Du bist hier: Triathlon Portal - triathlon.de > Material > Radfahren1 > Casco SPEEDtime: Zeitfahrhelm wie vom anderen Stern

Casco SPEEDtime: Zeitfahrhelm wie vom anderen Stern

19. Januar 2015 von Christine Waitz

Christine Waitz,  freiWir schreiben das Jahr 2015. Auch die Welt der Zeitfahrer ist mittlerweile rund – anstatt tropfenförmig. Zumindest was ihre Kopfbedeckungen angeht. Und dennoch passt sich der Casco SPEEDtime nicht recht in diese Welt ein. Wie vom anderen Stern wirkt der Aerohelm. Und auch im triathlon.de Test zeigt sich: Mit dieser Kopfbedeckung ist man für den Kampf gerüstet. Wo ist unser Laserschwert – pardon, Zeitfahrrad?


Triathlon Anzeigen

Das riesige, verspiegelte Visier dominiert das Aussehen des SPEEDtime. Von Ohr zu Ohr zieht es sich um den Kopf, von Nasenrücken bis Haaransatz versteckt es fast das gesamte Gesicht des Fahrers. Die Helmschale ist vorderseitig komplett geschlossen, lediglich eine trapezförmige, kleine Plastikabdeckung an der Stirn verrät, dass hier, wenn es heiß her geht, für zusätzliche Luftzufuhr gesorgt werden kann. Für das Groß der Belüftung müssen die lamellenförmigen Luftschlitze herhalten, die sich im Bereich des Hinterkopfes über den fast runden Helm ziehen. Ob das ausreicht? Der Test wird es zeigen.
Einzig weiteres dominantes Element sind die elastischen roten Kordeln, die sich über den Helm nach hinten ziehen. Diese sollen den Luftstrom möglichst aerodynamisch am Kopf vorbei leiten.

Christine Waitz,frei

Positionskämpfe der wichtigen Art

Apropos Luftstrom. Klar dürfte sein, dass im Vergleich zu früheren, tropfenförmigen Helmmodellen die Kopfposition des Fahrers eine geringere Rolle spielt. Egal in welcher Position, der SPEEDtime bietet immer ähnliche Angriffsfläche. Weder Helmspitze stehen bei Kopfdrehung oder kurzem Entspannen der Nackenmuskulatur im Wind, noch Haarpracht, Ohren oder Großteil des Gesichts. Der Casco ist im wahrsten Sinne des Wortes eine runde Sache und erlaubt sich auf die Positionskämpfe mit der Konkurrenz zu konzentrieren. Den absoluten Überblick über die aktuelle Konkurrenzsituation bietet das immense Sichtfeld, dass das große Visier zulässt.

Durchdachte Details

Die Konstruktion des Kopfschutzes ist jedoch nicht nur im Äußeren zukunftsweisend. Auch die Details erweisen sich bei genauerem Hinsehen, und vor allem beim Tragen, als durchdacht.
Christine Waitz,freiWohl wichtigstes Element: Der Sitz. Zugegeben, an Platzangst darf man beim ersten Aufsetzen nicht leiden, stülpt sich der Helm doch gefühlt über den gesamten Kopf. Dennoch: das Gefühl von Enge ist schnell verflogen. Ein dünnes Stoffnetz, das sich im Inneren über die Oberseite des Helmes aufspannt, sorgt sofort für ein angenehm leichtes Tragegefühl. Durch das Netz berührt der Kopf die Helmschale nicht. Stattdessen ist etwas Luft zwischen Schädel und Helmoberseite.
Vielleicht ist das ein Grund, warum wir auch in Aktion nicht das Gefühl hatten, es mangele an Ventilation. Trotz geschlossener, optionaler Belüftung durch die Trapezöffnung, war auch eine Tempofahrt mit kühlem Kopf möglich.

Ebenso hielt das Visier dem Belastungstest stand. Kein Beschlagen, kein unangenehmes Verrutschen, wie bei manch leichter hochklappbaren Varianten, kein Druck des Nasensteges. Insgesamt fühlt sich der 325 Gramm schwere Helm damit äußerst leicht und angenehm an.

Christine Waitz,freiEin weiteres erwähnenswertes Detail ist die Riemenkonstruktion mit dem Helmverschluss. Nicht nur ist das komplette System einfach und schnell auf die individuelle Kopfform einstellbar und sorgt durch seinen guten Sitz für Sicherheit. Auch zeigt sich der Helmverschluss nach etwas Eingewöhnung als sehr angenehm und praktisch. So braucht es zwar beim Schließen etwas Übung – der kleine Haken zum Verschluss muss die Öse am anderen Riemenende im Eifer erst einmal finden – doch das Öffnen klappt mit einem kleinen, gezielten Ruck am trotz seiner kleinen Größe gut ertastbaren Bändchen blitzschnell.

In der Zukunft scheint es jedoch nicht zu geben…

… Hektik in der Wechselzone. Nicht nur das Schließen des Helmes mag vorher wohl geübt sein. Auch das Aufsetzen der Schale geht nur mit Übung in wettbewerbsfähigem Tempo. Das dünne Visier wirkt zu Beginn so filigran, dass man den gesamten Helm eigentlich nur mit äußerster Vorsicht anfassen möchte.

… Brillenträger. Wer auf eine optische Brille angewiesen ist und im Rennen nicht auf Kontaktlinsen setzen möchte, der wird mit dem SPEEDtime Schwierigkeiten haben. Dadurch, dass sich das Visier so eng an das Gesicht schmiegt, haben wir es nicht geschafft eine Brille darunter zu bekommen.

… Rennen bei nicht optimalem Wetter. Leider war uns ein Test bei extremer Hitze oder Regenwetter jahreszeitbedingt nicht möglich. Was uns jedoch auffiel ist, dass das Visier sich mit einer Hand nicht nach oben schieben lässt. Stattdessen braucht man schon beide Hände um das dünne Plastik nach oben zu befördern. Bei Regenrennen oder Hitze, zu erwartendem Beschlagen der Scheibe und Nötigmachen leichten Hochschiebens, ein unangenehmer Fakt.

… Geldsorgen. Der Preis von 400 Euro ist durchaus eine Hausnummer.

Christine Waitz,frei

Fazit

Der nächste Wettkampf kann mit dem SPEEDtime kommen. Wir sind gerüstet! Im reinen Zeitfahren findet sich das markante Modell als unser Favorit wieder. Im Triathlonrennen bekommt er zwar kleine Abstriche im Bezug auf seine Wechsel-Tauglichkeit, in Sachen Komfort ist der Aerohelm jedoch tatsächlich vom anderen Stern. Subjektiv leicht, angenehm, komfortabel.

Preis: 400 Euro
Größen: 55-61 cm (Uni)

Der Casco Speedtime auf Amazon.

Zur Website von Casco.

Fotos: triathlon.de

Triathlon.de Anzeigen
 
Zum Triathlon.de Newsletter anmelden