Du bist hier: Triathlon Portal - triathlon.de > Wettkampf > Challenge Roth 2016: Alle Augen auf Jan Frodeno?

Challenge Roth 2016: Alle Augen auf Jan Frodeno?

13. Juli 2016 von Christine Waitz

Jörg Schüler,   freiZweifelsohne steht Jan Frodeno vor dem 17. Juli mitten im Rampenlicht. Der Überflieger reist schließlich mit großen Ambitionen an. Für die Konkurrenz kann das  jedoch zum Vorteil werden. Ohne Druck in ein Rennen gehen zu können ist schließlich auch angenehm, findet beispielsweise Titelverteidiger Nils Frommhold. Wer sonst noch auf der Jubiläums-Bühne am Rande des Scheinwerferlichts steht, haben wir uns angesehen.


Triathlon Anzeigen

Wenn Jan Frodeno am 17. Juli in das Wasser des Rhein-Main-Donau-Kanals springt, dann hat er ein klares Ziel vor Augen: Nicht nur der Sieg soll es an diesem Tag sein, sondern auch eine Zeit unter 7:41:33 Stunden. Das wäre neue Weltbestzeit. Nun ist so ein Ziel für einen Weltklasseathleten kein ungewöhnliches. Für Jan Frodeno, dürfte es dennoch ein Besonderes sein. Alle anderen im und neben dem Sport relevanten Titel finden sich nämlich bereits in seiner großen Sammlung von Erfolgen. Alleine 2015 räumte er praktisch alles ab, was es zu holen gab: Langdistanz Europameister, Mitteldistanz Weltmeister, Ironman Weltmeister. Dem Olympiasieger-Europameister-Doppelweltmeister wurden daraufhin nicht wenige gesellschaftliche Auszeichnungen verliehen. Die wohl bekannteste darunter: Der Bambi in der Kategorie Sport im vergangenen November.

Ingo Kutsche, freiÜbrigens: Seit beginn des Jahres ist Jan Frodeno auch stolzer Papa. Fehlt also wirklich „nur“ noch die Weltbestzeit in der Liste eines sportlichen Überfliegers. Die gilt es dem Rostocker Andreas Raelert abzujagen. Diese steht seit 2011, dem zehnjährigen Challenge-Roth Jubiläum. 46:18 Minuten Schwimmen, 4:11:43 Stunden auf dem Rad und 2:40:52 Stunden auf der Laufstrecke gilt es zu unterbieten. In de Summe 7:41:33 Stunden.

Ganz reibungslos verlief die Vorbereitung auf dieses Projekt für Frodeno jedoch nicht. Nach einem Sieg über die Mitteldistanz in Dubai hatte sich der 34-jährige einen Muskelfaserriss in der Wade zugezogen und musste die angepeilte Langdistanz in der Heimat seiner Kindheit, Südafrika, absagen. Erst im Mai startete er dann beim Ironman Lanzarote und wurde Zweiter. Seither richtete sich alles nach dem Rekord in Roth. Vielleicht auch nur fast alles – ein weiteres Ziel äußerte Jan Frodeno nämlich bereits: „Ich möchte die Acht-Stunden-Marke auf Hawaii knacken.“ Keine Frage – auch das wäre ein Rekord.

Titelverteidiger Frommhold: Entspannt am Start

„Wir sehen uns in Roth,“ verabschiedete sich Nils Frommhold nach seinem letzten Vorbereitungsrennen in Norwegen von seinen Fans. Dort wurde er über die halbe Distanz Zweiter, musste sich nur einem jungen und erbittert für den Heimsieg kämpfenden Norweger geschlagen geben.  Dabei hat der 29-jährige seit seinem Sieg im vergangenen Jahr ein alles andere als einfaches Jahr hinter sich. Mit großen Ambitionen reiste er im Oktober nach Kona – nach einem 6. Platz bei seiner Premiere 2014, wollte er zeigen, dass mehr in ihm steckt. Mit einem 52. Platz reiste er nach Hause. Durchgekämpft, aber enttäuscht und mit viel Analyse-Arbeit vor sich.

Auch der Saisonstart verlief alles andere als wunschgemäß. In Brasilien sollten schon früh Punkte für die Hawaii-Qualifikation gesammelt werden. Stattdessen musste nach dem enttäuschenden achten Platz erneut Aufbau-Arbeit geleistet werden. Hitzerennen – so viel war klar – scheinen dem Wahl-Freiburger nicht zu liegen. Texas, der nächste Anlauf. Wieder wollte es nicht klappen und Frommhold stieg beim Laufen aus.

Erst ein kleiner City Triathlon schien die Lockerheit zurück zu bringen. Ein kleiner Sieg auf dem Weg zurück in die Erfolgsspur. Diese Motivation nutzte er wenig später beim Ironman 70.3 Rapperswil aus und holte den ersehnten größeren Triumph. Seine Erleichterung war im Zielbild sichtbar. Aber ebenso das zurückgekehrte Selbstbewusstsein.

Lukas Bartl, frei

Nils Frommhold im Ziel des Challenge Roth 2015

Auch für Roth hat sich der Titelverteidiger eine Strategie zurechtgelegt, um eben diese nötige Lockerheit zu bewahren. Aller Druck, so meinte er im Vorfeld, laste sowieso auf Jan Frodeno. Schließlich erwarte alle Welt die Weltbestzeit. Für Frommhold die perfekte Ausgangssituation. Ähnlich wie im letzten Jahr, kann er sein Rennen als „Jäger“ und nicht als „Gejagter“ angehen. „Ich glaube, wir werden einen richtig geilen Tag genießen,“ kündigte er in einem Video vor wenigen Tagen an und zählt bereits „die Stunden, die Minuten, die Tage, bis er an den Ort seines größten Triumphes zurück kehrt.“

Zwischen Roth-Rookie und Routinier: Deutsche mit Blick auf vordere Platzierungen

Zwischen Roth-Routinier Thomas Hellriegel und Roth-Rookie Jan Raphael: Die deutschen Herren sind in dem Kreis um die erweiterte Spitze mit ganz unterschiedlichen Voraussetzungen vertreten. Da wäre der 36-jährige Jan Raphael, der endlich wieder mit einer Topplatzierung aufwarten will. Da wäre aber auch Per Bittner, der in Roth schon Licht und Schatten kennt und sicherlich nach dem Platz an der Sonne strebt. Und auch Altmeister Thomas Hellriegel, der sich zum 15-jährigen Challenge-Jubiläum nochmals die Ehre gibt.

Ingo Kutsche, frei

Jan Raphael will zurück in die Erfolgsspur.

Die Startnummer vier trägt Per Bittner am 17. Juli in das Rennen. Seine Platzierung aus dem Vorjahr. Sicherlich würde er sich diesen Rang erneut gerne holen.

 

Die Top-Ergebnisse blieben bei Jan Raphael 2016 bisher noch aus, sollen jedoch nun beim Challenge Roth her. „Dem ersten Saisonhöhepunkt des Jahres,“ wie Raphael im Interview sagt. Nach der Generalprobe am Chiemsee, wo er mit gebrochenem Lenker aufgeben musste, wird der junge Familienvater umso motivierter am Start stehen.

Bekannter als manch aktueller Profi dürfte bei vielen immer noch der Name Thomas Hellriegel sein. Der Altmeister stand zwar bereits im Vorjahr in der Starterliste, damals jedoch, musste er aufgrund von Achillessehnenproblemen passen. Pünktlich zum 15-jährigen Challenge-Jubiläum meldet sich „Hell on Wheels“ zurück und bekommt die Startnummer 9.

Konkurrenz international

Auch, wenn Jan Frodeno als klarer Favorit in das Rennen um die Jubiläums-Krone geht, dürfen sich Zuschauer auf Spannung freuen. Um Frodeno und Titelverteidiger Frommhold scharen sich am Rennmorgen alle Podiumsplatzierten der letztjährigen ITU-Weltmeisterschaften sowie der Hawaii-Fünfte.

Tyler Butterfield stellte sein doppeltes Talent vor allem in den letzten Jahren beim Ironman Hawaii unter Beweis, wo er sowohl 2013, als auch 2015 unter die besten Zehn lief. Ein Mal als Siebter, im vergangenen Jahr als Fünfter. Bereits im April freute er sich auf seinen ersten Auftritt beim Challenge Roth und schrieb „Excited to be racing Challenge Roth for my first time!“ Dabei muss die Konkurrenz vor allem auf seine Radstärke gefasst sein.

Cyril Viennot – Die Platzierung bei Ironman Weltmeisterschaften als Maßstab genommen, zählt auch der Franzose Cyril Viennot zu den Anwärtern auf die vorderen Plätze. 2014 war er auf Hawaii Fünfter, im letzten Jahr hinter Tyler Butterfield Sechster. In dieser Saison scheint die Form des 34-jährigen bereits gut. Besonders dann, wenn das Rennen mit heißen Temperaturen aufwartet, könnte das dem Franzosen in die Karten spielen – diese Bedingungen liegen ihm nämlich besonders gut. Übrigens zieren auch seine Website Weltmeister-Streifen. Denn er gewann im vergangenen Jahr das Langdistanz-WM-Rennen des internationalen Triathlon Verbandes ITU.

Joe Skipper gelang in diesem Jahr bereits unter anderem ein zweiter Platz beim Ironman Neuseeland, ebenso wie auf der Challenge Halbdistanz im irischen Galway. Dabei legte er in Neuseeland eine neue persönliche Bestzeit hin: 8:09:37 benötigte er und musste nur dem zwölffachen Sieger Cameron Brown den Vortritt lassen. Seinem großen Ziel kam der 28-jährige damit jedoch ein Stückchen näher. Er möchte der erste britische Langdistanz-Triathlet unter acht Stunden sein. Ein Rekord, den er sicher auch auf der schnellen Rother Strecke im Auge haben wird.

Martin Jensen darf man sicherlich zu den starken Radfahrern in der Szene zählen. Als ehemaliger Schwimmer fällt ihm auch die Auftakt-Disziplin leicht. Seine Traum-Bedingungen deshalb: Ein Schwimmen ohne Neoprenanzug und viel Wind auf der Radstrecke.

Zum Challenge Spezial 2016.

Fotos: Ingo Kutsche, Jörg Schüler, Lukas Bartl

Triathlon.de Anzeigen
 
Zum Triathlon.de Newsletter anmelden