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Buchtipp: Gironimo! – Ein Mann, ein Rad und die härteste Italien-Rundfahrt aller Zeiten

24. Januar 2016 von Christine Waitz

Cavardonga, einmaligGironimo! Heißt Tim Moores neustes Buch. Es erzählt vom wohl härtesten Radrennen der Geschichte, dem Giro d’Italia 1914. Es erzählt auch vom Projekt, fast 100 Jahre später eben diese Tour in Original-Material nachzufahren. L’Eroica für die Lachmuskeln, kündigt sich auf dem Buchrücken an. Genau das ist es.


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Zugegeben, gelegentlich macht man Dinge, von denen man bereits vorher weiß, dass man eigentlich die Finger davon lassen sollte. Sportliche Projekte, die an Größenwahn grenzen, die Nachbarn den Kopf schütteln lassen und deren Sinn man besser nicht hinterfragt. Vielleicht fühlt man sich Tim Moore deshalb von Beginn an so verbunden. „Ein Mann, ein Rad und die härteste Italienrundfahrt aller Zeiten“, so der Untertitel des etwas anderen Reiseberichts.

Auf historischen Spuren

Cavardonga, einmaligTim Moore lebt mit seiner Familie in London. Geboren 1964 kann der Journalist und Reiseautor sich auch im fünften Lebensjahrzehnt nicht der Faszination ausgefallener Projekte entziehen. Dieses Mal hat es ihm die Geschichte des Giro d’Italia 2014 angetan. Eine zugegebenermaßen fesselnde, mitreißende und beeindruckende Heldengeschichte.

So zeichnet sich der sechste Giro d’Italia durch seine besondere Härte aus. 3.162 Kilometer waren in acht Etappen zu überwinden. Sieger war, wer die Distanz in der am schnellsten überwunden hatte. Wie hart das Rennen tatsächlich war lässt sich an diesen Zahlen nur erahnen: Von 81 Startern erreichten lediglich acht das Ziel. Alexandro Calzolari hieß der Sieger, der sich gegen Wind, Wetter, Hitze, Kälte und viele weitere Widrigkeiten durchgesetzt hatte.

So weit alles ganz normal, oder?

Gedacht, getan…

Nun, hier beginnt der „verrückte“ Teil. Anstatt seiner Faszination wie viele „normale“ Fans vergangener Zeiten zu frönen und Informationen und historisches Original-Material zu sammeln, treibt es Moore auf die Spitze. Gut, das Sammeln kommt zuerst, kaum jemand würde aber wohl auf die Idee kommen in möglichst originalgetreuem Equipment die Tour von 1914 nachfahren zu wollen. Tim Moore tut’s.

Es beginnt eine Leidensgeschichte, die für den Lesern oft genug zur Lach-Geschichte wird. Tim Moore erzählt mit schneidend scharfem Humor, ordentlich Selbstironie und noch mehr Sarkasmus von seiner Tour. Unterwegs mit einem Rad, das weit älter ist als er selbst, nur mit dem Nötigsten bestückt, stellt er sich (meist) furchtlos dem italienischen Verkehr. Stürzt er sich mit hölzernen Felgen und Bremsklötzen aus Kork (meist) todesmutig in Abfahrten. Überwindet er (meist) jede Sprachbarriere, um sein Projekt vollenden zu können.

Unser Tipp für Lachmuskeln

Kurzum: Moore nimmt den Leser mit auf eine wahnwitzig erscheinende Reise, die sich als genau solche herausstellt. Kaum eine Seite, auf der man nicht laut auflacht. Kaum ein Absatz, der einen nicht zum Schmunzeln bringt. Ergänzt wird der etwas andere Reisebericht durch gelegentliche Fotos, die Moore im 1914 Rad-Dress und sein altehrwürdiges Rad zeigen.
Wer es satt hat, im Trainingslager mit übermäßigem Ernst und Ehrgeiz vom neuesten Equipment, schnellsten Material und Topform erzählt zu bekommen, der nimmt sich Tim Moores Gironimo! mit und findet darin eine wohltuende, ernsthaft unernsthafte Abwechslung.

Gironimo! ist erschienen im Covadonga Verlag: ISBN 978- 3-936973-97-6; 378 Seiten; 14,80 Euro

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Bild: Covadonga

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