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Chefredakteurin im Einsatz: Quattra Bavariae im Interview

26. August 2016 von Christian Bottek

Quattra Bavariae,   freiAm Montag haben wir bereits darüber berichtet, welch straffes Programm sich Christine in der nächsten Woche vorgenommen hat. Im Rahmen des Race Around Ireland erwarten sie 2.150 Radkilometer mit schlappen 23.000 Höhenmetern. Als wäre das noch nicht genug, gibt es auch noch die Zeitvorgabe das ganze innerhalb von fünfeinhalb Tagen zu absolvieren. Doch wie bereitet man so ein Rennen vor? Wie ernährt man sich und vor allem, wann bekommt man eigentlich ein wenig Schlaf? All diese Fragen und noch ein paar mehr hat uns Christine beantwortet. Ihre Teamkolleginnen Heike Priess und Nicole Bretting haben es bereits hinter sich. Sie waren kürzlich beim Race Around Austria erfolgreich. Sie haben uns von ihren Erlebnissen berichtet und den ein oder anderen Tipp parat.


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Hallo Christine. Für die meisten Menschen gelten ja Triathleten bereits als verrückt. Aber wie kommt man denn auf die Idee an einem Event wie dem RAI teilzunehmen?

C: Ich glaube, ich pflege den falschen Umgang (lacht). Nein, Spaß bei Seite. Gerade solche Projekte bieten mir Abenteuer, Faszination, Nervenkitzel, die Chance Unvergessliches zu erleben. Solche Projekte durchführen zu können, sehe ich als großes Geschenk . Bisher haben mich diese Erfahrungen immer „reicher“ gemacht (sicherlich aber nicht meinen Geldbeutel ;-) ). Ein „Five-to-Ten-Job“ würde mich persönlich nicht erfüllen. Ich brauche immer wieder neue Herausforderungen. Mit verrückt hat das nicht viel zu tun, oder?

Quattra Bavariae/ Michael RauschendorferWas glaubst du werden die härtesten Abschnitte auf deiner Tour?

C: Die Route glänzt durchgängig mit nicht wenigen Höhenmetern. Viele kleine Steigungen summieren sich da wohl auf. Kurz vor dem Ziel wartet laut Höhenprofil nochmal ein richtig harter Brocken. Ich glaube jedoch, dass es nicht zu sehr um die Strecke und das Profil gehen wird, sondern dass die Müdigkeit der Knackpunkt sein wird. Andererseits ist es mein erstes Ultra-Rennen. Kann natürlich auch sein, dass es an ganz anderer Stelle hakt. Doch auch das ist ein Reiz der Sache: Nicht zu wissen, was auf einen zukommt…

Wie kann man sich auf ein fünf Tage Rennen vorbereiten? Schläfst du auf der Rolle?

C: Ausdauerreize kann man ab einem gewissen Punkt körperlich nicht mehr besser setzen, als man es zB. für Langdistanzen eh schon tut. (Stichwort Grundlagentraining ;-) ) Alles andere ist dann wahrscheinlich Kopfsache. Auf meinen Dickkopf vertraue ich ganz ohne Training…

In der Vorbereitung hast du mit deinem Team bestimmt einen genauen Plan ausgearbeitet. Wie willst du die Themen Ernährung und Schlaf angehen?

C: Mein Team hat sich sehr detailliert mit den Strecken auseinandergesetzt. An bestimmten Punkten bieten sich demnach Pausen geradezu an. Zum Beispiel, wenn es nachts/frühmorgens in einen sehr anspruchsvollen Streckenabschnitt geht. Dann wird (wahrscheinlich) eine kurze Pause eingelegt.
In Sachen Ernährung wird mein Team vor allem darauf achten, dass regelmäßig verpflegt wird. Dazu wird auch Buch geführt, wann/wieviel aufgenommen wurde. Ich verlasse mich dabei aber ganz auf meine vier Betreuer.

Quattra Bavariae/ Michael Rauschendorfer

Habt ihr euch das Rennen vorab genau eingeteilt? Sprich habt ihr verschiedene Etappen, ie ihr täglich schaffen wollt, genau geplant oder radelst du einfach was geht?

C: Auch hier hat mein Team vorgearbeitet. Sie haben Etappen, Tankstopps, Schlafmöglichkeiten, Tag- und Nachtzeiten, Timestations und vieles mehr akribisch geplant. Ich für mich schaue ersteinmal, was geht, wurde bei den Detailplanungen auch raus gehalten.

Im nächsten Jahr möchtest du mit deinem Team den Rekord beim Raca Across America knacken. Hast du dir auch für das RAI ein Ziel gesteckt?

C: Ankommen ist mein Ziel. So eine lange Strecke birgt so viele Unwägbarkeiten. So eine neue Herausforderung, so viel Unbekanntes, da mit einem Zeit-Ziel ranzugehen wäre sicherlich nicht sinnvoll. Auch geht es mir beim RAI eben gar nicht um eine Zeit oder eine Platzierung, sondern um das Erlebnis an sich.

Quattra Bavariae, frei

Wir haben ja eben schon dein Team angesprochen. Insgesamt besteht euer Team „Quattra Bavariae“ aus vier Sportlerinnen. Wofür steht euer Name und wie seid ihr auf den Gedanken gekommen, dieses Team zu gründen?

N: Ich denke hier sollte ich mal mit Antworten beginnen (schmunzeln): Mir spukt das Rennen schon lange im Kopf herum, um genau zu sein seit 2008. In dem Jahr hatte ich das erste Mal davon gehört. Na ja, und irgendwann haben mein Mann Reinhard und ich beschlossen wir gehen die Sache an. Reinhard hatte dann die Idee mit einem rein bayrischen Damen Team. Wir haben uns also auf die Suche nach Mitstreiterinnen gemacht und so bin ich auf Christine und Heike gekommen. Das die Beiden das Rennen auch schon auf Ihrer „Wunschliste“ hatten, war natürlich perfekt. Unsere Vierte im Bunde Mona, kenne ich vom Rad fahren und auch hier war die Überzeugungsarbeit überschaubar. Ich glaube auf den Teamnamen ist dann Christine gekommen. Wir möchten ja auch ein Stück Heimat in den USA vermarkten. Schön wäre es jetzt noch, wenn diesen Gedanken die ein oder andere bayrische Firma mit aufnehmen würde. Wir könnten noch finanzielle Unterstützung gebrauchen :-).

Heike und Nicole, ihr habt kürzlich am Race Around Austria (2.200 Kilometer mit 30.000 Höhenmetern) teilgenommen. Das Rennen unterscheidet sich zwar ein wenig dadurch, dass die Strecke auf zwei Personen aufgeteilt wurde, trotzdem eure vollbrachte Leistung für die meisten Sportler fast unvorstellbar? Wie habt ihr das Rennen erlebt?

Quattra Bavariae, freiH:  Die Strecke zu zweit zu bewältigen war eine neue Erfahrung für mich. Im Gegensatz zu den bisherigen Ultacycling Events, die ich alleine bestritten habe, kann man sich im Team bei Tiefpunkten eine kurze Auszeit nehmen und einen Turn länger im Pacecar bleiben. Das ist leichter und der Tiefpunkt vergeht schneller, als wenn man ihn auf dem Rad sitzend überwinden muss, was mental echt hart ist. Auch kann man sich nach einem Regenguss komplett umziehen, ohne jeglichen Zeitverlust. Kurz gesagt: Geteiltes Leid ist halbes Leid und so habe ich es auch empfunden.

N: Für mich war es das erste Rennen dieser Art. Ich habe zwar vor endlichen Jahren bereits das 24-Stunden Rennen in Kehlheim in einem 5 Team bestritten, das war aber was völlig anderes. Der Vorteil beim RAA war mit Sicherheit, dass ich so gar nicht wusste was mich erwartet und so bin zwar mit Respekt aber ziemlich umvorbelastet in das Rennen gestartet. In den 3,5 Tagen durchlebt man ziemlich viel sportlich wie menschlich. Es war eine super Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Gelernt habe ich viel in Sachen Organisation von Equipment. Hier war mir Heike mindestens 5 Schritte voraus und ich konnte mir viel abschauen.

Auf der Strecke habt ihr einiges Erlebt. Dabei auch das ein oder andere Hoch und Tief erlebt. Was waren für euch die einschneidendsten Erlebnisse während des Rennens?

H: Positiv war für mich vor allem der Teamgeist, der sich entwickelte. Nicht nur zwischen Nicole und mir, sondern auch innerhalb des Supportteams. Das kenne ich von meinen bisherigen Alleinunternehmungen so nicht. Egal ob als Triathlet oder Ranndoneur
(Ultracycling non-supported), man bringt die Leistung letztendlich immer alleine. Beim RAA erbringt man die Leistung mit dem Team zusammen. Auf der Ziellinie gemeinsam feiern zu können, im Bewußtsein, das Ding zusammen gerockt zu haben, war für mich das Schönste daran.Quattra Bavariae, frei
Negativ bleibt mir die zweite Nacht in Erinnerung, in der ich körperlich nicht gut drauf war. Aber das gehört eben dazu. Eine nachhaltig negative Erinnerung gibt es nicht.

N: Ich glaube hier kann ich den Ausführungen von Heike nichts hinzufügen. Für mich war auch die Teamerfahrung das Schönste. Ich bin ja bisher „nur“ als Triathletin unterwegs und im Rennen immer auf mich alleine gestellt. Bei einem Rennen wir dem RAA kannst Du Dich als Sportler vorne abstrampeln wie Du möchtest, wenn die Hintermannschaft nicht funktioniert ist das Projekt zum Scheitern verurteilt. Super fand ich auch, dass Heike und ich unsere Stärken und „Schwächen“ ausgleichen konnten. Das hat super gepasst!

Wie sieht eure Stimmungslage eineinhalb Wochen nach dem Race Around Austria aus? Habt ihr jetzt noch mehr Lust auf das Projekt „Amerika“ oder darf man euch erstmal mit Fahrradfahren in Ruhe lassen?

H: Auf jeden Fall noch mehr Lust!!!! Mit Radfahren in Ruhe lassen? Nein, ganz im Gegenteil. Ich werde wohl im September noch schnell ein 1000er Brevet in Slowenien mitmachen. Habe ich einfach Lust drauf und danach 1000 Jahreskilometer mehr, die sich nächstes Jahr beim RAAM sicher bezahlt machen.

N: Für mich war schon im Ziel bzw. eigentlich schon während des Rennens klar, dass das nicht das letzte Rennen dieser Art für mich war. Klar starten wir in Amerika. Seit Montag sind wir angemeldet und jetzt gibt es kein zurück mehr! Toll finde ich auch, dass unsere komplette Österreich Crew mit kommen möchte. Das Rad in die Ecke stellen ist auch bei mir nicht angesagt. Ich habe schließlich noch die Ironman WM in Hawaii vor mir und würde auch dort gerne wieder auf dem „Stockerl“ stehen.

Quattra Bavariae, frei

Welchen Tipp könnt ihr eurer Teamkollegin Christine für Irland noch mit auf den Weg geben?

H: Am Anfang Geduld haben, die geplanten Pausen einhalten und eventuelle Tiefpunkte mit stoischer Gewissheit, dass es wieder besser wird, überwinden. Das kann sie, da bin ich mir sicher!

N: Ich denke Christine hat Erfahrung genug, die braucht keine Anfängertips von mir (lacht). Für mich war die Ernährung ein wichtiger Faktor in Österreich. Regelmäßig essen und trinken. Gefühlt habe ich ständig gegessen.

Gibt es nach dem RAI noch Projekte, die ihr euch als Team bis zum Race Across America vorgenommen habt?

H: Genau geplant ist noch nichts, aber mir schwebt ein 36 oder 48 Stunden Spinning Event im Winter, sowie mehrere gemeinsame Trainingswochenenden, in denen wir auch mit Team und Pacecar zusammen RAAM Simulationen durchführen, vor.

N: Wie Heike schon sagt, bisher ist nichts konkret geplant. Die müssen wir aber bald angehen, da wir ja viele Menschen unter einen Hut bringen müssen.

Vielen Dank für das Interview, weiterhin alles Gute und dir Christine viel Erfolg in Irland.

Mehr Informationen zu Christines Rennen: Chefredakteurin im Einsatz: Christine bei einem der härtesten Radrennen der Welt

Zur Website von Christine Waitz.

Zu den Facebook-Seiten von Christine Waitz und Quattra Bavariae.

Fotos: Quattra Bavariae

 

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