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Buchtipp: Vom Couchpotato zum Triathleten

11. Juni 2015 von Lukas Bartl

Pietsch Verlag, freiAls Reporter war er bereits bei den Olympischen Spielen und bei der Ironman Weltmeisterschaft auf Hawaii. Für den BR ist er jedes Wochenende in Sachen Fußball Bundesligaberichterstattung aktiv. Manche kennen ihn als „DJ bug“. Die meisten jedoch als Bernd-Uwe Gutknecht. Wir haben uns mit dem sympathischen Hobby – Triathleten über sein neues Buch „Vom Couchpotato zum Triathleten“ unterhalten.


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Hallo Bernd, du arbeitest als Journalist für die ARD und den BR. Du warst bei den Olympischen Spielen als Berichterstatter, als DJ beschallst du, wenn du nicht als Teilnehmer am Start bist, die Wechselzone Eins beim Challenge Roth. Was war der Anstoß, ein Buch über deinen Weg als Triathleten zu verfassen?

Team Challenge, freiDer Anstoß, das Buch zu schreiben, kam nicht von mir selbst, sondern vom Pietsch Verlag. Der Verlag hat jemanden gesucht, der ein etwas anderes Buch über Triathlon schreibt. Kein typisches Trainingsbuch, sondern eines, das mit einem Augenzwinckern geschrieben ist und hinter die Kulissen blickt. Offensichtlich, hatte der Verlag Berichte von mir gelesen, oder im Radio gehört, woraufhin ich gefragt wurde. Ich persönlich wäre niemals auf die Idee gekommen, ein Buch über Triathlon zu schreiben. Es gibt viele Menschen die im Triathlon viel besser sind als ich, deswegen war es mir wichtig, dass es kein Ratgeberbuch wird. Ich bin kein Trainer, kein Profi. Ich bin ein mittelmäßiger Triathlet. Habe aber, in den zehn Jahren in denen ich bereits Triathlon mache, die Distanz zum Triathlongeschehen bekommen, um das ganze mit Humor sehen zu können, weil, und ich sage ganz bewusst „Wir“ Triathleten, schon ein sehr verrücktes Volk sind.

Wie und wo hast du dich mit dem Triathlonvirus infiziert?

Das war 2004, ich wurde vom BR nach Hawaii zur Ironman WM geschickt. Ich sollte dort einen bayrischen Halb-Profi begleiten, Markus Forster. Er hatte eine ganz witzige Geschichte. Vormittags hat er als Kaminkehrer im väterlichen Betrieb gearbeitet, und nachmittags war er Triathlon Profi. Über ihn habe ich eine halbstündige Reportage gemacht. Ich habe ihn beim Kaminkehren, in der Nähe von Roth, begleitet. Auch auf Hawaii habe ich ihn in der Woche vor und während des Wettkampfs begleitet. Er war mit Thomas Hellriegel in einer WG, was natürlich auch extrem spannend war. Ich habe dann dort das gesamte Rennen verfolgt. Das war für mich das erste Mal, dass ich mit der großen Triathlonwelt in Kontakt gekommen bin. Ich bin wieder nach Hause geflogen, war richtig angefixt und habe zu meiner Freundin gesagt: „Ich mache jetzt Triathlon“. Man muss dazu sagen, dass ich bis zu diesem Zeitpunkt mit Ausdauersport nichts am Hut hatte. Joggen war eine Qual, länger als eine halbe Stunde war ich bis dahin noch nie gelaufen. Schwimmen war mehr plantschen und Radfahren hab ich gemacht, aber nie auf Wettkampfniveau. Irgendwie hat mich die Atmosphäre auf Hawaii so fasziniert, dass ich gesagt habe: „Das will ich ausprobieren!“. So ging’s los.

In deinem Buch erzählst du von deinem ersten Trainingslager auf Mallorca. Du berichtest aus deinem Hotelbadezimmer von „Ölschmiere an der Glaswand, Blutspritzern im Duschbecken und Haarknäulen im Abfluss“ was war da los?

Team Challenge,frei(Lacht) Ich war damals wirklich blutiger Anfänger in allen Triathlondisziplinen. Zum Triathlon gehört auch das zusammenschrauben eines Fahrrads aus dem Radkoffer heraus. Das habe ich auf Mallorca das erste Mal gemacht und mich furchtbar blöd angestellt. Ich hatte wirklich zwei linke Hände, dementsprechend ist mir die Kette überall hingefallen und die Reifen sind durch das Hotelzimmer gerollt. Daher die „Schmiere an der Glaswand“. Beim ersten Treffen mit den anderen Teilnehmern, ist mir aufgefallen, dass ich der einzige mit Haaren an den Beinen war. Das war mir so peinlich, als einziger unrasierte Beine zu haben. Ich beschloss mich zu rasieren, hatte davor jedoch noch nie mein Beine nass rasiert. (Lacht) Ich ging in den Hotelshop, habe mir Rasierklingen gekauft, und mich drei mal geschnitten. Dementsprechend war es eine ziemlich blutige Angelegenheit. Die Haare, von Waden und Oberschenkeln, lagen auch überall herum, es sah ein bisschen aus wie auf einem Schlachtfeld.

Dein Buch enthält viele „Profi-Tipps“. Seiten auf denen Physiotherapeuten, Leistungsdiagnostiker, aber auch Triathlon Profis, denen du im Laufe der Jahre durch Triathlon und Job begegnet bist, ihr Fachwissen mit dem Leser teilen. Welche Begegnung würdest du als die Prägendste bezeichnen? Sind Freundschaften entstanden?

Freundschaften sind mit meinen beiden Trainern, Susanne Buckenlei und Matthias Fritsch entstanden. Auch mit Faris (Anm. d. Red: Faris Al-Sultan), verbindet mich eine freundschaftliche Beziehung. Ich würde nicht behaupten, dass ich sein Freund bin, aber wir sehen uns ab und zu. Wir mögen und schätzen den anderen. Wir sind auf der selben Wellenlänge. Er hat das Vorwort zu meinem Buch geschrieben, wofür ich ihm sehr dankbar bin. Ansonsten finde ich, dass es schwierig ist, in der Triathlonwelt echte Freunde zu finden. Jeder hat einen derart engen Zeitplan. Außer den Profis müssen alle neben dem Job trainieren. Gerade die, die Langdistanzen machen haben schlicht und ergreifend nicht die Zeit abends in die Kneipe zu gehen. Für Freundschaften die man regelmäßig, zweimal die Woche pflegt, haben die wenigsten Zeit.

Am prägendsten finde ich Faris. Er hat mich von Anfang an mit seiner Art, wie er spricht und denkt, fasziniert. Er ist ein ehrlicher Typ, der sagt, was er denkt, und nicht drum herum redet. Er äußert Kritik – diese direkte Art mag ich an ihm. Mit Sonja Tajsich stehe ich in engem Kontakt. Aber eigentlich auch Thomas Hellriegel, Timo Bracht oder Dirk Bockel, die alle in meinem Buch Tipps schreiben, sind verglichen mit Sportlern, mit denen ich im Job zu tun habe,“Klammer auf Fußballer, Klammer zu“ (Lacht), intelligente, freundliche, umgängliche, höfliche und kooperative Menschen. Die gerne mit mir zusammen arbeiten und auch wissen, dass Arbeit mit den Medien dazu gehört. Es gibt keinen unterschied zwischen Profi und Agegrouper für diese Leute. Wenn man mit den Leders im Trainingslager ist, gibt es keine Distanz. Sie behandeln Hobbysportler wie Ihresgleichen. Das finde ich so schön am Triathlon.

Wie lang war der Weg wirklich vom ersten Start über die Jedermanndistanz im Münchner Olympiapark bis hin zur Finishline beim Challenge Roth?

Letztlich waren es 20 Jahre. 20 Jahre vor meinem ersten Schnuppertriathlon wollte ich bereits an einem Triathlon teilnehmen. Damals war ich Jugendlicher und habe mich kurz vor dem Wettkampf verletzt. Zwischen der ersten Kurzdistanz 2005, und dem ersten Langdistanztriathlon in Roth 2009, lagen dann fünf Jahre.

Was sind deine besten Tipps für Triathloneinsteiger?

Team Challenge, freiReden. Mit Leuten reden, die den Sport schon lange machen. Fragen. Dumme fragen stellen, weil Triathlon eine wahnsinnig komplexe Sportart ist. Man muss drei Sportarten beherrschen, sollte sich nebenbei mit Dehnen, Stabi- und Krafttraining auskennen. Letzlich auch mit Medizin, weil Triathlon den ganzen Körper fordert.

Als zweites, nicht den Spaß verlieren. Man tendiert dazu, nach der ersten Schnupperdistanz, in diesen Sog zu gelangen und direkt nach Roth zu wollen. Wenn man eine Langdistanz angeht, dann ist es definitiv nicht mehr reiner Spaß. Dann wird es Arbeit. Man muss 15 Stunden trainieren in der Woche, seinen Zeithaushalt komplett umstellen und sein soziales Umfeld über die Pläne informieren. Denen muss man dann erklären, dass man nicht mehr ins Kino oder auf Geburtstagsfeiern, sondern zum Training geht.

Als dritten Tipp würde ich geben, dass man sich nicht zu sehr vom Kommerz rund um den Triathlon aufsaugen lassen sollte. Wenn jemand auf der Olympischen Distanz antritt und nicht darüber hinaus will, muss es kein 8.000 Euro Zeitfahrrad oder der 600 Euro Neo sein. Macht den Sport um des Sports willen, wegen der Bewegung, Freude, Spannung und Vielfalt.

Du warst als Athlet beim Challenge Roth und als Journalist beim Ironman Hawaii. Wie siehst du die beiden Höhepunkte des Triathlonjahres im Vergleich, und wie sehr hat es dich in Kona in den Füßen gejuckt?

Roth ist das Kona in Europa. Hawaii wird immer Hawaii bleiben, das ist nicht zu toppen. Genau wie Roth in Europa nicht zu toppen ist. Für deutsche Triathleten ist Roth eventuell sogar schöner und wichtiger als Kona. Ein Heimrennen mit 200 oder 250.000 Zuschauern an der Strecke ist natürlich nicht zu toppen. Hawaii ist jedoch für die Profis sicherlich das wichtigste Rennen. Von der Stimmung her fand ich es in Roth besser als auf Hawaii. In Kona sind zwar Menschen im Zielbereich aber auf der Strecke ist es eher einsam. Als Teilnehmer bekommt man in Roth mehr Unterstützung, ist mitten im Landkreis, auf jedem Meter stehen Leute und in jedem Dorf ist Party. In Kona hat es natürlich in den Füßen gejuckt, aber der Kopf hat sofort gewusst, dass ich viel zu schlecht für die Hawaii-Quali bin. Es sei denn, ich bleibe gesund und versuche es mit 80 Jahren in der AK 80.

Team Challenge, freiWie schaffst du es deinen Beruf als Journalist und dein Hobby Triathlon unter einen Hut zu bekommen?

Oft kann ich es verbinden. Indem ich von Triathlons berichte, bei denen ich dann auch Starte, wie letztes Jahr beim Challenge Rimini. Beim BR haben wir eine Sendung namens „Fitnessmagazin“, in der wir Reporter selbst etwas neues ausprobieren sollen. Dieses Format ist perfekt für mich. Zum Beispiel kann ich zu einem professionellen Lauftraining gehen und meinen Laufstil analysieren lassen, mir Tipps holen und das forme ich später in einen Bericht um. Somit kann ich Training und Arbeit manchmal kombinieren.

Was waren deine schönsten Momente, nicht nur im Bereich Triathlon, sondern auch in Hinsicht auf Arbeit und Familie?

Im Hinblick auf Triathlon und Familie, war meine erste Teilnahme in Roth ein tolles Erlebnis. Meine ganze Familie stand mit einem riesigen Banner am Solarer Berg, auf dem Stand: “ Eichstätt grüßt Bernd-Uwe“. Das Plakat hatten sie über die Radstrecke gespannt, jeder hat es gesehen, und alle dachten sich: „Wer ist dieser Bernd-Uwe?“ (Lacht).

Schönster Moment war sicher 2009 in Roth ins Ziel zu kommen. Ich hatte bis drei Jahre zuvor es als völlig unmöglich erachtet, jemals eine Ironmandistanz zu finishen. Als Späteinsteiger, der mit 35 das erste Mal länger als 30 Minuten joggen war, war es für mich eine völlige Utopie, mir vorzustellen, einmal eine Langdistanz zu beenden. Als ich es dann doch geschafft hatte, habe ich viele Tränen vergossen, als im Ziel meine Lebensgefährtin auf mich wartete. Bayern 3 war damals schon Medienpartner, die Reporter haben mich den ganzen Tag begleitet auf der Strecke. Dank Felix Walchshöfer durfte ich mit goldener Badekappe im Profifeld starten, sodass meine Kollegen immer genau wussten wo ich bin. Ich war an diesem Tag ein bisschen im Fokus, wurde gefilmt, auf dem Rad interviewt. Für einen Tag durfte ich mich ein bisschen wie ein Star fühlen (Lacht). Dass ich das Rennen gut beenden konnte, war das Highlight meiner Triathlonkarriere.

Buchtipp: „Vom Couchpotato zum Triathleten

Wer bei diesem Titel denkt, ein Buch voller Trainingspläne und Fitnesstipps zu kaufen, der liegt weit daneben. Vielmehr hat Bernd-Uwe Gutknecht ein motivierendes, interessantes, aber vor allem humorvolles Buch darüber geschrieben, wie er selbst vom Couchpotato zu Triathleten wurde.

Von seinem Bruder Wolfgang 1986 durch eine Wette zum Triathlon gebracht, konnte er bedingt durch eine Verletzung bei seinem geplanten ersten Wettkampf nicht starten. Die nächste Möglichkeit bot sich ihm sage und schreibe erst 20 Jahre später. 2005 im Münchener Olympiapark. 2009 gab er sein Debüt auf der Langdistanz in Roth.

Pietsch Verlag, freiDas Buch gliedert sich in vier große Abschnitte, Volkstriathlon, Olympische Distanz, Langdistanz und Cool Down. Von den Herausforderungen des ersten Trainingslagers über die vergessene Schwimmbrille bis hin zur „regenerativen“ Laufeinheit mit dem Kenianer Cheruiyot auf der Seiser Alm, ist das Buch voller kleiner und vor allem witziger Anekdoten. In den einzelnen Kapiteln schildert er sehr anschaulich wie beschwerlich, aber auch schön sein Weg zum Langdistanzfinish war.
Auf 160 Bildern werden Emotionen, Spaß und Faszination der Triathlonwelt dem Leser näher gebracht. Die Diskussion über Sinn und Unsinn der Materialschlachten, welche sich die Altersklassenathleten bei den Rennen dieser Welt liefern, wird kritisch beleuchtet. Gutknecht gibt Tipps auf Augenhöhe, Themen wie „Brauche ich wirklich die leichtesten Laufräder der Welt für meine erste Jedermanndistanz?“, oder „Was ist wichtig in den Tagen vor dem Wettkampf?“, beantwortet er mit seiner Erfahrung als Triathlet.

Wer auf Profi Tipps und Tricks für seinen ersten Triathlon, oder sein nächstes Rennen, nicht verzichten will, kommt auf den zahlreichen „Profi-Tipp“ Seiten auf seine Kosten. Promis der Szene, wie Sonja Tajsich, Faris Al-Sultan, Timo Bracht, Dirk Bockel oder Thomas Hellriegel teilen auf diesen Seiten ihr Wissen mit dem Leser.

Er beschließt das Buch mit einer Widmung an seinen demenzkranken Vater und seinen Bruder, welcher an Leukämie erkrankt ist, und mit Bernds Stammzellen um sein Leben kämpft.
Mit den Worten

„Triathlon ist ganz großer Sport für Körper, Geist und Seele.
Um Leben und Tod geht es aber wo anders“

holt er den Leser zurück aus der Traumwelt des Triathlons und mahnt bei all dem Training und Ehrgeiz, die im Leben wirklich wichtigen Dinge nicht zu vergessen.

Buchtipp: „Vom Couchpotato zum Triathleten“

von Bernd – Uwe Gutknecht
Taschenbuch: 144 Seiten
ISBN-10: 3613507994; ISBN-13: 978-3613507999
14,95 Euro

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Zur Website vom Pietsch Verlag.

Fotos: Team Challenge, Pietsch Verlag

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