zum Training. Das geht vorbei dachte ich mir. Doch im weiteren Verlauf kamen immer mehr körperliche Symptome hinzu wie Schwäche, Herzrhytmusstörungen, Muskelschmerzen und ein allgemeiner Erschöpfungszustand.
Erste Diagnose: Übertraining, klar. Also erst mal Pause machen.
Doch der Zustand besserte sich nicht. Auch nach langer Pause und monatelangem reduziertem Training.
Mit aller Gewalt habe ich später versucht an alte Leistungen anzuknüpfen und der Teufelskreislauf nahm seinen Lauf.
Training->Erschöpfung->Enttäuschung->Training nochmehr Erschöpfung->Depressive Verstimmung->Training->extreme Erschöpfung->Depression.
Totz enormer Unzufriedenheit in Beruf habe ich geglaubt unbedingt auch auf sportlicher Ebene meine Leistungen bringen zu müssen und dies hierdurch zu kompensieren.
Heute weiss ich, das ich aufgrund unterschiedlicher Lebensumstände unter einer Depression leide.
Durch meinen Sport und die verbundenen Erfolge konnte ich Jahrelang unbewusst dagegen angehen. Man könnte auch sagen, ich bin der Depression davon gelaufen.
Doch dieses System hat sich letztendlich erschöpft und Körper und Psyche fordern nun Ihren
Willen.
Stand heute bin ich körperlich kaum noch in der Lage in mich intensiver zu belasten. Bereits Wandern oder Walking strengen mich ungeheuer an.
Dabei fehlt mir der Sport dabei sehr.

Nach einem längeren Klinikaufenthalt in einer psychosomatischen Klinik trat keine Besserung ein. Noch weigere ich mich vehemment gegen eine medikamentöse Therapie, da sich dies eigentlich per Grundsatz nicht mit einer sportlichen Lebensweise verträgt.

Hat jemand Erfahrungen mit Antidepressiva gemacht? Wenn ja, welche?

Ich würde mich freuen, Erfahrungen zu diesem Thema austauschen zu können. Ich weiss, das viele sich nicht gerne "outen", aber trotzdem mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben. Deshalb gerne auch per PM.

Sportliche Grüße
trimaster
trimaster no ha iniciado sesión   Mit Zitat antworten
Alt 29.03.2011, 17:14   #2
Michel
Jedermännchen
 
Registriert seit: 24.03.2002
Beiträge: 337
AW: Depression und Antidepressiva - Erfahrung?

Ich habe zum Glück keine Probleme, aber schau mal bei Rather-lutz auf der Seite.
Er ist zwar kein Hochleistungssportler, aber ich glaube er nimmt Medikamente und kann dir vielleicht Auskunft geben.

Alles Gute.


Mein Leben zwischen Sport und Depression - Deprisportlers Triathlon und Psycho Seite!
Michel no ha iniciado sesión   Mit Zitat antworten
Alt 29.03.2011, 20:54   #3
snoopy
Vielstarter: Heute Sprint Morgen Mittel?
 
Registriert seit: 09.05.2004
Ort: Bodensee
Alter: 53
Beiträge: 502
AW: Depression und Antidepressiva - Erfahrung?

Hi Trimaster,

erstmal ganz dicken Respekt dass Du den Weg wählst und offen sprichst. Da gehört schon mal eine ganze Menge Mut dazu.

Ich habe auch das Glück ohne Depressionen leben zu dürfen und habe noch nicht mal ansatzweise solche Dinge durchmachen müssen, kann leider keine Selbsterfahrungstipps geben.

Wenn Du bereits einen Aufenthalt in einer psychosomatischen Klinke hattest bist Du wahrscheinlich ausgiebig auf andere Ursachen die solche Dinge auslösen können ausgetestet worden, oder? Speziell die Schilddrüse ist ausgeschlossen?

Ich weiß nicht ob es sinnvoll ist, medikamentöse Behandlung so kategorisch auszuschließen. Depressionen sind eben keine einfachen psychischen Schwächen sondern auch physisch messbare Veränderungen (bei verschiedenen Botenstoffen wenn ich mich richtig erinnere?)
Vielleicht macht es -neben dem Suchen von Erfahrungsberichten- Sinn, Ärzte Deines Vertrauens abzuklappern und deren Meinung speziell zu Sport und Depressionsmedikamenten einzuholen? Gibt es in der psychosomatischen Klinik jemanden dem Du vertraust und Kompetenz zutraust?
Vielleicht sehe ich das viel zu einfach aber der Versuch mit Medikamenteneinstellung sollte es doch wert sein... abbrechen kann man den Versuch immer noch.

Alles Gute !!!
snoopy no ha iniciado sesión   Mit Zitat antworten
Alt 30.03.2011, 12:19   #4
trimaster
Nichtschwimmer
 
Registriert seit: 13.10.2006
Alter: 48
Beiträge: 6
AW: Depression und Antidepressiva - Erfahrung?

Zitat:
Zitat von snoopy Beitrag anzeigen
Vielleicht macht es -neben dem Suchen von Erfahrungsberichten- Sinn, Ärzte Deines Vertrauens abzuklappern und deren Meinung speziell zu Sport und Depressionsmedikamenten einzuholen? Gibt es in der psychosomatischen Klinik jemanden dem Du vertraust und Kompetenz zutraust?
@snoopy:
Vielen Dank für deine Antwort. Natürlich ist köperlich alles abgeklärt und kein körperlicher Befund vorhanden.

Genau das ist die Problem. Eine kompetente Beratung für Sportler in Bezug auf Medikamente, Depression und (Leistungs-)Sport ist kaum zu bekommen. Sport und sportliche Leistungsfähigkeit, in dem Sinne wie wir es verstehen und betreiben, ist für die meisten normalen Ärzte und Therapeuten nicht zu begreifen.
Für die meisten Ärzte ist die sporliche Leistungsfähigkeit bereits dann wieder hergestellt, wenn man 1 Stunde wieder flott spazieren gehen kann.
Das Wissen um die komplexen Zusammenhänge und Bedürfnisse im Bereich Sport und (Leistungs)-sport) ist sehr dünn. Da muss man wahrscheinlich schon Spitzensportler sein, um in den Genuss von kompetenten Spezialisten auf diesem Gebiet zu sein.
trimaster no ha iniciado sesión   Mit Zitat antworten
Alt 30.03.2011, 20:00   #5
jedermann
Nichtschwimmer
 
Registriert seit: 24.01.2011
Beiträge: 5
AW: Depression und Antidepressiva - Erfahrung?

Hallo Trimaster,

erstmal auch von mir dicken Respekt, dass Du mithilfst, das Tabu zu brechen.

Im Rahmen meiner Diplomarbeit beschäftige ich mich mit dem Thema der Depression im Hochleistungssport und möchte Dir erstmal auch mit auf den Weg geben, dass Du mit Deinen Problemen nicht nicht alleine bist. Es gibt wohl einige Sportler die von depressiven Symptomen geplagt werden.

Zu Deiner Frage bzgl. der Antidepressiva kann auch ich Dir leider nicht direkt mit einer Empfehlung weiterhelfen. Ich würde Dir allerdings raten weiterhin psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ob diese Hilfe dann Antidepressiva beinhaltet oder nicht sollte dann auch individuell auf Dich abgestimmt werden und am besten begleitend zu einer therapeutischen Behandlung stattfinden. Vor allem eine Verhaltenstherapeutische Psychotherpie ist nach Stand der Forschung relativ erfolgsversprechend und auch sehr sinnvoll auf die lange Sicht. Wie Du sagst bist Du eher abgeneigt von Medikamenten und willst sie dementsprechend auch nicht ewig einnehmen müssen.

Eine Anlaufstelle, die jetzt mehr von der psychologischen Seite kommt und weniger von der Sportlichen, bietet das Kompetenznetz Depression

Vielleicht findest Du auch hier weitere Infos.

Ich wünsch Dir auf jeden Fall das Beste!!
jedermann no ha iniciado sesión   Mit Zitat antworten
Alt 31.03.2011, 10:12   #6
Towe
Leihneoprenschwimmer überhol ich rechts
 
Registriert seit: 07.07.2007
Ort: Rhein-Neckar-Kreis
Alter: 38
Beiträge: 389
AW: Depression und Antidepressiva - Erfahrung?

Hi Trimaster,

auch ich zolle dir Respekt, dass du so offen über deine Probleme sprechen kannst und sie nicht in dich hineinfrisst. Damit ist eine erste sehr hohe Hürde bereits genommen.

Persönlich bin ich bislang glücklicherweise davon verschont geblieben. Allerdings bin ich durch meine Herkunft (mein Vater arbeitet in einer psychiatrischen Einrichtung) und meinen Beruf (Kriminalbeamter) regelmäßig mit der Thematik Depression konfrontiert und kenne daher die Konsequenzen einer Erkrankung sehr gut.

Da du bereits den Weg einer Behandlung gewählt hast und diese offenbar nicht den gewünschten Erfolg gebracht hat, sehe ich persönlich nicht mehr viele Möglichkeiten, als die medikamentöse Behandlung. Wie oben bereits erwähnt, kann ich aus Erfahrung berichten, dass es Menschen gibt, bei denen die Medikamente bereits nach wenigen Wochen zu einer deutlichen Verbesserung geführt haben.

Du schreibst, dass du gegen eine Medikamenteneinnahme bist, da sich das mit einer sportlichen Lebensweise nicht verträgt. Aber muss der Sport in dieser Phase des Lebens nicht ein wenig in den Hintergrund treten? Ich denke, dass deine psychische Genesung nun JEGLICHE Priorität genießen sollte. Natürlich ist es für jemanden, der schon so lange leistungsorientiert Sport betreibt, schwierig, sich damit abzufinden, dass für eine Zeit lang der Sport maximal eine Nebenrolle spielen kann. Aber ich denke dass hierin, in Verbindung mit einer Behandlung, die Grundlage für eine sowohl psychische als auch physische Genesung liegen kann/könnte.

Ich wünsche dir viel Erfolg für deinen weiteren Weg.

Gruß Towe

___________________________
on my way to Frankfurt 2011
Towe no ha iniciado sesión   Mit Zitat antworten
Alt 31.03.2011, 11:46   #7
phi25
Mit Stützrädern-Fahrer
 
Registriert seit: 09.07.2007
Ort: Wien
Beiträge: 19
AW: Depression und Antidepressiva - Erfahrung?

Ich hatte mit Anfang 20 eine schwere depressive Phase mit totaler Erschöpfung, Lustlosigkeit, Suizidgedanken etc.

Ich bin dann auf Cipralex eingestellt worden. Das ist ein Medikament aus der Gruppe der selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer.
Ich muss sagen, dass dieses Medikament ein wahrer Segen war, die Depression verschwand, Nebenwirkungen waren eigentlich nur etwas vermehrtes Schwitzen, dass sich aber auch bald legte.

Es ist leider etwas schwer, von den Medikamenten wieder los zu kommen. Es gibt zwar keine Abhängigkeit im klassischen Sinne, d.h. im wesentlichen, dass keine Dosissteigerung nötig ist um den gleichen Effekt zu erzielen.
Entzugserscheinungen sind leider trotzdem vorhanden, vor allem ein eigenartiges Schwindelgefühl. Ich musse die Dosis dann ganz langsam ausschleichen und nehme auch heute noch 5 mg täglich was wirklich eine sehr geringe Dosis ist.

Sport ist überhaupt kein Problem und für die Heilung auch sehr gut.
phi25 no ha iniciado sesión   Mit Zitat antworten
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Stichworte
antidepressiva, depression, übertraining

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