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Anja Ippach und ihr Weg nach Kona 2012

15. August 2011 von Christine Grammer

Beste Deutsche und Platz sieben overall – so lautete am Wochende das Ergebnis für Anja Ippach in Wiesbaden beim 70.3.  Nach einem sehr holprigen Saisoneinstieg scheint die deutsche Profi-Triathletin nun langsam in Form zu kommen.  Wir haben mit Anja über die bisherige Saison, Wiesbaden und die weiteren Planungen für 2011 und 2012 gesprochen.


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Nach krankheitsbedingter Absage von Rennen Anfang der Saison warst du beim Ironman Zürich auf dem besten Weg eine Podiumsplatzierung zu erreichen. Laut deiner Homepage wurdest du fehlgeleitet!? Was ist genau passiert und warum hast du dich entschlossen das Rennen frühzeitig zu beenden?

Es geschah bei Kilometer 130 beim Radfahren. Das Führungsmotorrad bog falsch ab und ich verließ die Radstrecke. Unglücklicherweise versagte an dieser Stelle auch der Streckenposten und ich folgte dem Motorrad, das allerdings dann nicht mehr zu sehen war. Nach einigen Kilometern merkte ich dann erst, dass ich nicht mehr auf dem Rennkurs war und Passanten am Straßenrand bestätigten mir dies. Daher machte ich kehrt und versuchte zurück zur Strecke zu gelangen. Irgendwie kam ich dann auch wieder auf die Strecke, merkte jedoch, dass mein Tacho nicht mit den angegebenen Streckenkilometern übereinstimmte. Daher sprach ich den nächsten Kampfrichter an und schilderte ihm das Geschehen und dass ich circa 5 km zu wenig gefahren bin. Nach einem Telefonat mit der Rennleitung entschied dieser, dass ich nach den beiden Führenden wieder ins Rennen einsteigen könnte. Allerdings konnte die Rennleitung mir nicht zusichern, ob ich gewertet werde, aber dass ich auf jeden Fall ein Veto einlegen könnte, da die Schuld beim Motorradfahrer lag. Letztenendes habe ich dann die Entscheidung getroffen, mich selbst zu disqualifizieren. Denn ich hätte mich über den sehr sicheren 3. Platz niemals freuen können. Lieber verliere ich ein Rennen als mein Gesicht! Außerdem hätte ich mich über einen Podiumsplatz, bei dem ich zu wenig Radkilometer gehabt hätte, nicht freuen können und das Rennen wäre mir persönlich nichts wert gewesen.

Wie ist dein Training seither verlaufen? Was hast du dir für Sonntag vorgenommen?

Nach dem Motto „Jetzt erst recht!“ habe ich in den vergangenen drei Wochen so hart trainiert wie nie zuvor. Zum ersten Mal hatte ich den Punkt erreicht, an dem Schwimmen, Radfahren und Laufen wirklich zur Qual wurden und ich mich nicht mehr über jede Trainingseinheit freuen konnte. Die schlechten Witterungsverhältnisse, die ich zwar im Wettkampf sehr mag, jedoch nicht im Training, kamen erschwerend hinzu. Daher musste ich in vielen Trainingsstunden meinen Kopf ausschalten  – eben „Augen zu und durch“. In diesen Wochen habe ich wahrhaftig gespürt, was es heißt Profi-Triathlet zu sein. Für Sonntag erhoffe ich mir, dass das harte Training bereits seine Wirkung zeigt und ich vor allem in den Disziplinen Radfahren und Laufen eine Entwicklung sehe. Als schnelle Schwimmerin heißt es natürlich wie bei fast allen Wettkämpfen „attack from front“. Das bergige Radprofil kommt mir auf jeden Fall entgegen und es sorgt für ein faires Rennen.

Im Gegensatz zu manch anderen Athleten liebst du kalte und schwierige Bedingungen. Wie gehst du mit Kälte bzw. Regen im Rennen um? Welche Tipps kannst du unseren Lesern geben?

Schwierige Bedingungen wie harte Berge und Kälte finde ich richtig klasse im Wettkampf. Das Rennen bekommt dann so einen „Survival-Charakter“ und es wird mehr zu einem mentalen Kampf. Der Umgang mit der Kälte ist natürlich auch ein bisschen Typsache. Ich bin wohl eher kälteunempfindlich.  Das liegt wahrscheinlich auch an meiner physiologischen Konstitution. Neben ausreichend Kleidung, ist ein wichtiger Punkt bei kalten Temperaturen aber vor allem die Ernährung. Hier gilt es den erhöhten Energiebedarf auch zuzuführen, d.h. ein paar Energy Gels mehr als sonst. Der erhöhte Energiebedarf und die angepasste Wettkampfversorgung werden meistens unterschätzt.

Im September steht der Ironman Wales auf deiner Wettkampfliste. Planst du noch weitere Ironmanrennen dieses Jahr? Wie sieht deinen Wunschfahrplan zur Quali für den Ironman auf Hawaii 2012 aus?

Der Ironman in Wales ist auf jeden Fall einer meiner Saisonhöhepunkte, denn ab dann geht das „Punkte sammeln“ für Kona 2012 los. Danach plane ich noch einen Ironman im November (entweder Arizona oder Cozumel) und dann geht es in eine kleine Weihnachtspause. Im Jahr 2012 gibt es dann je nachdem wie der Formaufbau läuft, zwei Varianten entweder mache ich zwei Ironman Rennen mit hoher Punktzahl, also Texas und Frankfurt oder eines der beiden 4000er-Rennen und dann zwei bis drei 70.3 Rennen.

Wir drücken dir für eine erfolgreiche Saison 2011 und 2012 die Daumen

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