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Austria eXtreme Triathlon: Meine erste Langdistanz

28. Juli 2016 von Nina Jendretzki

Austria eXtreme Triathlon,   freiDer austria eXtreme Triathlon, ein Langdistanz die man sich härter nicht vorstellen kann. 3,8 Kilometer in der eiskalten Mur schwimmen, 186 Kilometer Radfahren auf bergigen Straßen und zum Abschluss 44 Kilometer Laufen, bis das Ziel auf dem Dachstein erreicht ist. Die diesjährige Zweitplazierte, Nina Jendretzki hat für uns die Vorbereitung und ihr Rennen zusammengefasst.


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Einige Zeit ist nun vergangen und ich konnte meine Eindrücke vom Austria eXtreme mittlerweile sortieren und vor allem den üblen Muskelkater auskurieren (den ich mir aber immerhin wohl verdient und hart erkämpft habe!)… Vorab für diejenigen, die den Austria eXtreme noch nicht kennen: es handelt sich hierbei um einen Langdistanz-Triathlon über 3,8km Schwimmen in der Mur bei Graz, 186km Radfahren und zum Abschluss ein Lauf über 44km. „eXtreme“ machen das Event wohl die insgesamt 5800 zu überwindenden Höhenmeter.

Austria eXtreme, frei

Erste Langdistanz wenn dann richtig

Wie kam ich auf die Idee mir ein solches Event als erste Langdistanz auszusuchen? Als mein Mann Gero mir, wohl nicht ganz ernst gemeint, vorschlug dort zu starten, war mein Ehrgeiz geweckt. Zumal ich seit meiner Kindheit die Berge liebe. Was konnte da noch schief gehen? Und so wurde ich als eine von fünf Frauen für eine Teilnahme ausgelost. Jetzt gab es kein Zurück mehr, immerhin hatte ich ein gutes halbes Jahr Zeit mich intensiv vorzubereiten. Beim Training habe ich mein ganzes Vertrauen in meinen Mann gesetzt, der schon einige Langdistanzen erfolgreich absolviert hat und über dementsprechendes Knowhow verfügt. Außerdem würde er mich als Supporter auf den letzten 16km hinauf zum Dachstein ins Ziel begleiten.
So verging das halbe Jahr Vorbereitungszeit wie im Fluge und das, am Ende doch ersehnte, Event stand vor der Tür. Nach ein paar Tagen Eingewöhnungszeit in der Nähe von Graz und der Anreise meines zweiten Supporters Hendrik einen Tag vor dem Start, konnte eigentlich nichts mehr schief gehen. Oder?

Zu kalt zum Einschwimmen

Austria eXtreme Triathlon, freiAm Renntag klingelte uns der Wecker um 2.20 Uhr in der Nacht aus dem Schlaf und wir machten uns auf den Weg zum Start. Als wir dort ankamen war es noch ziemlich dunkel und ich fragte mich, ob ich überhaupt erkennen kann, wohin ich schwimmen muss. Zum Glück hatte der Veranstalter vorgesorgt und die Bojen mit einem grünen Blinklicht auf der Spitze versehen. Damit niemand auf der Strecke verloren geht, musste auch ich eine Weste, versehen mit einem GPS-Tracking System, anlegen. Nachdem ich den Neo angezogen hatte, überlegte ich, ob ich mich ein wenig einschwimmen sollte. Allerdings Verwarf ich diesen Gedanken ganz schnell, nachdem ich die Wassertemperatur gefühlt hatte. Neidisch schaute ich zu meinen Mitstreitern, die teilweise mit Neoprenkappe und -socken ausgestattet waren. „Tja, dann musst du eben schneller schwimmen“, gedacht, getan… Kurz darauf ertönte um 4.30 Uhr das Kuhglocken-Startsignal und wir stürzten uns in die ca. 14 Grad kalte Mur. Um die erste Boje kamen nur die wenigsten, da man zuerst ein Stück gegen die Strömung schwimmen musste, die von außen gar nicht so stark aussah. Flussabwärts lief es für mich richtig gut und ziemlich schnell hatte ich meinen Rhythmus gefunden. Nach 2km erreichte ich die Wendeboje und positionierte mich für den Rückweg in Ufernähe. Hier war die Strömung nicht ganz so stark. Auch der Rückweg lief gut und somit kam ich als schnellste Frau und gesamt 4. aus dem Wasser.

Ich habe es ihnen immer wieder geglaubt

Austria eXtreme, freiAn Land nahmen mich meine Supporter Gero und Hendrik in Empfang und da die Beiden zwischenzeitlich den Wechselplatz für mich hergerichtet hatten, konnte ich mich zügig auf das Rad schwingen und die ersten leicht welligen 50 Radkilometer hinter mich bringen.?Ernst wurde es beim Anstieg zum ersten Berg, dem Gaberl. Zwar noch nicht so steil, zog sich der Berg aber über mehrere Kilometer. Auch die Sonne bahnte sich nach und nach ihren Weg hinter den Wolken hervor, denn es sollten schwüle um die 30 Grad werden. Die Hitze machte sich dann auch im weiteren Rennverlauf deutlich bemerkbar und meine Supporter waren damit beschäftigt mir regelmäßig Wasser zur Abkühlung über den Körper zu schütten. Laut Straßenbuch wusste ich, dass nach dem ersten Berg noch zwei kleinere und dann der Königsanstieg zum Sölkpass kommen würden. Nun ja, irgendwie mussten ja die 3900 Höhenmeter zusammen kommen. So fuhr ich dann zunächst noch relativ gelassen weiter, bis mir am zweiten Anstieg dreimal die Kette absprang. Dies zwang mich letztendlich dazu komplett stehen zu bleiben, damit Gero und Hendrik diese an einem gelösten Kettenglied neu nieten konnten. Im Nachhinein betrachtet war dies der einzige Zeitpunkt, an dem der Gedanke aufkam, dass ich es nicht schaffen werde und ob es nicht besser wäre, das Rennen abzubrechen. Durch die Pause hatte ich jedoch genug Zeit für die Nahrungsaufnahme, was sich als sehr gut herausstellte, da ich zuvor wohl zu wenig aufgenommen hatte und dabei war, mich in ein Energieloch zu verfrachten. Einigermaßen erholt konnte ich meinen Weg fortsetzen und einige Kilometer später den Sölkpass in Angriff nehmen. Meine beiden Supporter blieben dieses Mal, soweit machbar, immer in meiner Nähe. Das hat mir mental enorm geholfen. Denn der Berg hatte es wirklich in sich. Vor allem die letzten ca. 4,5 Kilometer, auf denen ich dachte, dass diese steilen Serpentinen niemals aufhören würden. Auch meine Supporter waren wohl dieser Meinung und riefen mir ständig zu, dass ich es gleich geschafft hätte! Und ich habe es ihnen immer wieder geglaubt! ;-) Irgendwann stimmte es dann aber doch mal und so war ich total happy, als ich oben ankam und nun endlich die lange Abfahrt vor mir hatte.?Diese konnte ich noch ein bisschen genießen und die Beine wieder etwas locker fahren.

Austria eXtreme Triathlon, frei

Läufst du noch oder gehst du schon

Angekommen in Großsölk tauschte ich das gegen meine Laufschuhe, schnappte mir den Rucksack – den Gero und Hendrik gefühlt mit dicken Steinen gefüllt haben mussten und trabte los. Die Beine fühlten sich zunächst noch recht gut an und es ging die ersten Kilometer erst mal leicht bergab. Die Euphorie wurde allerdings ganz schnell ausgebremst, nachdem ich einer „grünen Wand“ gegenüber stand. Dabei handelte es sich um einen recht steilen Graswall, der zudem noch komplett in der Sonne lag. Kurz überlegte ich, ob sich vielleicht einer meiner Mitstreiter einen Scherz erlaubt und das Schild in die falsche Richtung gedreht hat, da auch kein richtiger Weg erkennbar war. Ziemlich weit oben leuchtete mir aber ein weiteres Eventschild entgegen, also musste es wohl doch die richtige Richtung sein! Dass mir noch eine weitere biestige „Herausforderung“ bevor stand, ahnte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. War wohl auch besser so.?Oben angekommen konnte ich erst mal wieder etwas weiterlaufen und das Laktat aus den Beinen schütteln. Ein französischer Mitstreiter war im selben Tempo unterwegs wie ich und so kämpften wir uns die weiteren Kilometer gemeinsam laufend und gehend vorwärts. Da die Hitze und die Luft mittlerweile dermaßen heiß waren, entschieden wir uns einen Großteil zügig gehend zu absolvieren. Nach einigen Stunden erreichten wir den Checkpoint von der Silberkarklamm.

Austria eXtreme Triathlon, frei

Der glücklichste Mensch überhaupt

Ab hier war es verpflichtend seinen Supporter an seiner Seite zu haben. Gero erwartete mich auch schon und so konnte ich endlich meinen Rucksack loswerden und ihm das ganze „Gepäck“ überlassen. Mit etlichen Dosen Red Bull im Gepäck machten wir uns ziemlich flott – was man zu diesem Zeitpunkt zumindest noch als „flott“ bezeichnen kann – auf die letzten 16 Kilometer. Hier verlief der Weg zuerst leicht wellig und wir sammelten unterwegs noch einige Athleten-Supporter-Paare ein. Am letzten Checkpoint angekommen, teilte man uns mit, dass es nur noch ungefähr 5 Kilometer bis zum Ziel seien. Welch eine Freude, die aufkommt, wenn man denkt, dass man es gleich geschafft hat. Das „gleich geschafft“ musste ich kurz darauf wieder revidieren, da wir zu diesem Zeitpunkt „erst“ 1500 von den insgesamt 1900 Höhenmetern bewältigt hatten. Blieben also noch 400 Höhenmeter und die hatten es in sich! Die Südwandhütte, und damit den höchsten Punkt des Rennens, mal mehr und mal weniger vor Augen, kämpften wir uns Schritt für Schritt vorwärts. Die Beine dermaßen schwer, müde und geschafft von den vielen Stunden, die ich bereits hinter mir hatte, wollte dieses Stück absolut kein Ende nehmen! Zum Glück war Gero an meiner Seite, der mich immer und immer wieder vorwärts pushte. Und dieses Gefühl, als wir endlich die Hütte in greifbarer Nähe hatten, war einfach unglaublich und überwältigend. Ab dann wusste ich, dass es nur noch 1,5 Kilometer und 200 Höhenmeter runter bis zum Ziel waren und ich es endlich geschafft hatte. Ich sammelte die allerletzte Kraft, um diesen letzten Abschnitt noch zu bewältigen. Für mich der längste Zieleinlauf überhaupt, aber auch der emotionalste. Als ich die Kuhglocken und das Klatschen hörte und dann das Ziel sah, wusste ich, dass ich den Austria eXtreme geschafft habe. In dem Moment war ich der glücklichste Mensch überhaupt und jeder, der schon mal einen besonderen Wettkampf gefinisht hat, weiß, wie unglaublich dieses Gefühl ist und wie stolz man auf sich sein kann.?Vielen, vielen Dank an meine Supporter Gero und Hendrik, die es mir möglich gemacht haben, dieses Ziel und auch einen kleinen Traum wahr werden zu lassen!

Zur gesamten Fotostrecke.

Informationen zum austria eXtreme Triathlon 2017 gibt es hier.

Fotos: Austria eXtreme Triathlon

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